Drückjagden (wie hier im Schwäbischen Wald) gelten als Möglichkeit, Abschussquoten zum Jahresende zu erreichen. Foto:  

Eine Abschussquote von 70 Tieren in drei Jahren im Revier Filderstadt-Bonlanden sei zu viel. Deshalb appelliert Sigmar Zappe an die Stadträte, unbedingt korrigierend einzugreifen. Ist seine Sorge berechtigt?

Bonlanden - Das Reh ist auf den Fildern in den Fokus geraten. Weil im Wald zu viele junge Bäumchen von ihnen angefressen werden, gibt es die Forderung, mehr Rehe zu erlegen. Der Deutsche Jagdverband reagiert darauf: Rehe sollten nicht zum Sündenbock gemacht werden. Dass es dem Wald schlecht gehe, sei vielmehr der Forstwirtschaft zuzuschreiben. Sie habe zu spät auf anhaltende Trockenperioden reagiert und zu lange am Nadelwald festgehalten.

Das sieht Sigmar Zappe genau so, er ist zusammen mit Andreas Schweizer Pächter des Jagdreviers Bonlanden. Zappe wehrt sich dagegen, dass die Abschussquote erhöht werden soll, um so den Verbiss junger nachwachsender Bäume einzudämmen. Mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Christoph Traub und die Stadträte reagiert der Jagdpächter auf die vor Kurzem von Förster Eckard Hellstern vorgegebene Abschussquote. Hellstern hatte, wie berichtet, gefordert, dass in den nächsten drei Jagdjahren – jeweils von April bis März – 70 Rehe erlegt werden, um so den Verbiss junger Bäume einzudämmen. Falls bis zum jeweiligen Dezember der kommenden drei Jahre nicht 70 Prozent der Jahresquote erfüllt sind, soll eine Drückjagd stattfinden.

In den Revieren sei keine Zuwanderung von Tieren möglich

Jagdpächter Zappe wird bei seiner Beurteilung der vorgegebenen Quote deutlich: „Das würde einer annähernden Ausrottung des Rehwildes im Bonlandener Wald gleichkommen“, schreibt er und weist darauf hin, dass das betroffene Revier in sich geschlossen sei. Deshalb könnten keine Tiere von außen dazu kommen. Das Jagdrevier werde durch den Stadtteil Bonlanden, die B 27, die Straße im Aichtal und den Staatswald begrenzt. Selbst von Letzterem sei keine Zuwanderung von Rehen zu erwarten, das habe auch der Förster Hellstern gesagt.

Hellstern hatte im Technischen Ausschuss darauf hingewiesen, dass Filderstadt Gefahr laufe, die PEFC-Zertifizierung für den Wald zu verlieren. Ein Auditor hatte bemängelt, dass zu viele der nachwachsenden Bäume von Rehen angefressen würden – und Besserung bis zum Jahr 2023 gefordert. Ansonsten wäre die Zertifizierung in Gefahr. Ohne sie dürfte Filderstadt aber kein Stammholz mehr verkaufen, was eine Schwächung des Forstbetriebs bedeuten würde.

Braucht es das PEFC-Siegel wirklich?

Der Verkauf von Stammholz ist wegen der Übersättigung des Marktes derzeit sowieso schwierig. In diesem Jahr kann deshalb in Filderstadt nicht einmal die Hälfte des in Höhe von 125 000 Euro veranschlagten Verkaufserlöses erwirtschaftet werden. Vor diesem Hintergrund stellt Zappe – wie schon seine Jagdkollegin Ulrike Arnold – den Sinn des Holzverkaufs und damit die Notwendigkeit des PEFC-Siegels in Frage. Der Jagdpächter bittet deshalb den Gemeinderat, darüber zu beraten, ob der Wald weiterhin wirtschaftlich genutzt werden soll. Er fände es sinnvoller, wenn stattdessen mehr Äsungsflächen und Ruhezonen für das Wild angelegt würden. Die Sache soll nun im Januar im Technischen Ausschuss diskutiert werden. Oberbürgermeister Christoph Traub plädiert dafür, dass vorher alle Beteiligten – Förster, Jäger und das Fachamt – nochmals zum Thema gehört werden.

Möglicherweise könnte es einen Kompromiss geben. Das Kreisforstamt hält eine Erhöhung der Abschussquote für angebracht. Sie müsse aber „moderat“ ausfallen, erklärt der Sprecher des Landratsamts, Peter Keck. Auch in anderen Jagdrevieren habe man schon die Abschusszahlen erhöht, sagt er. Zuletzt sei dies im Esslinger Stadtwald der Fall gewesen. „Es ist nichts Ungewöhnliches, dass man Abschussquoten erhöhen muss“, sagt Keck.

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