Der Elefant ist das Wappentier des Circus’ Krone. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Circus Krone, der am Donnerstagbend Premiere auf dem Wasen hat, steht durch das drohende Wildtierverbot unter Druck. Die Gegenstrategie des Circus: massive Werbung für den Circus als Ort, an dem der Tierschutz an erster Stelle steht.

Stuttgart - Es sind Geschichten wie die von Fritzi, dem Wildschwein, die die Leute vom Circus Krone gerne erzählen – besonders derzeit. Und dies sind auch die Geschichten, die die Kinder besonders gerne hören. 400 Vier- bis Vierzehnjährige sind am Donnerstagvormittag auf den Wasen gekommen, um sich hinter den Kulissen des Circus umzuschauen. Und den Geschichten zu lauschen.

Fritzi, das Wildschwein, hatte einst ein Metzger im Wald gefunden und von Hand aufgezogen, es durfte gar auf dem Beifahrersitz mitfahren, erzählt der Clown Tonito. Doch bald wurde Fritzi zu groß. Er kam zum Circus Krone. Bis der Amtstierarzt vor vier Jahren sagte, ein Wildschwein sollte in einer Rotte leben. Fritzi kam in einen Schweinepark nach Schweinfurt. Nach zwei Wochen habe der Amtstierarzt jedoch angerufen und darum gebeten, dass der Circus ihn wieder hole, da Fritzi nicht glücklich sei. Nun wird das Wildschwein viermal am Tag gebürstet, geht mit seinem Pfleger joggen und darf seine Lieblingsspeise knacken: Wassermelonen – und das, obwohl er im Programm des Circus’ nur noch selten eingesetzt wird, bei der aktuellen Show etwa ist er nicht dabei.

„Objektive Information“ statt „ emotionale Agitation“

Sie alle, die im Circus Krone arbeiten, werden nicht müde, auf subtile oder auch offensive Art und Weise davon zu berichten, wie gut es den Tieren ihm Circus gehe. Der Grund dafür ist das drohende Wildtierverbot. Bereits seit 2011 dürfen auf den öffentlichen Plätzen in Stuttgart nur Zirkusse gastieren, deren Vorführungen ohne Wildtiere auskommen. Für den Cannstatter Wasen gilt noch bis April 2019 eine Ausnahmeregelung.

„Wir versuchen, uns zur Wehr zu setzen, indem wir die Menschen informieren“, sagt Susanne Matzenau, Pressesprecherin des Circus Krone. „Jeder kann kommen und sich anschauen, wie die Tiere bei uns leben.“ Unterstützung erhält der Circus Krone dabei etwa von der Deutschen Gesellschaft der Circusfreunde. Man wolle durch „objektive Information und nicht durch emotionale Agitation“ punkten, so Matzenau.

Matzenau berichtet von den Löwen, die in freier Wildbahn acht bis neun Jahre alt würden, in Zoos 20 Jahre und bei ihnen 28 Jahre. „Das sehen wir als Beleg für unsere gute Pflege“, sagt sie. Studien hätten anhand des Cortisolwerts im Blut belegt, dass Zirkustiere von Transporten nicht gestresst seien.

Kritik an den Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten werden

Die Befürworter eines Wildtierverbots kritisieren die Circustierhaltung. „In einem fahrenden Zirkus kann man den Ansprüchen der Tiere nicht gerecht werden“, sagt Martina Klausmann vom Landestierschutzverband. Die Tierschutzorganisation Peta will Stuttgart darin bestärken, an dem Wildtier-Verbot festzuhalten. Am Premierenabend hatten sich rund 20 Demonstranten in gebührendem Abstand aufgestellt, zwei davon im Elefantenkostüm. Sie riefen: „Kein Applaus für Tierquälerei! Tiere raus aus der Manege!“

Der Tierschutzbeauftragte des Circus Krone, Frank Keller, geht davon aus, dass das Verbot in Stuttgart 2019 nicht kommt: „Einige Gerichte haben das Wildtierverbot bereits für rechtswidrig erklärt“, vor allem, weil das Verbot die Berufsfreiheit der Dompteure einschränken würde.

Kinder bilden sich ihre eigene Meinung

Eine Lehrerin von der Staufer-Gemeinschaftsschule in Waiblingen, die mit einer sechsten Klasse auf dem Wasen ist, erzählt, dass die Kinder von Kreidebeschriftungen, die den Weg vom Bahnhof zum Circus zierten, zum Nachdenken angeregt wurden. Zu lesen stand dort etwa: „Circus geht auch ohne Tiere“. „Die Kinder gucken nun schon, ob es ihnen gefällt, wie die Tiere hier gehalten werden“, sagt die Lehrerin. Ihre zwölfjährige Schülerin Gioia sagt: „ Wildtiere im Zirkus, das ist nicht so mein Ding.“ Elefanten etwa seien schließlich die Wärme gewöhnt. „Ich mag nicht, dass man mit Peitschen arbeitet, auch wenn die Pferde damit anscheinend gar nicht berührt werden“.

Am 29. Oktober findet um 10.30 Uhr eine kommentierte Raubtierprobe mit Martin Lacey jr. auf dem Wasen statt.
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