Azubi Robin Bayer (links) und Wasni-Geschäftsführer Daniel Kowalewski. Foto: /Janey Schumacher

Wasni aus Esslingen steht vor dem größten Erfolg in der jungen Unternehmensgeschichte. Es ist nominiert für den Landespreis für junge Unternehmen.

 
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Den Umsatz in wenigen Jahren vervielfacht, die Produktionszeit für jedes einzelne Produkt deutlich verringert. Die Mitarbeiterzahl: Um 500 Prozent gestiegen in nicht einmal einem Jahrzehnt. Die Fabrikfläche im vergangenen Jahr verdreifacht. Die Produktpalette erweitert, die Zahl der angefertigten Stücke mehr als vervierfacht. Und sich trotzdem treu geblieben. Geht das? In der Regel nicht, allerhöchstens in einer Sonntagsrede. Aber was ist schon die Regel? Wasni, so der Name des Unternehmens, steht für diesen Satz: Wenn anders sein normal ist.

Darüber muss man erst mal nachdenken. Nachgedacht hat auch die Jury des Landespreises für junge Unternehmen und kam zu dem Schluss, dass das Esslinger Unternehmen preisverdächtig ist. Wasni schaffte es tatsächlich unter die letzten zehn, die am Dienstagabend zu der Preisverleihungsgala in das Neue Schloss in Stuttgart eingeladen wurden. Ob es auch für einen der ersten drei Preise reichen wird, die die Siegerinnen und Sieger aus den Händen des baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann empfangen? „Wir hoffen natürlich, dass wir es auf das Podest schaffen“, sagt Unternehmensgründer und Geschäftsführer Daniel Kowalewski.

Insgesamt hatte es 600 Einsendungen gegeben. Und Wasni ist unter den Top Zehn. Das ist der größte Erfolg in der jungen Unternehmensgeschichte. Dies umso mehr, weil der Hoodie-Herseller tatsächlich anders ist. Aber der Reihe nach.

Die Entscheidung fiel auf Textilien

Als Unternehmensgründer und Geschäftsführer Daniel Kowalewski im vergangenen Jahrzehnt auf der Idee herumkaute, ein Unternehmen zu gründen, stand nicht das Produkt im Vordergrund. Für ihn sollte es eine Inklusionsunternehmen sein. Danach erst kam die Frage: Und was produzieren wir? Die Entscheidung fiel auf Textilien. Zu dritt begann Wasni und produzierte in der Esslinger Innovationsmeile, der Küferstraße, erste Hoodies und Sweatshirts. Mit und ohne Kapuze, mit und ohne Reißverschluss. Das kleine Team produzierte sechs Hoodies am Tag – ohne große Maschinen, mit Schere und Nähmaschine. Heute steht in einer Fabriketage in Esslingen-Mettingen ein sechs Meter langer CNC-Cutter. Das ist eine computergesteuerte Maschine, die den Stoff mit hoher Präzision zuschneidet. 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fertigen inzwischen fast 8000 Stücke im Jahr.

Und das läuft so: Die bunten Stoffe werden in großen Rollen angeliefert. Eine Rolle liegt auf der Maschine, wo der Stoff auf die Bahn gezogen wird. An einem Computer werden die Schnitte eingegeben für die einzelnen Teile, die die Maschine dann genauso ausschneidet wie eingegeben. Die Teile kommen dann in Körbe mit exakten Beschriftungen etwa zur Größe, aus denen hervorgeht, für welchen Hoodie hier gerade was geschnitten wurde. Diese Körbe gehen in den Nähraum. Hier werden die Teile zusammengenäht. In weiteren Schritten werden bei den Kapuzenshirts die Kordeln eingezogen, die Reißverschlüsse genäht, die vom Kunden gewünschten Aufschriften gedruckt.

Das Unternehmen ist sich treu geblieben

Zwischendurch gibt es verschiedene Qualitätskontrollen. Am Ende wird das Produkt, sofern es nicht abgeholt wird, verpackt und versandfertig gemacht. Die Hälfte der Bestellungen kommt online ins Haus, viele Käufer kommen aber auch in den Laden und lassen sich ausmessen. Etwa ein Viertel der Produktion geht an größere Gruppen wie Firmen und Vereine, die sich ihr Logo auf die Shirts drucken lassen. Jeder Hoodie und jedes Shirt kann hochindividuell angepasst werden. Nicht nur, was die Farben betrifft. Ist zum Beispiel ein Arm länger als der andere, wird dies beim Zuschneiden berücksichtigt.

Trotz der Vergrößerung ist sich Wasni treu geblieben. Es versteht sich als ein Inklusionsunternehmen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. Es werde bedarfsorientiert entlohnt. „Es ist ein Unterschied, ob jemand alleinerziehend ist oder mietfrei bei den Eltern wohnen kann.“ Neben dem sozialen Aspekt spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle. So wird der Stoff vor dem Einkauf auf seine Umweltverträglichkeit geprüft. Auch der Umgang mit den Lieferanten, die Kowalewski Partner nennt, ist etwas anders als üblich. Zwischen diesen Partnern herrsche große Transparenz, was heißt, dass Wasni genau weiß, woher der Stoff kommt, mit dem das Unternehmen arbeitet, und unter welchen Bedingungen die Textilien hergestellt werden.

Wie geht es weiter? Kowalewski und sein Team haben schon eine ganze Reihe von Überlegungen, was das künftige Sortiment betrifft. Die Gedanken kreisen noch. Eine kleine Innovation aber steht schon jetzt fest im Plan: Bislang haben beide Ärmel dieselbe Farbe. Künftig sollen sie auch verschiedenfarbig bestellt werden können.

Der Landespreis für junge Unternehmer

Anforderungen und Preisgeld
Der Landespreis für junge Unternehmen wird 2022 zum 14. Mal vergeben. Schirmherr ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der gemeinsam von der Landesregierung und der L-Bank ausgeschriebene Preis ehrt Persönlichkeiten, die in den letzten zehn Jahren ihr Unternehmen gegründet oder übernommen und es wirtschaftlich erfolgreich entwickelt haben. Leistungsstärke, Innovationskraft sowie soziales oder ökologisches Engagement stehen bei der Bewertung im Mittelpunkt Der mit einem Preisgeld von 90 000 Euro dotierte Landespreis für junge Unternehmen zählt zu den renommiertesten und teilnahmestärksten Unternehmenspreisen Deutschlands.

Einschätzung des Ministerpräsidenten
„Es begeistert mich stets aufs Neue, wie einmalig die baden-württembergischen Unternehmen sind – in ihren Branchen und mit ihren Geschäftsmodellen. Und wie sie auf den verschiedensten Wegen überaus erfolgreich agieren und doch gemeinsam unser Bundesland voranbringen“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann.