Noch ist unklar, wo Windräder stehen werden. Foto: dpa/Jan Woitas

Noch ist unklar, wo genau Windräder im Kreis Böblingen stehen werden. Bis kommenden Februar können Bürger noch Stellungnahmen abschicken.

Mehr als 70 Interessierte – darunter Regional-, Kreis- und Gemeinderäte, aber auch eine ganze Anzahl Bürgerinnen und Bürger – fanden am Dienstagabend den Weg in die Aula der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule, um sich über das Thema Windkraft zu informieren. Dabei stellten Thomas Kiwitt, Chefplaner des Verbands Region Stuttgart, und dessen Team die aktuellen Planungen zur Ausweisung von Windkraftvorranggebieten in der Region und damit auch im Kreis Böblingen vor.

 

„Grüner Strom wird in einer nachhaltigen Welt zentraler Energieträger sein“, erklärte Regionaldirektor Alexander Lahl. Dass gerade der wirtschaftsstarke und damit energieintensive Landkreis Böblingen dabei angesichts von bislang keiner einzigen installierten Windkraftanlage enormen Nachholbedarf hat, weiß auch der stellvertretende Landrat Martin Wuttke. „Wir müssen bei regenerativen Energien was bieten“, sagte er. Das unterstrich Kiwitt: „Erneuerbare Energien sind ein Standortfaktor.“

Viele Flächen fallen weg

Wo nach den Planungen der Region Stuttgart Windkraftanlagen errichtet werden könnten und wie sich auch die Bürgerinnen und Bürger dabei mit ihren Stellungnahmen einbringen können, verdeutlichten die folgenden rund eineinhalb Stunden. „Es geht heute nicht um eine grundsätzliche Diskussion zum Thema Energiewende“, machte Kiwitt gleich einleitend deutlich. Und auch das Für und Wider einzelner Standorte blieb zu diesem frühen Zeitpunkt der Planungen ausdrücklich außen vor. Warum dann ein hartnäckiger Nachfrager trotzdem auch über Solarenergie reden wollte, blieb dessen Geheimnis. Einen anderen Zuhörer trieben bei genauem Hinsehen auf das präsentierte Kartenmaterial gar nicht ausgewiesene Windkraftstandorte im Naturpark Schönbuch um.

In den übrigen Fragen ging es um das Verständnis der per se nicht einfachen Materie. Denn die Ausweisung von möglichen Windkraftstandorten gleicht einem Puzzlespiel. Basis ist der im Jahr 2019 überarbeitete Windatlas, der zeigt, dass auf rund 30 Prozent der Fläche der Region die sogenannte Windhöffigkeit zum wirtschaftlichen Betrieb einer Windkraftanlage ausreichen würde. Hiervon ausgenommen sind selbstverständlich besiedelte Gebiete und ein Abstand von 800 Metern drum herum, zudem Straßen, Stromtrassen, Naturschutzgebiete, ein großer Bereich im Einzugsgebiet des Stuttgarter Flughafens und diverse andere Flächen. Weiterhin zu berücksichtigen sind umwelttechnische Aspekte und Schutzgüter wie Unesco-Welterbestätten, die auch in ihrem Erscheinungsbild nicht von Windrädern beeinträchtigt werden dürfen.

Entscheidung erst im Jahr 2025

Die übrig gebliebenen Gebiete von knapp 100 Quadratkilometern zeigt die von Thomas Kiwitt und seinen Mitarbeitern erstellte Karte. Bis 15. Dezember liegen diese Planungen nun beim Verband Region Stuttgart sowie den Landratsämtern der Kreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr für Interessierte zur Ansicht aus. Stellungnahmen sind bis 2. Februar 2024 per Post, Fax oder E-Mail möglich. Am 17. April sollen diese Stellungnahmen in der Regionalversammlung behandelt werden. Diese Versammlung muss bis spätestens Ende September 2025 die abschließende Entscheidung zum Thema Ausweisung von Windkraftvorranggebieten treffen. „Dann sind Windräder auf der übrigen Fläche nicht mehr erlaubt“, warb Thomas Kiwitt für das jetzt angestoßene Verfahren.

Ein weiterer Windkraft-Informationstermin des Verbands Region Stuttgart im Kreis Böblingen findet am 30. November in Rutesheim statt. Außerdem haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich beim digitalen Termin am 28. November nach vorheriger Anmeldung unter www.region-stuttgart.org über das Thema zu informieren.

Vorrang auf 96 Quadratkilometern

Vorgabe
 1,8 Prozent der Flächen in Baden-Württemberg müssen als Windkraftvorranggebiete ausgewiesen werden, damit die Kommunen die Planungshoheit behalten.

Region
 In der Region Stuttgart sind es aktuell 106 Plangebiete (32 davon im Kreis Böblingen) mit einem Umfang von insgesamt 96 Quadratkilometern.