Von dieser rund 20 Meter tiefen Baugrube bei Kirchheim aus werden sich die Tunnelbohrmaschinen von Oktober an in den Untergrund wühlen. Foto:  

Bis zu 1000 zusätzliche Lastwagen auf der B 465 durch Owen und das Lenninger Tal – das war die Horrorvorstellung für die Anlieger. Die Bahn hat jetzt Entwarnung gegeben.

Owen - Jens Hallfeldt, als Bahn-Projektleiter zuständig für den Abschnitt Kirchheim des ICE-Neubauabschnitts Wendlingen-Ulm, hat den 300 besorgten Zuhörern in der Teckhalle in Owen eine gute und eine schlechte Nachricht mitgebracht. Die gute: es werden weniger mit Erdaushub beladene Lastwagen auf der Bundesstraße 465 durch den Ort fahren, als ursprünglich angenommen. Die schlechte: es gibt keinen anderen Weg, um den Großteil der 3,6 Millionen Tonnen Erdaushub, der beim Bau des ICE-Tunnels zwischen Wendlingen und Kirchheim anfällt, auf die Deponien der Schwäbischen Alb zu karren.

1500 Kilometer lang soll sie werden, die europäische Schnellzug-Achse zwischen Paris und Budapest. Die Lupe, die Hallfeld bei seiner Präsentation über die Landkarte gelegt hat, vergrößert den 117 Kilometer langen Neubauabschnitt zwischen Stuttgart und Ulm. Der Fokus aber liegt auf Owen: Durch die enge Ortsdurchfahrt der Stadt unter der Teck werden von Herbst an täglich rund 360 Lastwagen zusätzlich rollen, darunter auch die 40 Lastwagen, die den für den Tunnelbau notwendigen Kies von Erkenbrechtsweiler auf die Baustelle bei Kirchheim karren.

Entsorgungskonzept verfeinert

In ersten Verlautbarungen der Bahn war noch von 1000 Fahrten täglich auf der B 465 die Rede, was die Anlieger bis weit ins Lenninger Tal hinein gehörig aufgeschreckt hatte. Im Anschluss an die bei einer Informationsveranstaltung in Dettingen eher beiläufig bekannt gewordenen ersten Zahlen haben die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, aber auch die Landtagsabgeordneten im Wahlkreis Kirchheim harsche Kritik an der Informationspolitik der Bauherrin, der Deutschen Bahn AG, geäußert.

Die neue Zahlen beruhen nun den Worten Hallfeldts zufolge auf einem verfeinert ausgearbeiteten Entsorgungskonzept. Um den zusätzlichen Verkehr zu bewerten, müsse man wissen, dass auf der Bundesstraße einer Zählung des Regierungspräsidiums Stuttgart zufolge jeden Tag ohnehin schon 28 500 Fahrzeuge durch die Stadt rollten – darunter auch jetzt schon rund 1400 schwere Lastwagen. Mit welchem Recht, so Hallfeldts rhetorische Frage, wolle man da die Stuttgart 21-Laster von der Straße drängen.

„Wenn wir schon eine Bundesstraße nicht benutzen dürfen, wo sollen wir dann noch hin“, warb Hallfeldt um Verständnis. Die Steinbrüche in Grabenstetten, Römerstein-Zainingen (beide Landkreis Reutlingen) und Erkenbrechtsweiler müssten ohnehin verfüllt werden. „Wenn wir das nicht machen, dann machen das andere“, so Hallfeldt, der die kurzen Transportwege von der Baustelle auf die Alb zudem mit dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und der Ökologie begründet.

Anfang Oktober geht es los

Seinen Worten zufolge beginnt der Tunnelvortrieb für die knapp 8200 Meter langen Doppelröhre im Oktober, unmittelbar nach der für Freitag, 6. Oktober vorgesehenen Tunneltaufe und nach dem am Samstag angesetzten Tag der offenen Baustelle. Bis voraussichtlich Frühjahr 2019 werden die Lastwagen täglich den Abraum der rund um die Uhr arbeitenden Bohrmaschinen aufnehmen und nach einem ausgeklügelten Plan auf rund 20 zur Verfügung stehende Verwertungsstellen verteilen. Hallfedts Worten zufolge rollen die Räder täglich, außer sonntags, abhängig von den Öffnungszeiten der angefahrenen Steinbrüche, von sechs Uhr bis 22 Uhr.

Erschwerend kommt hinzu, dass in etwa dem gleichen Zeitfenster die Ortsdurchfahrt von Owen grundsaniert wird. „Unsere Lastwagen fahren die ausgeschilderte Umleitung“, sagt Hallfeldt. Da die über die Beurener Steige nach Erkenbrechtsweiler hinauf führt, werden auch die beiden Gemeinden stärker von dem zusätzlichen Verkehr beeinträchtigt, als ihnen lieb ist.

Doch Mautflüchtlinge auf der Bundesstraße?

Die Umleitung, die seit mehreren Tagen in Betrieb ist, hat den Owenern übrigens eine ganz andere Erkenntnis beschert. Es sind wenig Lastwagen übrig geblieben, die in der Ortsmitte in Richtung Beuren abbiegen. Dass der Schwerverkehr merklich abgenommen hat, gibt dem Verdacht neue Nahrung, dass die Bundesstraße 465 entgegen der bisherigen Annahme doch ein willkommenes Schlupfloch für Mautflüchtlinge von der Autobahn ist.

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