Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will einen „wirklichen Aufbruch“ Foto: dpa

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will einen „Aufbruch“ für Baden-Württemberg. Was gehört dazu? Was sagen Wirtschaft, Industrie, Forschung und Kultur? Die „Stuttgarter Nachrichten“ haben nachgefragt.

Stuttgart - Mit der Wahl des Ministerpräsidenten im Landtag am 12. Mai will erneut eine Koalition aus Grünen und CDU die Arbeit aufnehmen. Ein „Weiter-so aber wird und darf es nicht geben“, sagt der alte und neue Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) immer wieder. Er will einen „wirklichen Aufbruch für unser Land“ – und stößt auf Skepsis in den eigenen Reihen.

 

„Vertrauensvorschuss gegenüber der CDU“

„Die Entscheidung vom grünen Landesvorstand für die Fortsetzung der Koalition ist natürlich ein enormer Vertrauensvorschuss gegenüber der CDU, und ich hoffe sehr, dass die CDU das ernst nimmt“, sagte Sarah Heim, Vorsitzende der Grünen Jugend im Land, den „Stuttgarter Nachrichten“. Philipp Bürkle, Vorsitzender der Jungen Union im Land, zeigt sich realistisch: „Die Grünen haben 32 Prozent, wir haben 24 Prozent. Zu glauben, man macht dann einen grün-schwarzen Koalitionsvertrag, in dem 80 Prozent CDU steckt, ist weltfremd.“

Werner Sobek will Gebäudeemissionsgesetz

Von unserer Zeitung befragte Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Forschung, Kunst, Kultur und Architektur sehen die „Mission Aufbruch“ kritisch. „Wir benötigen“, sagte der Leichtbau-Vordenker Werner Sobek, „zwei wesentliche Neuausrichtungen. Erstens müssen wir die Forderung nach Energieeffizienz in der Nutzungsphase der Gebäude ersetzen. Wir benötigen ein Gebäudeemissionsgesetz. Zweitens benötigen wir ein Gebäudekreislaufgesetz, um das unglaubliche Aufkommen an teuer zu deponierendem Bauschutt zu stoppen und künftig viel mehr mit Sekundärbaustoffen zu bauen.“

Neue Weltmarktführer dringend gesucht

Der in St. Gallen lehrende Start-up-Forscher Christoph A. Müller sagte: „Wir müssen es schaffen, einen Innovations-Umsetzungskreislauf auf die Beine zu stellen.“ Wissenschaft, Start-ups, Investoren, Land und Unternehmen müssten „in eine Richtung zusammenwirken, damit aus Ideen neue Unternehmen und aus denen neue Weltmarktführer werden.“

Rückstände aufholen

Und die Tübinger Humangenetikerin Saskia Biskup erklärte, es gelte, erhebliche Rückstände aufzuholen, gerade in Bereichen, in denen Baden-Württemberg vor zehn Jahren mit zu den Ersten in der Welt gehört habe. „Wir haben es nicht geschafft, unser Potenzial erfolgreich zu nutzen und im Sinne der Patienten und Menschen in unserem Land umzusetzen.“ Für Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums in Friedrichshafen, ist klar: „Ohne Kultur gibt es keinen Aufbruch“.