Auf der Intergastra zeigt die Wilhelma Kaffeepflanzen aus aller Welt. Foto: Lisa-Marie Grimmer

Der zoologisch-botanische Garten zeigt auf der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie vom 3. bis zum 7. Februar Kaffeepflanzen aus seiner Sammlung – und es darf probiert werden.

Auf der Intergastra, der Messe für Hotellerie und Gastronomie, zeigen die Wilhelma und das Coffee Consulate aus Mannheim – das größte unabhängige Forschungs- und Trainingszentrum für Kaffee – vom 3. bis 7. Februar eine Erlebnis-Kaffeeplantage. Auf 300 Quadratmetern werde „die Vielfalt unterschiedlicher Kaffee-Varietäten zu sehen sein“, kündigt der Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann an.

 

Ein Stammbaum stellt dabei die drei Hauptarten des Kaffees dar: Arabica, Canephora und Liberica. Zudem zeigt der Stammbaum 24 Varietäten, die aus diesen Arten in der Wilhelma gezüchtet wurden. Die entsprechenden Kaffeesträucher sind ebenfalls zu sehen. Experten der Wilhelma und des Coffee Consulate bieten Führungen an, bei denen die Besucher Einblicke in die verschiedenen Verarbeitungsstufen erhalten, vom ungeschälten Rohkaffee bis hin zur gerösteten Bohne. Den Kaffee von 17 der ausgestellten Varietäten kann man auch probieren.

Ganzheitliche Erfahrung auf der Plantage

„Die Besucher der Intergastra können so sowohl die botanischen Unterschiede als auch die geschmackliche Vielfalt des Kaffees interaktiv erfahren“, sagt Meierjohann. Ergänzt wird die Erlebnis-Kaffeeplantage durch ein Schaubeet mit typischen Pflanzen des afrikanischen Bergregenwalds, wo die weltweite Erfolgsgeschichte des beliebten Heißgetränks begann. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin verspricht „eine ganzheitliche Erfahrung, die in Erinnerung bleibt.“

Saatgut von Kaffeebauern aus aller Welt

Die Wilhelma engagiert sich zusammen mit dem Coffee Consulate schon seit mehreren Jahren für den Erhalt seltener Kaffeevarietäten. Die Sortenvielfalt, die seit den ersten gezielten Züchtungen vor rund 500 Jahren entstanden ist, birgt einen genetischen Schatz. Das haben nicht nur die Botaniker erkannt. Natürliche Resistenzen gegen Pflanzenkrankheiten oder Anpassungen an Trockenheit oder Starkregen können gerade in Zeiten des Klimawandels auch wirtschaftlich von unschätzbarem Wert sein. Die Sammlung ist aus der Idee entstanden, dass Kaffeebauern Saatgut der von ihnen kultivierten Sorten der Wilhelma übergeben, 2019 wurde so die Internationale Erhaltungssammlung für Kaffee-Varietäten ins Leben gerufen. Mit Unterstützung des Coffee Consulate wurde Kontakt zu Kaffeebauern in aller Welt aufgenommen, die Saatgut ihrer regionaltypischen und teils seltenen Varietäten zur Verfügung stellten. So kamen 120 Varietäten aus aller Welt zusammen. Von jeder zog die Wilhelma ein Exemplar heran, das zu einem üppigen Strauch heranwachsen darf und im Schaubereich präsentiert werden kann. Zwei weitere Exemplare werden regelmäßig gestutzt und bilden hinter den Kulissen die eigentliche Erhaltungssammlung.

Björn Schäfer, Fachbereichsleiter der Botanik in der Wilhelma, erklärt die Idee dahinter: „Sollte eine Varietät im Freiland, beispielsweise aufgrund von Naturkatastrophen, verloren gehen, kann sie dank der Sammlung in der Wilhelma wieder in ihre Ursprungsregion zurückgebracht werden.“ In der Wilhelma sind die Kaffee-Varietäten im Winterhalbjahr im Mittelteil des Maurischen Landhauses zu sehen,einmal jährlich werden sie in einer Ausstellung vorgestellt.

Kaffee als Wirtschaftsfaktor

Messe Die Intergastra 2024 findet vom 3. bis 7. Februar statt. Die Messe für Hotellerie und Gastronomie präsentiert sich auf 115 000 Quadratmeter Fläche in allen zehn Hallen der Messe Stuttgart und ist mit mehr als 1200 Ausstellern der größte Branchentreffpunkt in Deutschland zu den Schwerpunkten Food/Küche, Einrichtung & Tischkultur, Dienstleistung & IT, Getränke, Kaffee sowie Speiseeis. Weitere Infos und Tickets unter https://www.messe-stuttgart.de/intergastra/

Rohstoff Kaffee ist nach Angaben der Wilhelma weltweit das am häufigsten konsumierte Getränk nach Wasser und wirtschaftlich die bedeutendste Nutzpflanze. Mehr als 20 Millionen Menschen leben weltweit direkt vom Kaffeeanbau. 100 Millionen Menschen verdienen den Angaben zufolge ihren Lebensunterhalt in der Kaffeeverarbeitung.