Jubel beim Auftaktspiel der Frauenfußball-WM. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Giulia Gwinn führt Deutschland zum Gewinn – der WM-Auftakt der DFB-Frauen war insgesamt geglückt. Aber die Chinesinnen wehrten sich und sorgten teilweise für brenzlige Situationen.

Rennes - Die deutschen Fußballerinnen haben die „Chinesische Mauer“ nach hartem Kampf überwunden und sind mit einem Arbeitssieg in die WM gestartet. Dank eines Treffers von Youngster Giulia Gwinn (66.) gewann der zweimalige Weltmeister sein Auftaktspiel 1:0 (0:0) gegen China.

Damit bleibt es dabei, dass die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu Endrundenbeginn nicht zu schlagen ist. Sieben Siege und ein Remis stehen zu Buche. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg feierte in ihrem ersten Pflichtspiel einen glücklichen Dreier.

Vor der Partie hatte das deutsche Team Unterstützung von zahlreichen Seiten erhalten. Die Männer-Mannschaft und die U21 wünschten den Frauen viel Glück. Ex-Trainer Horst Hrubesch ließ verlauten, dass er die Endrunde als „größter Fan der Mannschaft“ verfolgen wird. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte die Daumen.

Spiel auf ein Tor

Die 15.283 Zuschauer, darunter DFB-Interimspräsident Rainer Koch, sahen einen guten Start der Deutschen. Sara Däbritz (3.) hätte den Weltranglisten-Zweiten, bei dem sechs WM-Debütantinnen in der Startformation standen, schon in der 3. Minute aus der Distanz in Führung bringen können.

Was folgte, war ein Spiel auf ein Tor. Die Asiatinnen mit dem bezeichnenden Spitznamen „Stahlrosen“ agierten extrem defensiv und rustikal in der Zweikampfführung. Dass der Abwehrriegel kaum zu knacken war, machte die Deutschen zusehends nervös. Nach einem haarsträubenden Fehlpass von Innenverteidigerin Sara Doorsoun vergab Yang Li die große Chance auf das erste Tor für China (14.).

Nach dieser Schrecksekunde fing sich die Elf von Voss-Tecklenburg kurz wieder. Zunächst traf Carolin Simon die Latte (17.), dann konnte Spielführerin Alexandra Popp per Kopf nicht vollstrecken (20.).

Danach ging es aus deutscher Sicht bergab. Die ideenlose DFB-Elf arbeitete sich ohne Erfolg an der Defensive des Gegners ab und wurde immer unsicherer. Die Chinesinnen spürten die Schwäche ihres Gegners und wurden selbstbewusster. Das Team aus dem Reich der Mitte hätte gegen Ende der ersten Hälfte sogar die Führung verdient gehabt: Yang traf den Pfosten (44.).

Harte Gangart der Chinesinnen

Zu allem Überfluss trugen drei deutsche Spielerinnen (Popp, Simon und Spielmacherin Dzsenifer Marozsan) als Folge der harten Gangart der Chinesinnen Blessuren davon. Zu Beginn der zweiten Hälfte musste Simon durch die 17 Jahre alte Lena Oberdorf ersetzt werden - Oberdorf stieg damit zur jüngsten deutschen WM-Spielerin jemals auf.

Voss-Tecklenburgs Umstellungen fruchteten: Nach einer knappen Stunde wurden die Deutschen wieder stärker. Gwinn, die zur kommenden Saison vom SC Freiburg zu Bayern München wechselt, brachte die Überlegenheit mit dem zweiten Tor in ihrem neunten Länderspiel auf die Anzeigetafel.

Zwei Jahre nach dem EM-Debakel unter Steffi Jones, als der Rekordeuropameister im Viertelfinale scheiterte, befindet sich die deutsche Auswahl nach wie vor im Umbruch. Voss-Tecklenburg ist erst ein halbes Jahr im Amt, das DFB-Team die fünftjüngste Mannschaft der 24 Teilnehmer. 15 Spielerinnen sind erstmals bei einer WM dabei.

Am Mittwoch gegen Spanien

Das große Ziel ist die Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio. Dafür muss das DFB-Team unter die drei besten Teams Europas kommen. Holt Deutschland den Titel, winkt eine Prämie von 65.000 Euro plus 10.000 Euro Olympia-Bonus.

Erstes Etappenziel ist Platz eins in der Gruppe B, um einem Achtelfinale gegen den Titelverteidiger aus den USA aus dem Weg zu gehen. Schlüsselspiel wird wohl das Duell mit Spanien am Mittwoch (18.00 Uhr/ZDF und DAZN). Gegen WM-Neuling Südafrika am 17. Juni (18.00 Uhr/ARD und DAZN) ist Deutschland klarer Favorit.

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