Die IAA soll sich künftig nicht mehr nur ums Auto drehen. Foto: picture alliance / Frank Rumpenh/Frank Rumpenhorst

Die Besucherzahlen der IAA sinken seit Jahren. Ein neues Konzept soll die Messe aus den Messehallen in die Städte bringen und das Interesse einer breiteren Bevölkerung gewinnen. Das Interesse der Städte, die Messe zu bekommen, ist groß.

Stuttgart - Sieben deutsche Großstädte bewerben sich um die Internationale Automobilausstellung (IAA), eine der größten Automessen der Welt, für die ein neuer Standort gesucht wird. Nachdem Stuttgarts OB Fritz Kuhn vor wenigen Tagen gegenüber unserer Redaktion bestätigt hatte, dass auch Stuttgart sich um die Messe bemüht, nannte der Verband der Automobilindustrie (VDA) nun die übrigen Städte: Außer Stuttgart und Frankfurt, das die IAA behalten will, sind dies Berlin, Hamburg, Hannover, Köln und München.

Die IAA hatte in der Vergangenheit unter einem starken Zuschauerschwund zu leiden; zur letzten Messe, die im Herbst im Frankfurt stattfand, kamen mit 560 000 Menschen fast 40 Prozent weniger als noch vor vier Jahren. Angesichts der zunehmenden Bedeutung digitaler und nachhaltiger Technologien zieht es Zuschauer und auch Hersteller immer weniger zu PS-dominierten Autoschauen.

Präsenz in der Stadt ist wichtig

Um den Trend zu stoppen und sich verstärkt für Besucher jenseits eingefleischter Autofans zu öffnen, will der Verband die Messe komplett neu konzipieren. Die neue IAA sei „mehr als eine Automesse“, sagt VDA-Geschäftsführer Martin Koers. Sie sei vielmehr ein „Konzept, mit dem sich die austragende Stadt gemeinsam mit uns zur einer Smart City entwickeln soll“. Sie soll nicht mehr nur auf einem Messegelände stattfinden, sondern auch in der Stadt präsent sein, wo sie außer dem Auto selbst auch nachhaltige Mobilität, intelligente Verkehrskonzepte und die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger erlebbar machen soll. Zu diesen Verkehrsträgern könne nicht nur der öffentliche Nahverkehr zählen, sondern zum Beispiel auch elektrische Fahrräder. Zugleich machte der VDA bereits in der Vergangenheit deutlich, dass das Auto weiter eine zentrale Rolle spielen soll.

Die teilnehmenden Städte stehen nun vor der Aufgabe, Konzepte zu entwickeln, wie sie die IAA zum „Katalysator“ für eine nachhaltigere, vernetzte Mobilität machen können, heißt es beim VDA. Dieses solle sich nicht allein auf die Automesse selbst beziehen. Vielmehr sollten die Städte ihre Agenda für die Mobilität vorstellen, in die die IAA „huckepack“ mitgenommen werden könne. So lege der Verband Wert darauf, dass nicht eigens für die Messe eine Infrastruktur, etwa in Form von Ladesäulen für E-Autos, geschaffen werde, die danach wieder verschwindet.

Auto soll weiter zentrale Rolle spielen

Da nicht nur das jeweilige Stadtgebiet, sondern auch die Messe selbst eine wichtige Rolle spielt, habe die Verbindung zwischen diesen beiden Orter eine große Bedeutung. Zugleich bestehe der Anspruch nach wie vor auch darin, Spitzentechnologie der Autobranche zu zeigen.

Kritik, wonach Städte, die an der Messe teilnehmen wollen, ihre Strategie an den Bedürfnissen des Autoverbands ausrichten müssten, weist der VDA zurück. Das Konzept werde nicht vom VDA entwickelt, sondern gemeinsam; zudem seien die Vertreter der jeweiligen Stadt demokratisch legitimiert und hätten das Mandat, die künftige Mobilität zu gestalten.

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