Werkzeugmaschinenbauer betritt Neuland in Ditzingen Trumpf baut die erste Betriebskita

Von Stefanie Köhler 

Mit Betriebskitas machen sich Unternehmen wie die Komsa Kommunikation Sachsen in Hartmannsdorf attraktiv für Mitarbeiter. Foto: dpa
Mit Betriebskitas machen sich Unternehmen wie die Komsa Kommunikation Sachsen in Hartmannsdorf attraktiv für Mitarbeiter. Foto: dpa

Engagement mit Vorbildcharakter: Auf dem Firmengelände des Ditzinger Werkzeugmaschinenbauers Trumpf können künftig 70 Kinder betreut werden. Ein Teil der Plätze ist für den Nachwuchs von Nicht-Mitarbeitern vorgesehen.

Ditzingen - Der Technologiekonzern Trumpf will seine Mitarbeiter mehr darin unterstützen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Deshalb baut er auf dem Firmengelände am Stammsitz in Ditzingen eine Betriebskita. Die Einrichtung beim Mitarbeiterparkplatz an der Trumpfstraße ist ein Novum – für Trumpf wie für die Stadt. Sie soll im Frühjahr öffnen, der freie Kindertagesstätten-Träger Polifant mit Sitz in Leonberg (Kreis Böblingen) wird sie betreiben. 20 der 70 Plätze sind für Kinder von Nicht-Mitarbeitern. Die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller und die Polifant-Geschäftsführerin Michaela Nowraty unterzeichneten am Freitag den Kooperationsvertrag. Die Bagger sind schon vor einigen Tagen angerollt.

Mit der Kita ergänzt Trumpf nach eigenen Angaben das vorhandene Betreuungsangebot für die 3900 Beschäftigten in Ditzingen. „Wir bieten unseren Mitarbeitern neben Freiraum für unkonventionelle Ideen viele Zusatzleistungen – und möchten sie auch bei der Kinderbetreuung unterstützen“, sagt die Trumpf-Chefin. So biete der Konzern den Mitarbeitern bereits 20 Belegplätze in zwei Ditzinger Betreuungseinrichtungen sowie Ferienbetreuungen. „Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, scheitert heute oft an organisatorischen Problemen. Es war mir ein besonderes Anliegen, unseren Mitarbeitern den Zugang zu einer guten Kleinkindbetreuung so einfach wie möglich zu machen“, sagt die Trumpf-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Renate Luksa.

Den Entwurf für die Kita liefert die Schwester der Trumpf-Chefin

Der Entwurf für die Kita in einer „leimfreien Naturholz-Bauweise“ kommt von dem Architekturbüro Barkow Leibinger aus Berlin, gegründet 1993 von Frank Barkow und Regine Leibinger. Die 55-Jährige hatte sich als Einzige der drei Geschwister gegen einen Job im Familienunternehmen entschieden. Sie und Barkow gestalteten für Trumpf schon zahlreiche Gebäude, etwa die Smart Factory im US-amerikanischen Chicago (2017) oder das hiesige Entwicklungszentrum (2009). Die Baukosten für die Kita liegen „im niedrigen einstelligen Millionenbereich für das Gesamtgebäude“, sagt der Leiter Media Relations, Manuel Thomä. Trumpf zahle einen Teil der laufenden Kosten, nennt aber keine Details.

Die Betriebskita ist eine von zwei Einrichtungen im ganzen Kreis, die Polifant in Ditzingen führen wird: Das Kinderhaus im neuen Wohngebiet „Ob dem Korntaler Weg“ öffnet zum Kindergartenjahr 2020/2021 für 75 Kinder. In Stuttgart betreibt Polifant vier Kitas, eine fünfte von 2019 an in Bad Cannstatt.

OB Makurath: Vorhaben ist „positiv und vorbildhaft“

Der Ditzinger Oberbürgermeister bezeichnet das Vorhaben von Trumpf als „positiv und vorbildhaft“. Bislang gebe es kein anderes Unternehmen in der Stadt mit einem solchen Angebot. „Für Ditzingen ist das eine Win-Win-Situation, weil gesamtstädtischer Bedarf mit abgedeckt werden kann“, sagt Michael Makurath (parteilos). Zugleich erhöhe Trumpf mit der Kita seine Attraktivität am Arbeitsmarkt.

Aktuell stehen bei der Stadt 18 Kinder auf der Warteliste, „die meisten von ihnen sind unter zwei Jahre alt“, sagt der Sprecher Steffen-Michael Eigner. Die nächste Belegungsrunde sei im Oktober. Für das erste Halbjahr 2019 warteten bereits zehn Kinder auf einen Platz. „Dieser Bedarf wird durch die Trumpf-Kita abgedeckt“, sagt Eigner. Wartelisten entstünden aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Plätzen für Kinder über einem Jahr. „Außerdem fehlen Erzieher“, sagt Eigner. Die Stadt möchte welche einstellen – hat aber keine Bewerber. Derzeit seien sechs Voll- und vier Teilzeitstellen unbesetzt. Die kommunalen und freien Träger bieten rund 1000 Plätze für Ein- bis Sechsjährige an. Örtliche Unternehmen wie Trumpf und Thales haben für 2018 einen Bedarf von 40 Plätzen für auswärtige Mitarbeiter angemeldet.

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