Stefan Ziegler (links) vom WWF und Wilhelma-Chef Thomas Kölpin haben das neue Elefantenprojekt in der Wilhelma vorgestellt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bis in fünf Jahren soll die Elefantenwelt in der Wilhelma ein Zehntel der Gesamtfläche einnehmen. Im Stuttgarter Zoo gibt es Elefanten seit 1952. Doch das neue Konzept verändert einiges.

Stuttgart - Eine bis zu 14-köpfige Herde soll eines Tages in der neuen Elefantenwelt in der Wilhelma Platz haben. Das hat Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin bei der Vorstellung des neuen Kooperationsprojekts am Dienstag verraten. Gemeinsam mit dem World Wildlife Fund (WWF) Deutschland wurde das Projekt „Team Elefant Stuttgart“ ins Leben gerufen und sucht nun nach Mitgliedern, die den Artenschutz in Stuttgart sowie in Asien unterstützen. Denn noch vor dem angestrebten Baubeginn der Elefantenwelt im Jahr 2020 unterstützt das Projekt die Arbeit des WWF im thailändischen Kui-Buri-Nationalpark.

Dort leben derzeit noch rund 240 wilde asiatische Elefanten, doch sie sind von Wilderei und Gefangenschaft bedroht. Gerade für das bei Touristen beliebte Elefantenreiten würden immer wieder Tiere eingefangen, deshalb rät der WWF den Touristen dringend davon ab. „Die Population dort ist sehr wichtig“, sagt Stefan Ziegler, Asien-Experte beim WWF. Durch die hohe Bevölkerungsdichte gebe es viele Mensch-Tier-Konflikte, der WWF wolle den Menschen vor Ort Alternativen, wie etwa Ökotourismus, aufzeigen. In Thailand selbst leben laut Schätzungen nur noch rund 3100 Tiere in freier Wildbahn.

Die Tiere dienen auch dem Tourismus

Um die Elefanten auf dem Gebiet des Nationalparks, der sich auf einer Fläche fünf Mal so groß wie Stuttgart erstreckt, zu halten, schafft der WWF Wasserstellen und Graslandschaften. Ranger patrouillieren zudem durch den Park und schützen die Elefanten vor Wilderern. Die Kernpopulation im Nationalpark zu erhalten, sei das erklärte Ziel des WWF, sagt Pressesprecher Roland Gramling. In Köln und Leipzig hat der WWF 2016 bereits ähnliche Projekte mit Tigern und Leoparden ins Leben gerufen, um den Artenschutz zeitgleich in deutschen Zoos sowie auch in der Wildnis zu fördern. Das „Team Elefant Wilhelma“ ist die erste Kooperation in diesem Stil zwischen WWF und Wilhelma.

Vom „vielleicht größten Projekt in der Wilhelma“ schwärmt der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin, der in seiner Zeit als Zoo-Direktor viel Erfahrung mit Elefanten gesammelt hat. Bevor er 2014 nach Stuttgart kam, hat er fünf Jahre den Erfurter Zoopark geleitet und auch dort ein neues Elefantenhaus gebaut. Für jedes neue Projekt sei die Wilhelma auf der Suche nach Partnern, um „den Artenschutz zu vernetzen und auch Partnerprojekte vor Ort zu unterstützen“, sagt Kölpin. Erst im März war die neue Anlage der Schneeleoparden eingeweiht worden, aus der zudem eine Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hervorging, um den Erhalt der Tiere in Kirgisistan zu unterstützen.

Altes Wilhema-Gehege ist zu klein

In der Wilhelma gibt es Elefanten seit 1952, derzeit leben dort aber nur noch die Elefantenkühe Pama und Zella, beide sind schon über 50 Jahre alt. Rüssel-Nachwuchs gab es in der Wilhelma noch nie. Neuen Bestimmungen nach ist das aktuelle Gehege auch zu klein, um eine ganze Herde Elefanten zu halten. Mit dem neuen Gehege auch auf dem Gelände des heutigen Schaubauernhofs soll die Elefanten-Anlage zukunftsfähig gemacht werden, der Umgang mit den Tieren artgerechter gestaltet werden. So soll die Pflege der Tiere in der neuen Elefantenwelt nicht mehr im direkten Kontakt mit den Pflegern stattfinden. Diese arbeiten durch eine sichere Abschrankung. Dadurch wird das Rangordnungsverhalten der Tiere nicht unterdrückt .

Im Moment ist der Bereich, der etwa eine Fläche von drei Hektar misst, noch durch den Schaubauernhof und die Baustelle für den Rosensteintunnel belegt. In fünf Jahren soll die Fläche der Elefantenwelt zehn Prozent der gesamten Wilhelma einnehmen.

Neun Euro im Monat kostet eine Mitgliedschaft im „Team Elefant Stuttgart“, womit sowohl das neue Gehege als auch der Artenschutz in Thailand unterstützt werden. Wer möchte, darf auch freiwillig einen höheren Betrag spenden.

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