Der Kreisverband Ulm der AfD ist nicht besonders glücklich über die Kandidatur von Markus Mössle. Der ist kein Parteimitglied und war früher für die NPD aktiv. Foto: dpa

Trotz seiner Vergangenheit als NPD-Mitglied und verurteilter Bankräuber zieht es Markus Mössle in den Gemeinderat. Der AfD-Landesvorstand kündigt Konsequenzen an.

Ulm - Die Ortsgruppe Ulm der AfD setzt bei der Kommunalwahl im Mai auf einen bemerkenswerten Spitzenkandidaten. Ausgerechnet Markus Mössle führt die Parteiliste an, nominiert Ende Januar. In seiner Bewerbungsrede, berichtet der 56-Jährige, habe er den zwölf wahlberechtigten Anwesenden alles über seine Vergangenheit erzählt. Sie hätten ihn mit nur einer Gegenstimme dann auch auf den Schild gehoben. „Ich werde als eloquent eingeschätzt“ – so erklärt sich Mössle seinen Erfolg.

Glaubt man dem Gemeinderatsaspiranten, der sich selber stramm „rechts“ verortet, dann hätte es seiner Selbstoffenbarung gar nicht bedurft. „Jeder in meinem Umfeld wusste von meiner Vergangenheit“. Dazu gehört eine frühere Mitgliedschaft in der NPD, für die er 1983 gar versuchte in den Bundestag einzuziehen. Ein Jahr später probierte der junge Mann dasselbe für die Freiheitliche deutsche Arbeiterpartei im Wahlkreis Ehingen.

Mössle sagt, er sei seit seiner Haft zur Demokratie bekehrt

Statt im Bundesparlament landete Mössle im Jahr 1985 allerdings in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg. Ende. Zum Jahreswechsel 1984/1985 hatte er der damals 21-Jährige drei Banken und einen Sexshop in Baden-Württemberg und Hessen überfallen und seiner Geldforderung zweimal mit einer Schrotflinte und einmal mit einer Maschinenpistole Nachdruck verliehen. Die Beute, sagt er heute, habe er nicht für sich haben wollen, sondern für die Sache der politischen Rechten. Sechs Jahre und vier Monate saß der Ersttäter anschließend in Haft.

Im Jahr 2015 dann, erzählt Mössle weiter, habe er sich unter dem Eindruck der geöffneten Grenzen für Flüchtlinge der AfD in Ulm zugewandt, ohne Parteimitglied zu werden. Bald habe er Flyer entworfen, lokale Konzepte für den zurückliegenden Bundestagswahlkampf und sich so Meriten erworben. Als im Oktober vergangenen Jahres der Landesvorstand der AfD die Kreisverbände im Südwesten schriftlich aufgefordert habe, auch Nicht-Mitglieder auf den Wahllisten für die Kommunalwahl zuzulassen, sei das für ihn „wie eine Einladung gewesen“. Schließlich sei er seit seiner Haft zur Demokratie bekehrt, habe im Gefängnis eine Technikerausbildung gemacht. „Demokratie ist etwas Gutes. Das war meine ganz persönliche Erfahrung“, sagt er.

Der AfD-Landesvorstand droht dem Kandidaten

Von der guten Stimmung des Jahresbeginns ist inzwischen jedoch nicht mehr viel übrig. Innerhalb des AfD-Kreisverbandes werde gegen ihn intrigiert, sagt Mössle. Mit „Zunder in Ulm“ habe er nach seiner Nominierung schon gerechnet – aber nicht aus dem eigenen politischen Lager. Am Mittwoch drohte der AfD-Landesvorstand per Stellungnahme: „Herr Mössle ist kein AfD-Mitglied und wird für den Fall, dass er in den Rat der Stadt Ulm gewählt werden sollte, nicht für die AfD sprechen.“ Das frühere NPD-Mitglied sei „in Unkenntnis der Unvereinbarkeitsbeschlüsse“ auf die Gemeinderatsliste gekommen. „Parteiordnungsmaßnahmen gegen Personen, die Beschlüsse der Parteigremien nicht umgesetzt haben, werden geprüft“, heißt es in der Stellungnahme.

Es sei die Empörung vieler Ulmer Mitstreiter über den Parteivorstand in Stuttgart, weswegen von ursprünglich acht Gemeinderatskandidaten inzwischen vier wieder zurückgezogen haben, sagt Mössle – unter ihnen der örtliche Landtagsabgeordnete Daniel Rottmann. Auch für die anstehende Kreistagswahl, ist zu hören steht mittlerweile nur noch eine Rumpftruppe zur Verfügung. Er denke nicht daran, sagt der geschmähte Listenführer, seine lokalpolitischen Ambitionen aufzugeben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: