Fans seit vielen Jahren: Elisabeth und Volker Kauder Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Viel Prominenz zum silbernen Jubiläum: Bei der Premierenshow applaudierte nicht nur Unionsfraktionschef Volker Kauder begeistert.

Stuttgart - Die Arme weit nach vorn, die Hände fast auf Höhe des Gesichts: Demonstrativ klatscht Volker Kauder dem Löwenbändiger Martin Lacey jr. Beifall. Der Unionsfraktionschef sitzt mit seiner Frau Elisabeth in der Loge ganz vorn an den Gitterstäben und ist gebannt. Er ist am Freitag nicht zur Premiere des Weltweihnachtscircus auf den Cannstatter Wasen gekommen, weil es gerade in den politischen Zeitplan gepasst hat. Kauder ist ein echter Zirkusfan, weil dieser wie kaum eine andere Disziplin alle Sinne anspreche, wie er sagt. „Ich bin sogar Abonnent der Circuszeitung.“ Im Umkehrschluss bezeichnet er sich ironisch als „Freund“ der Peta. „Die haben mich schon in meinem Wahlkreis besucht.“ Vier Mal im Lauf der 25 Jahre war der CDU-Politiker zu Gast beim Weltweihnachtscircus und er lobt das Stuttgarter Publikum in höchsten Tönen. Eine solche Begeisterung fehle in Berlin.

Beste Stimmung also bei der ersten offiziellen Vorstellung in der Manege. In den Ehrenlogen saßen aus Anlass des Silberjubiläums viele bekannte Menschen, etwa der Ballettchef Reid Anderson, der frühere Fußballnationalspieler Hansi Müller, die Comedians Roland Baisch und Michael Gaedt – viele von ihnen sind „Wiederholungstäter“. Auch der Schauspieler und Stuttgarter „Tatort“-Star Richy Müller ist immer wieder fasziniert. „Ich bewundere die Menschen, die in der Manege so präzise arbeiten oder Tiere dazu bringen, unglaubliche Dinge zu tun.“ Das Streitthema Wildtierverbot hält er für eine „zweischneidige Sache“. Müller bezweifelt, dass ein Dompteur den Tieren durch Schläge seinen Willen aufzwingen kann. „Auch bei Kindern funktioniert Erziehung nur mit Liebe.“

Die unerreichbare Schlangenfrau

Apropos: Im prächtig dekorierten Vorzelt fielen sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und der Comedian Christoph Sonntag in die Arme. Man kennt sich aus gemeinsamen Kindertagen im Remstal. „Seitdem beobachten wir uns gegenseitig“, erzählte Sonntag, und Palmer machte einen interessanten Vorschlag: „Christoph, du wirst Ministerpräsident und ich Kabarettist.“ Der Autor Wolfgang Schorlau ist dem Zirkus seit Kindertagen verfallen, wie er erzählte. „Ich habe mich unsterblich in eine Artistin verliebt, da war ich sechs Jahre alt.“ Der Bub wollte mit der Schlangenfrau auf Wanderschaft gehen. Aber als er am nächsten Tag wiederkam, war das Zelt weg. „Das war die erste große Enttäuschung meines Lebens.“

Freud und Leid: Seit 18 Jahren geht der Erlös der Premiere an die Olgäle-Stiftung. Mittlerweile sind mehr als 600 000 Euro für das Kinderkrankenhaus zusammen gekommen, und der Zirkusproduzent Henk van der Meijden ist der größte private Spender. Dafür dankte ihm Alt-OB Wolfgang Schuster nach der Pause in der Manege: Der Weltweihnachtscircus blicke auf eine „unglaubliche Erfolgsgeschichte“ zurück. Schuster vertrat seine Frau Stefanie, die Vorsitzende der Olgäle- Stiftung. Nachdem sie 2016 wegen der Folgen eines Auffahrunfalls passen musste, konnte sie wieder nicht persönlich kommen, denn sie war zuhause auf der Treppe gestürzt. „Meine Frau hat sich ein paar Knochen gebrochen, sie wäre lieber hier als im Krankenhaus.“

Das Risiko eines Sturzes spielt immer mit beim Zirkus, etwa, wenn sieben Männer als lebende Pyramide übers Trapez balancieren. Die Gerlings aus Kolumbiens hatten den letzten Gänsehautmoment einer reibungslosen Premiere. Der „WWC“ ist vorbereitet auf die Tage bis 7. Januar.

Geht gut: Ein eigener goldener Clown für Hetty Vermeulen – die gute Seele der Show seit 25 Jahren.

Geht gar nicht: Beim Finale zwei Sträuße auf den Schoß geworfen bekommen – und dann einen weitergeben.

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