Kerstin Vachek hatte die Idee, einen Winterspielplatz einzurichten. Foto: Tilman Baur

Der Winterspielplatz in der Bethelkirche war vor 20 Jahren ein Unikum. Auch heute ist die Einrichtung im Stuttgarter Westen noch äußerst beliebt.

S-West - Für Eltern mit kleinen Kindern gibt es in der warmen Jahreszeit unendlich viele Beschäftigungsmöglichkeiten: Ein Besuch im Freibad, unzählige Spielplätze oder einfach ein Bummel durchs Viertel. Im Winter schrumpfen die Möglichkeiten auf ein Minimum zusammen. Diese Misere nahm Kerstin Vachek, Gemeindediakonin der Bethelkirche im Stuttgarter Westen, vor 20 Jahren zum Anlass, den ersten Winterspielplatz für Kinder im Gottesdienstraum der Kirche einzurichten.

Zwei junge Mütter haben die Idee mit Unterstützung der Gemeinde realisiert

Zwei junge Mütter – eine davon Kerstin Vachek selbst – waren damals auf einen Artikel in der Zeitschrift Family gestoßen, der über einen Winterspielplatz in Berlin-Kreuzberg berichtet hatte. Die Idee überzeugte die zwei Frauen sofort, und mit der Unterstützung der Gemeinde und finanzieller Hilfe des Bezirksbeirats West schafften sie es, innerhalb eines halben Jahres den Spielplatz zu installieren. „Wir mussten anfangs Überzeugungsarbeit leisten. Einige hatten Bedenken, weil der Spielplatz im Gottesdienstraum steht“, sagt Kerstin Vachek.

Doch spätestens als die Gemeindemitglieder die überwältigende Resonanz auf den Spielplatz erlebten, hätten sie ihre Bedenken über Bord geworfen. Eltern mit Kindern rannten der Bethelkirche dann doch recht schnell die Türen ein.

Und das ist bis heute noch so: Nicht selten müssen die ehrenamtlichen Betreuer den Spielplatz nachmittags schließen, weil sich maximal 60 Kinder gleichzeitig im Raum aufhalten dürfen und der Andrang weiterhin groß ist.

Eltern besuchten den Spielplatz auch, um Kontakte zu knüpfen

Der Stand der Gesellschaft vor 20 Jahren macht den sofortigen Erfolg des Konzepts im Rückblick umso verständlicher. Frauen gingen in den „Erziehungsurlaub“, Kinder mit frühestens drei Jahren in den Kindergarten, Begriffe wie „Elternzeit“ oder „Elterngeld“ waren noch unbekannt. „Viele Eltern sind auch gekommen, weil sie aus dem Job raus waren und keine Kontakte mehr hatten“, sagt Vachek.

Auch heute kämen mitunter Eltern, die sich bewusst gegen eine frühkindliche Betreuung entscheiden, sagt Vachek, aber auch solche, die keinen Betreuungsplatz erhalten haben. Der Spielplatz hat so oder so viele positive Nebeneffekte: Eltern knüpfen Kontakte, Kinder sind beschäftigt und engagierte Gemeindemitglieder haben eine Aufgabe.

Die Beliebtheit der Einrichtung hat nie nachgelassen

Am vergangenen Samstag haben 60 aktuelle und ehemalige Ehrenamtliche des Winterspielplatzes das Jubiläum bei einem Brunch gefeiert, am Sonntag außerdem im Gottesdienst. Trotz eines mittlerweile verbesserten Betreuungsangebots habe die Beliebtheit der Einrichtung nicht nachgelassen, sagt Kerstin Vachek. Pro Saison kommen etwa bis zu 3000 Besucher aus der ganzen Region Stuttgart.

Das Beispiel Bethelkirche hat mittlerweile in der Stadt Schule gemacht. In Stuttgart gibt es inzwischen verschiedene ähnliche Einrichtungen, und Vachek berät auch immer wieder Menschen in anderen Städten und sogar im Ausland, die Winterspielplätze planen. Bei der Gründung vor 20 Jahren habe sie nicht gewusst, ob und wie das Konzept ankommen werde. „Und natürlich freuen wir uns darüber, was hier entstanden ist“, so Vachek.

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