Der Lehrer Winfried Kretschmann sagt: „Viel hilft nicht viel.“ Damit hat er sich Ärger eingehandelt. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Nach zehn Jahren im Amt hat der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Bildungspolitik mehr Fragen als Antworten. Dafür stößt er die Lehrer im Land ohne Not vor den Kopf.

Stuttgart - Wer wollte da widersprechen? „Viel hilft nicht viel“, sagte Winfried Kretschmann (Grüne) am Wochenende der Deutschen Presseagentur. „Es kommt auf Qualität an.“ Auch die Fragen, die der Ministerpräsident stellt, sind dem Grunde nach die richtigen. „Was ist mit der Lehrerfortbildung? Was ist mit der Qualitätssicherung? Wie etablieren wir ein Bildungsmonitoring?“ Das Problem: Das alles sagt und fragt der Mann, der die baden-württembergische Landesregierung seit über zehn Jahren führt.

 

In keinem anderen Politikfeld haben die Landespolitiker tatsächlich so viel zu entscheiden wie in der Bildungspolitik. Nach so langer Zeit dürfte man erwarten, dass der Regierungschef da auch ein paar Antworten liefert – und was das Personal angeht, seine Position überdenkt. Denn wenn „viel hilft nicht viel“ richtig ist, der Umkehrschluss ist es bestimmt: Wenig hilft wenig.

Gerade die Grundschulen haben ein Riesenproblem

Die Befunde sind bekannt. Die Schülerstrukturen sind heterogener als früher, das hat mit dem hohen Migrantenanteil im Südwesten zu tun, aber auch damit, dass die Kinder insgesamt heute herausfordernder sind. Gerade in der Grundschule, wo der Lehrermangel besonders groß ist und gleichzeitig wichtige Grundlagen gelegt werden sollen, ist das ein zentrales Problem.

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Dort müssen Lehrern mitunter 28 oder 29 Schülern pro Klasse Lesen und Schreiben und Rechnen beibringen. Da sitzen Kinder, die kaum Deutsch sprechen, neben Kindern, die schon im Kindergarten rechnen gelernt haben, und Schülern, die es kaum schaffen, auch nur sitzen zu bleiben. Die Pandemiezeit hat das verstärkt, sagen Kinder- und Schulpsychologen. Ein wenig mehr würde da schon eine ganze Menge helfen – und sei es nur eine pädagogische Fachkraft, die mit anpackt, sodass die Lehrer sich gezielter den unterschiedlichen Bedürfnissen widmen kann.