Aktuelle Winter-Impressionen vom Pfaffensee.
 Foto: Leserfotograf kurtsohnlein

Auf dem Pfaffensee wird Eishockey gespielt, der Max-Eyth-See wird von der Polizei gesperrt. Warum?

Stuttgart - Zugefrorene Seen sind ein Genuss für Spaziergänger und ein Spaß für Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler. Sie sind aber auch ein großes Risiko für jeden, der sie begeht. Schließlich ist nie sicher, wie dick das Eis wirklich ist. Und genau in diesem frostigen Dilemma steckt derzeit die Stadt Stuttgart: Den Winterspaß belassen oder wegen Lebensgefahr einschreiten?

"Es gilt ein generelles Verbot, die Eisflächen zu betreten. Dieses Verbot wird vom städtischen Vollzugsdienst im Rahmen der Streife überwacht", sagt Svenja Stickert, eine Sprecherin der Stadt Stuttgart. "Falls jemand auf dem Eis entdeckt wird, schreiten die Ordnungshüter ein. Sie weisen ausdrücklich auf die Gefahren hin."

Wie allerdings auf unseren Leserfotos zu sehen ist (klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie), hielten sich am vergangenene Wochenende viele Menschen nicht an das städtische Verbot und schlenderten über den gefrorenen Pfaffensee im Naturschutzgebiet Rotwildpark im Stuttgarter Westen. Sie liefen Schlittschuh und spielten Eishockey. An dem Schild "Betreten der Eisfläche verboten. Lebensgefahr!" der Technischen Werke Stuttgart AG (Bild 27) störte sich offenbar niemand.

Polizisten spannten rot-weißes Flatterband

Die Haltung der Polizei dazu: "Das Verbot, beispielsweise am Pfaffen- oder Bärensee, wird vom städtischen Vollzugsdienst im Rahmen der Streife überwacht sowie bei Meldungen irgendwelcher Vorkommnisse", so ein Sprecher. Also ist am vergangenen Wochenende weder eine Streife gekommen noch eine Meldung eingegangen.

Am Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen hingegen musste die Polizei am Sonntagnachmittag einschreiten. Beamte aus Zuffenhausen, die offenbar von der Straße aus die vielen Menschen auf dem See erkennen konnten, versuchten den Spaziergängern die Gefahren der vermeintlich zugefrorenen Oberfläche zu verdeutlichen. "Das Eis war an mehreren Stellen keine fünf Zentimeter dick, das konnte man sehen", so ein Polizeisprecher. Einige der rund 150 See-Touristen kümmerte dies aber nur wenig und sie gingen im Rücken der Beamten zurück aufs Eis. Also spannten die Polizisten meterweise rot-weißes Flatterband.

Was im schlimmsten Fall passieren kann, zeigt das Unglück in Obersontheim (Landkreis Schwäbisch Hall) vom vergangenen Samstag: Ein 58-jähriger Schlittschuhläufer brach im Eis eines Sees ein und starb.

In der Eiswelt Stuttgart auf der sicheren Seite

Ganz legal kann man in der Eiswelt Stuttgart aufs Eis gehen. Noch bis zum 15. April hat die frisch renovierte Eislaufhalle auf der Waldau geöffnet. Ganz neu wurde hier ein spezieller Eisgleiter für Rollstühle angeschafft. Der Eisgleiter ist sowohl für Kinder- als auch für Erwachsenenrollstühle geeignet. Der Verleih ist kostenlos.

Damit der Neckar in diesen Tagen weiter befahrbar bleibt, fahren derzeit sechs Arbeitsschiffe und pflügen durch eine dünne Eisdecke von unter zwei Zentimetern. Bis auf weiteres ist eine Abladebeschränkung in Kraft getreten, Schiffe dürfen nur noch 2,70 Meter Tiefgang haben statt 2,80. "Damit wollen wir vermeiden, dass Wasser auf unsere Wehre und Schifffahrtsanlagen schwappt, dort friert und dann unsere Anlagen außer Gefecht setzt", sagt Jochen Bode vom Wasser und Schifffahrtamt Heidelberg. Die Abladebeschränkung wird aufgehoben, wenn die Wassertemperaturen wieder über 1,5 Grad plus liegen.

Bis zu minus 17 Grad in der Nacht zu Mittwoch

Der klirrende Frost hat Baden-Württemberg auch weiter fest im Griff: Bis zu minus 24,6 Grad wurden in der Nacht zum Montag im Land gemessen. Der kälteste Ort war Leutkirch im Kreis Ravensburg. In und um Stuttgart sanken die Temperaturen stellenweise auf minus 16 Grad. Dem DWD zufolge bleibt es bei bis zu minus 17 Grad auch in der Nacht zum Mittwoch eisig.

Und so bald scheint der Frühling auch nicht in Sicht: Bis Mitte kommender Woche werde nachts Frost mit Werten von minus 5 bis minus 10 Grad erwartet, meldet der DWD. Und wenn sich niemand an Eishockeyspielern oder Spaziergängern auf den Seen in der Stadt stört, werden diese wohl auch weiter aufs Eis gehen. Bleibt zu hoffen, dass nichts Schlimmes passiert.

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