Franz Beckenbauer, Fußballheld und ehemaliges Präsidiumsmitgliede des Organisationskomitees der WM 2006 in Deutschland. Foto: AP

Für Franz Beckenbauer, Lichtgestalt des deutschen Fußballs, steht die nächste Station in der Affäre um die WM 2006 auf dem Programm.

Stuttgart - Die Reise führt nach Hamburg, genauer zur dortigen Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA). Laut Recherchen von SZ, NDR und WDR sollen die einstigen Präsidiumsmitglieder des Organisationskomitees der WM 2006, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Fedor Radmann, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger vor der ÖRA in Hamburg erklären, ob sie gewillt sind, 7,7 Millionen Euro an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu zahlen. So hoch ist die veranschlagte Schadenersatzsumme in der Affäre um die WM 2006. Beckenbauer und alle anderen ehemaligen Mitglieder sind aber keineswegs gewillt zu zahlen.

Gütertermin ohne Verpflichtung

Im SZ-Exklusiv-Text zu Beckenbauer ist zu lesen, dass der DFB bei der Hamburger Schlichtungsbehörde für Streitfälle einen „Antrag auf Einleitung eines Güteverfahrens“ einreichte und diese dann daraufhin für den 29. März einen Gütetermin mit Franz Beckenbauer und weiteren Ex-Funktionären ansetzte. Die ehemaligen Mitglieder des Organisationskomitees sind allerdings nicht verpflichtet, zu dem Termin zu erscheinen.

Die Anwälte der Beschuldigten werfen dem DFB vor, der Verband habe das Verfahren in Hamburg „unter Missbrauch geltenden Rechts“ angestoßen. Im Vordergrund stehe nicht das Finden einer einvernehmlichen Lösung, es drehe sich schlichtweg darum, eine Verjährung der geltend gemachten Ansprüche zu verhindern.

Im Falle eines finanziellen Schadens aufgrund der WM Affäre seitens des DFB, soll dieser direkt bei den WM-Machern von einst eingefordert werden. Auf Gütetermine kann sich der DFB dann aber nicht stützen - hier hilft nur ein ordentliches Gerichtsverfahren.

Wo versickerten die Millionen?

Die Summe von 7,7 Millionen Euro setzt sich aus den 6,7 Millionen Euro zusammen, die das Komitee vor der WM 2006 verschoben hatte, plus eine Million Euro Zinsen. Weitere Forderungen könnten folgen.

Wohin die Millionen letztendlich flossen, ist bislang noch ungeklärt. Gerüchten zufolge stammen die 6,7 Millionen aus dem Vermögen des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus, der das Geld im Jahr 2002 an Beckenbauer verliehen haben soll.

Drei Jahre später habe das WM-Organisationskomitee die Millionen über die Fifa dann an Dreyfus zurückgezahlt, getarnt als Zuschuss für eine damals noch geplante Eröffnungs-Gala für die WM 2006. Diese Gala wurde Allerding von der Fifa später abgesagt. Laut DFB hat das Organisationskomitee die 6,7 Millionen Euro aber nicht von der Fifa zurückgefordert, auch „nachdem der angebliche Verwendungszweck entfallen war“.

Bleibt Abzuwarten, wie Franz Beckenbauer und die übrigen Ex-Mitglieder des WM-Komitees auf die Vorwürfe reagieren, Millionen werden aber erst mal nicht an den DFB fließen.

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