Auf einer Bank am Schlossplatz lässt sich das warme Wetter genießen. Foto: 7aktuell//Werner

Der März beschert Stuttgart mit Wärme, Sonne und genug Wasser ideales Wetter für die Natur. Schon am kommenden Samstag könnte es den ersten Sommertag 2024 geben.

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“ Das ist der erste Satz eines populären Frühlingsgedichts aus dem Jahr 1841. Damals gab es noch keinen Klimawandel. Heute würde der Lyriker Emanuel Geibel den Mai wohl durch den März ersetzen, zumindest treiben die Bäume schon seit geraumer Zeit immer früher im Jahr. Und im März 2024 ganz besonders. Mit neun Grad im Mittel war der erste Frühlingsmonat sogar um 0,1 Grad wärmer als ein durchschnittlicher April in den Jahren 1961 bis 1990 und deutliche 2,4 Grad milder als ein März in der aktuellen Referenzperiode 1991 bis 2020. Und da das Thermometer den gesamten Monat zumindest an der DWD-Messstation Schnarrenberg nicht unter die null Grad fiel, legte die Natur so richtig los, wurde bereits der erste Spargel gestochen und einige Osterglocken verblühten schon lange vor dem Fest, obwohl Ostern in diesem Jahr sehr früh lag. Dafür gab es am Karsamstag trotz Saharastaub bei Temperaturen um die 20 Grad die ersten Warteschlangen vor den Eisdielen.

 

Sonnenschein gab es rund 133 Stunden

„Insgesamt war der März 2024 deutlich zu warm“, erklärt Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. „Beim Regen lag der Monat mit 46,5 Litern knapp sechs Prozent über dem langjährigen Mittel. Sonnenschein gab es rund 133 Stunden, das sind gut 93 Prozent des Normalwerts“, ergänzt er. Kurzum, allerfeinstes Wachstumswetter. Die Sonne machte sich zwar ein klein wenig rarer als im Schnitt oder war hinter dem Staubschleier der Warmluft aus der Wüste nur zu erahnen, aber das geht auch ganz anders. Vor zwei Jahren gab es 240 Stunden Sonnenschein in Stuttgart. Trotzdem schoss die Natur nicht so wie heuer, weil es damals sehr trocken war.

Auch ein Grund für das frühe Wachstum: Es gab im März keine Kältegefahr für das zarte Grün oder Blüten, da es nicht ein einziges Mal Frost gab. Normal wäre es, wenn an acht Tagen des Monats Minustemperaturen zu messen wären. Da war aber nichts. Und da es überall im Land so warm war, endete selbst im Hochschwarzwald Anfang März eine Skisaison, die auf der Schwäbischen Alb bis auf ein paar wenige Tage im Dezember erst gar nicht begonnen hatte. Und auch in Stuttgart wurden im März die letzten Rodel wieder in den Keller geräumt und die Rasenmäher durften schon wieder den Nachbarn nerven.

Die Sonne machte sich ein klein wenig rarer als im Schnitt. Foto: Yann Lange

Denn anders als oft in der Vergangenheit, gab es genug Wasser für die Natur. Und nachdem es auch in den Wintermonaten durchweg genug Regen gab, entspannt sich auch die Lage in den tiefen Bodenschichten mehr und mehr. Ob das auch ein Fingerzeig für einen sorgenfreien Sommer sein kann, ist aber unsicher. Ein paar staubtrockene Wochen bei hohen Temperaturen und der Trockenstress wäre zurück.

Wann gibt es wohl die ersten heimischen Erdbeeren?

Für den zweiten Frühlingsmonat April ist aber alles für ein ungestörtes Erwachen der Natur gerichtet. Man darf gespannt sein, wann nach dem Spargel die ersten heimischen Erdbeeren auf den Märkten auftauchen.

Für einen frühen Saisonstart müsst es aber richtig warm bleiben, beziehungsweise werden. Wird es noch einmal kalt in der Region, droht der frühen Blüte Schaden? Aprilwetter ist bekanntlich launisch und zu allem fähig, ein später Frosteinbruch ist möglich, allerdings bisher nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Am Samstag könnte es laut der Prognose des DWD in Stuttgart sogar den ersten Sommertag des Jahres 2024 geben, also einen Tag, an dem das Thermometer über 25 Grad steigt. Das wäre echtes Freibadwetter, wenn wohl auch nur kurz. Und tauglich für Freiluft-Gastro. Auch dazu gibt es übrigens in Geibels Gedicht zwei Zeilen, auch wenn die wohl kaum einer kennt „Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein. Herr Wirt, eine Kanne, eine Kanne blanken Wein!“ Na dann.