Die deutschen Maschinenbauer wollen mehr Mitarbeiter einstellen. Foto: dpa/Armin Weigel

Die für Baden-Württemberg wichtigen Unternehmen im Anlagen- und Maschinenbau blicken zuversichtlich in die Zukunft. Doch es gibt zwei große Risiken.

Mehr als eine Million Menschen arbeiten momentan in Unternehmen aus dem Anlagen- und Maschinenbau – und ihre Zahl könnte im nächsten Jahr weiter wachsen. Dies legen Prognosen nahe, die der Verband Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt vorgestellt hat. Laut einer aktuellen Umfrage des Verbands wollen mehr als die Hälfte der Unternehmen 2023 ihren Personalstand ausbauen, einen Abbau planen nur wenige Firmen.

 

Fast alle Unternehmen (97 Prozent) geben dabei an, dass sie unter einem Mangel an Fachkräften leiden. „Es wird uns nicht gelingen, im nächsten Jahr alle offenen Stellen zu besetzen“, sagt Karl Haeusgen, der Präsident des VDMA. Aktuell gebe es im Maschinenbau bundesweit rund 14 000 offene Stellen. Die Branche prägt auch den Wirtschaftsraum Baden-Württemberg mit zahlreichen Betrieben wie etwa Allgaier, Dürr oder Trumpf.

Der Frauenanteil liegt bei nur 17 Prozent

Der Arbeitskräftemangel betrifft im Maschinenbau nicht nur die Fachkräfte: „Die Unternehmen suchen von gering Qualifizierten bis zu Ingenieuren“, so Haeusgen. Ein Manko und zugleich eine Chance sieht der Verband beim Anteil von Frauen in den Betrieben: dieser liegt momentan bei knapp 17 Prozent. Weil nun viele geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand gingen, seien die Unternehmen darauf angewiesen, den Anteil an weiblichen Beschäftigten zu erhöhen.

Der Maschinenbau stehe beim Kampf um Arbeitskräfte in einem harten Wettbewerb mit vielen anderen Branchen, so Haeusgen. Die Unternehmen würden dies erkennen und viel dafür tun, dass ältere Mitarbeiter länger arbeiten wollen und nicht mehr so früh in Rente gehen: „Die Gesundheitsförderung bei der Arbeit ist ein Riesen-Thema“, sagt der Verbandspräsident.

Haeusgen beschreibt einen Wandel in der Produktion: Zunehmend würden Systeme zur Schalldämmung eingerichtet, um den Lärm zu verringern. Bei der Planung neuer Hallen würde darauf geachtet, dass mehr Tageslicht die Arbeitsplätze erreiche. Das Arbeitsumfeld würde so verändert, dass sich die Mitarbeiter seltener bücken müssten, um schwere Teile anzuheben.

Eine „Festung Europa“ dürfe es nicht geben

Unterdessen beschäftigen sich viele Unternehmen aus dem Maschinenbau mit den Chancen und Risiken auf dem chinesischen Markt. „China ist sehr wichtig und wird es auf absehbare Zeit bleiben“, sagt Karl Haeusgen. Derzeit ist China der zweitwichtigste Exportmarkt für die deutschen Maschinenbauer. Eine Abschottung, gar eine „Festung Europa“ dürfe es daher auf keinen Fall geben.

Ob die Geschäfte mit China weiter wesentlich zum Erfolg deutscher Unternehmen beitragen, hängt auch von der Politik ab. „Über all dem schwebt die ungelöste Taiwan-Frage“, sagt Karl Haeusgen. Daher sei es für die Unternehmen wichtig, dass sie sich neue Absatzmärkte jenseits von China erschließen. Auf diese Weise könnten politische Risiken abgemildert werden. Zu attraktiven Märkten jenseits der Supermacht China zählten Indien, Vietnam, Malaysien und Australien.