Finnland ist in diesem Jahr das Partnerland der Grünen Woche. Foto: dpa

Die Geschäfte der Lebensmittelhersteller und der Landwirte laufen gut – auch dank steigender Preise.

Berlin - Vor dem Start der 84. Grünen Woche in Berlin herrscht in der Agrarindustrie gute Stimmung. Die Lebensmittelhersteller haben ihre Umsätze auf Rekordhöhe stabilisiert, die Landwirte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr ihre Ergebnisse nochmals kräftig gesteigert. Allerdings bereiten die Wetterextreme und der Brexit den exportorientierten Betrieben einige Sorgen.

Zur größten Agrarmesse der Welt, die am Freitag in den Hallen unter dem Berliner Funkturm für zehn Tage die Tore öffnet, werden rund 400 000 Besucher erwartet. 1750 Aussteller aus 61 Ländern zeigen ihre Angebote aus der Land- und Forstwirtschaft, der Ernährungsindustrie und dem Gartenbau. Partnerland der Messe ist dieses Mal Finnland. Neben Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzlerin Merkel werden rund 70 Landwirtschaftsminister aus aller Welt erwartet. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner eröffnet die Messe.

Kritiker der Agrarindustrie verlangen mehr Tier- und Umweltschutz

Auf der Grünen Woche finden mehr als 300 Foren, Seminare, Kongresse und Ausschusssitzungen statt. Kritiker der Agrarindustrie nutzen die Messe ebenfalls als Bühne, um ihren Forderungen nach mehr Tier- und Umweltschutz im Stall und auf dem Acker Gehör zu verschaffen. Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ organisiert der Umweltverband BUND auch dieses Jahr wieder am kommenden Samstag eine große Demonstration im Berliner Regierungsviertel. Gefordert werden eine Agrarwende hin zu mehr bäuerlicher und ökologischer Landwirtschaft, weniger Pestizide und Gentechnik und der Stopp von Subventionen an immer größere Agrarkonzerne. Die rund 6000 deutschen Lebensmittelhersteller konnten ihren Umsatz im abgelaufenen Jahr nach ersten Schätzungen leicht um 0,3 Prozent erhöhen und damit auf der Rekordhöhe von 180 Milliarden Euro halten. Dabei profitieren die Produzenten auch von steigenden Preisen. Bereits seit 2010 verteuern sich Lebensmittel und nicht alkoholische Getränke jedes Jahr teils deutlich mehr als andere Waren. Ein Drittel der Erlöse erzielt die Nahrungsmittelbranche mit ihren fast 596 000 Beschäftigten bereits im Ausland.

Viele Landwirte verdienen so gut wie schon lange nicht mehr

Der bevorstehende Brexit mache sich bereits bemerkbar, die Exporte nach Großbritannien seien leicht gesunken, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die Branche ist der viertgrößte Industriezweig in Deutschland, 90 Prozent sind kleinere und mittlere Betriebe.

Bei den Landwirten ergeben die aktuellen Marktdaten ein gemischtes Bild. Der Milchpreis sei stabil, im Ackerbau befinde man sich auf einem unbefriedigenden Niveau, sagte Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands. Besonders die Schweinehaltung macht dem Verbandschef Sorgen. Laut Viehzählung im November 2018 sei der Bestand auf 26,4 Millionen Schweine geschrumpft, und auch die Zahl der Sauenhalter sei auf 7800 weiter gesunken. Damit habe in den letzten zehn Jahren jeder zweite Schweinemäster aufgegeben. Dennoch verdienten viele Landwirte, die den Umbruch in der Branche überstehen, in den letzten Jahren so gut wie lange nicht mehr. Im vorigen Wirtschaftsjahr, das im Juni endete, kletterten die Gewinne je Betrieb um fast ein Fünftel auf rund 65 000 Euro, wie die DBV-Bilanzen zeigen. Schon 2016/17 hatten die Ergebnisse um mehr als ein Drittel je Betrieb zugelegt.

Die Grüne Woche ist vom 18. bis 27. Januar täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am 25. Januar bis 20 Uhr. Die Tageskarte kostet 15 Euro, Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

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