Während die Kinder betreut werden, genießen die Paare – oftmals seit langem das erste Mal – ein paar Stunden zu zweit. Foto: Wenke Böhm

Zweisamkeit ist für viele Eltern purer Luxus. Das weiß auch die Bethelkirche und lädt seit 2012 einmal im Jahr zum romantischen „Dinner for two“. Die Kinder toben derweil unter Aufsicht auf dem Winterspielplatz der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde.

S-West - Der Tisch ist festlich geschmückt. Kleine Glitzersteine reflektieren das Kerzenlicht in zahlreichen Facetten. Die weißen Rosen machen klar: heute ist Zeit für Romantik. Was sonst ein nüchterner Veranstaltungssaal ist, wird an diesem Abend zum Restaurant. Dinieren dürfen hier diejenigen, die sonst nur selten Zeit für sich finden: junge Eltern.

18 Paare haben sich in der Bethelkirche angekündigt. Um 19.15 Uhr geht es im Foyer zu, wie in einem Taubenschlag. Während die ersten Eltern schon zu den Tischen geführt werden, sortieren andere noch ihre Kinder und sich selbst. Denn für die nächsten zwei Stunden heißt es Abschied nehmen. Damit sich die Eltern das Menü im Erdgeschoss in Ruhe und ohne schlechtes Gewissen munden lassen können, dürfen sich die Zwerge auf dem Winterspielplatz im ersten Stock austoben. Ehrenamtliche Helfer haben dabei ein Auge auf sie.

Während eine Mutter im Foyer noch die Jacke ihres Sprösslings im Kinderwagen verstaut, stürzt der Kleine bereits auf die Treppe zu. „Nicht so hastig“, ruft sie. „Ich weiß, Du möchtest hoch zu den anderen, aber es dauert noch ein bisschen.“ Wenig später gehen sie Hand in Hand die Treppe hinauf.

Die Kinder sind begeistert vom Winterspielplatz

Oben brummt der Saal. 22 Kinder zwischen null und vier Jahren tummeln sich im Bällebad, auf dem Trampolin, fahren Bobbycar oder rutschen. Die meisten haben sich mit einem Freudenschrei auf die Spielsachen gestürzt. „Der Vorteil ist, dass viele den Winterspielplatz kennen. Da bleiben sie eher hier, als wenn es eine völlig fremde Umgebung wäre“, sagt die Gemeindediakonin Kerstin Vachek.

Doch nicht allen fällt der Abschied so leicht. Vor allem die ganz Kleinen tun sich manchmal noch schwer. Wenn die Tränen gar nicht trocknen wollen, dann werden Mama und Papa zur Hilfe geholt. Schließlich soll es auch für die Kinder ein schöner Abend werden.

Unten spielt derweil leise Musik. Das Gemurmel deutet auf angeregte Gespräche hin. Der „Heimathafen West“ tischt auf. Los geht es mit einer Kartoffel-Parmesansuppe mit Maronen. Es folgt Perlhuhnbrust mit Granatapfelkernen und Kartoffelpüree. Zwetschgen-Crumble mit Vanilleeis rundet den Gaumenschmaus ab. Die Getränke sind im Preis enthalten. Jugendliche aus der Gemeinde flitzen als Kellner von Tisch zu Tisch.

Pastor Thorsten Graff hat die Idee aus einem Urlaub mitgebracht

„Die Idee zum Dinner for two habe ich mitgebracht“, berichtet Pastor Thorsten Graff. Er ist selbst Vater und weiß, wie rar Zeit zu zweit für junge Eltern sein kann. „Bei einem Urlaub im Familienhotel haben die Kinder an einem Abend separat gegessen. Das hat uns so gut getan.“ So etwas wollte er auch in der freikirchlichen Gemeinde anbieten. Also schritt er 2012 zur Tat – mit Erfolg. 2013 und 2014 gab es eine Wiederholung. „In diesem Jahr ist die Nachfrage am größten“, sagt er. 18 Paare, mehr sei kaum zu bewältigen.

Daniela Diehl war schon 2013 beim „Dinner for two“. Diesmal hat sie neben ihrem Mann noch ein befreundetes Pärchen mitgebracht. „Der Kleine ist so super betreut, dass man gar keine Bedenken hat“, sagt die 34-Jährige. Es tue gut, mal ohne Zuhörer miteinander zu sprechen. „Man redet ja auch nicht über alles vor den Kindern.“ Ihr Mann Alexander von Reyher schätzt die Atmosphäre: „Mir gefällt, das alles selbst organisiert ist. Das hat sehr viel Charme.“

Auch Sylvia Schiemann ist nicht zum ersten Mal dort. Die Großeltern seien nicht in der Nähe, sagt sie, und bei den Babysitter-Kosten überlege man sich sehr genau, ob sich das Ausgehen überhaupt lohnt. Sie schwärmt: „Es ist eine sehr wertvolle Zeit, weil man sich einmal gegenübersitzen kann und der Haushalt ist ganz weit weg.“

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