Kretschmann spricht im fernen Kanada über Patriotismus. Foto: dpa

Der Ministerpräsident ist zufrieden mit seiner Reise nach Nordamerika. Die Botschaft zum Schluss: Man muss sich ranhalten im technologischen Wandel - aber verstecken muss man sich auch nicht. Am Ende geht es auch um Heimatliebe als Lockmittel für Fachkräfte.

Toronto - Patriotismus ist aus Sicht des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) als Sogwirkung für eine Rückkehr von Fachkräften in die Heimat nicht zu unterschätzen. Das habe ihn auf seiner Nordamerika-Reise am meisten überrascht, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Bilanzgespräch vor der Delegation in der kanadischen Stadt Toronto. Junge Leute, die im Silicon Valley gelandet seien, hätten ihn gefragt: „Warum ruft ihr uns nicht zurück? Warum bietet ihr uns nicht was an - einen guten Job irgendwo?“ Die Leute würden merken, wo sie herkommen, und würden ihrer Heimat etwas zurückgeben wollten. „Das sollten wir nicht unterschätzen.“

Er habe den Eindruck gewonnen, dass der Patriotismus von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und woanders leben, immer noch da ist und „wir den auch für uns verflüssigen können“. Es gehe dabei um „knackige, junge Leute“, die etwas drauf hätten, die Wirkung erzielen wollten - denen müssten Angebote gemacht werden, sagte Kretschmann.

Das wichtigste Treffen fiel ins Wasser

Der Aufenthalt in Kanada stellt die letzte Station von Kretschmanns zehntägiger Nordamerika-Reise dar. Der Grünen-Politiker besuchte am Donnerstag in Toronto unter anderem ein Institut für Künstliche Intelligenz und sprach mit Elizabeth Dowdeswell, der Vizegouverneurin der Provinz Ontario und der Repräsentantin von Königin Elisabeth II auf der Provinzebene. Nach einem Besuch in Ottawa am Freitag will Kretschmann zurück in die Heimat fliegen.

Das bedeutendste politische Treffen für Kretschmann in Kanada fiel hingegen ins Wasser. Der neue Premierminister der Provinz Ontario, Douglas Ford, hatte das für Donnerstag geplante Gespräch kurzfristig abgesagt. Offiziell wurden Terminschwierigkeiten genannt. Delegationsteilnehmern zufolge liegt der Grund aber in politischen Differenzen und dem Streit um ein millionenschweres Windkraftprojekt. Der populistisch-konservative Ford hatte das fast fertiggestellte Windparkprojekt des Bremer Projektentwicklers WPD nach seiner Wahl gestoppt. Kretschmann bedauerte die Absage des Treffens. „Es wäre wichtig gewesen, das zu besprechen.“

Allianzen für Klimaschutz und Mobilität

Insgesamt zog Kretschmann mit den mitreisenden Kabinettsmitgliedern aber eine positive Bilanz der Nordamerika-Reise. Es seien viele Highlights dabei gewesen, sagte Kretschmann. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) betonte, er nehme viel Motivation mit nach Hause. Aus Einzeltreffen müssten nun dauerhafte Allianzen für den Klimaschutz und für neue Mobilität geschaffen werden. Deutschland müsse sich nicht verstecken. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) forderte, Deutschland müsse bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz „weiter Gas geben“ und größere Schritte nach vorn machen.

Der ebenfalls mitreisende SPD-Fraktionschef Andreas Stoch forderte angesichts der digitalen Revolution mehr Investitionen in Bildung auf allen Ebenen. Das sei nötig, damit die Gesellschaft durch den technologischen Wandel keinen Schaden nehme. Sonst würden die Abgehängten politisch „einen Kontrapunkt“ setzen und die AfD wählen.

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