Vereine waren lange Zeit eine reine Männerdomäne. Foto: privat

Am Weltfrauentag am Donnerstag, 8. März, erinnert ein Programm mit Reden und Musik im großen Saal des Fellbacher Rathauses an die Rechte des weiblichen Geschlechts und an die großen Schwierigkeiten auf dem Weg zur Gleichheit.

Fellbach - Er steht für Emanzipation und Gleichberechtigung überall auf der Welt – die Rede ist vom Weltfrauentag, der in Fellbach am Donnerstag, 8. März, 19 Uhr, gefeiert wird. An dem Tag soll jedes Jahr aufs Neue an die Rechte der Frauen erinnert werden. Deshalb hat Anneliese Roth, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, für diesen Abend ein besonders Programm auf die Beine gestellt. So wird Oberbürgermeisterin Gabriele Zull ein Grußwort sprechen und die Veranstaltung wird musikalisch von Nele Gerhard und Clara Schuler umrahmt. Den größten Beitrag bildet aber ein Vortrag von der emeritierten Soziologieprofessorin Ute Gerhard, die im großen Saal des Rathauses zu „100 Jahren Frauenwahlrecht“ spricht.

Der Weltfrauentag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen

Der Weltfrauentag entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg, im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Der Rat der Volksbeauftragten verkündete am 12. November 1918 das aktive und passive „gleiche, geheime, direkte, allgemeine Wahlrecht aufgrund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen“. Auch in Fellbach wurde die Öffentlichkeit über das neue Frauenwahlrecht informiert. Zum ersten Mal ausüben konnten die württembergischen Frauen ihr Wahlrecht am 12. Januar 1919 bei der Wahl der Verfassungsgebenden Landesversammlung. Bei den Reichstagswahlen am 19. Januar 1919 gingen 78 Prozent der Frauen wählen, dagegen nur 62 Prozent der Männer. Ein Höchststand von 41 weiblichen Abgeordneten wurde erreicht. Damit saßen 6 Prozent Frauen im Reichstag. Bei keiner der folgenden Reichtagswahlen wurde wieder ein solches Ergebnis erzielt. Erst 1983 hatte der Bundestag wieder eine vergleichbar gute Frauenquote. Die Fellbacher Gemeinderatswahlen, bei denen Frauen und Männer abstimmen durften, waren dann am 25. Mai 1919. Und es wurde direkt eine Frau in den Gemeinderat gewählt. Es war Holdine Meier „Schuhmachers Ehefrau“ – sie hat sich jedoch 1922 nicht mehr aufstellen lassen. Bis 1956 sollte Lokalpolitik in Fellbach wieder Männersache bleiben.

Apropos Gemeinderat: Gar nicht gut bestellt ist es um die Verteilung im Fellbacher Gremium

Apropos Gemeinderat: Gar nicht gut bestellt ist es aktuell um die Verteilung im Fellbacher Gremium. Er setzt sich aus 27 Männern und fünf Frauen zusammen. Eine Aufteilung, die nicht die Bevölkerung abbildet und die zeigt, dass sich heutige Frauen wohl wieder mehr an ihre Vorstreiterinnen und deren Errungenschaften erinnern sollten. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Frauen in Deutschland kaum Rechte. Bis in die 1960er-Jahre durften sie ohne Ehemann kein Konto eröffnen und bis 1977 brauchten sie dessen Erlaubnis, um arbeiten gehen zu dürfen.

Eine Zeit lang war der Frauentag sogar verboten – da die sozialistische Bewegung maßgeblich an der Entstehung des Frauentages Anteil hatte, wurde er zwischen den Jahren 1933 und 1945 offiziell nicht mehr begangen. Stattdessen wurde der Muttertag in den Rang eines offiziellen Feiertages erhoben.

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