Inzwischen hat sich die Stadt Weinstadt das Vorkaufsrecht für das Kellereigelände in Beutelsbach gesichert. Foto: Gottfried Stoppel

Wie sieht die Zukunft der Remstalkellerei aus? Was wird aus den Verkaufsplänen für ihr Gelände in Weinstadt-Beutelsbach? Sieht man doch noch Chancen für den Bau einer Zentralkelter in Remshalden? Zu den Fragen nimmt der Vorstandsvorsitzende Peter Jung Stellung.

Was wird aus dem Gelände der Remstalkellerei im Weinstädter Ortsteil Beutelsbach? Eigentlich wollte die Genossenschaft das eineinhalb Hektar große Grundstück am Floriansweg an einen Bauträger veräußern, um den auf geschätzte 20 bis 25 Millionen teuren Bau einer Zentralkelter in Remshalden-Grunbach zu finanzieren.

 

Diese sollte ein effizienteres Arbeiten mit moderner Technik ermöglichen. Davon versprach man sich einen qualitativ besseren Wein sowie personelle Synergieeffekte und unter dem Strich ein höheres Traubengeld für die Mitglieder. Über deren Unzufriedenheit mit der Remstalkellerei sprechen die Austritte mehrerer Ortsgenossenschaften in den vergangenen Jahren Bände. Doch der Verkauf kam nicht wie geplant zustande, die Neubaupläne platzten. Jetzt hat sich die Stadt Weinstadt das Vorkaufsrecht für das Kellereigelände in Beutelsbach gesichert. Was bedeutet dies für die Neubaupläne der Genossenschaft? Geht das Areal nun an die Stadt? Und ließe sich damit die Zentralkelter in Grunbach doch noch realisieren?

Inflation und hohe Baupreise machen der Branche zu schaffen

„Wir sind in laufenden Gesprächen mit der Verwaltung“, sagt Peter Jung, der Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei. Über das erlassene Vorkaufsrecht sei man im Bilde. „Das heißt aber nicht, dass die Stadt kauft, sondern nur, dass sie den Daumen drauf haben will für eine spätere Bebauung.“ Zudem sei der Bauträger, an den man das Grundstück habe veräußern wollen, keineswegs abgesprungen. „Abgesagt hat keiner.“ Interesse bestehe auch von weiteren Firmen. Doch sei die Situation auf dem Immobilienmarkt jetzt eine komplett andere als beim Eintritt in die Verkaufsverhandlungen. Jetzt machten der Branche die Inflation und höhere Baupreise zu schaffen, müsse die Finanzierung von Bauprojekten aufgrund der Zinsentwicklung neu erarbeitet werden. Dadurch seien Immobilienfirmen generell sehr zurückhaltend, was neue Projekte angehe, meint Peter Jung: „Da sind wir kein Einzelfall in der Region.“

So sei die Baupreisentwicklung auch bei den eigenen Bauplänen in Grunbach ein Thema gewesen. „Das Neubauprojekt ist eingestellt.“ Daran würde auch ein rascher Verkauf des Beutelsbacher Kellereigeländes an die Stadt nichts ändern. Denn in die Entscheidung der Remstalkellerei spielen noch weitere Faktoren rein: „Das Zusammenbrechen des Weinmarkts und die Inflation machen auch uns zu schaffen“, sagt Jung. Wein sei nun einmal ein Genussartikel, den man nicht für den täglichen Bedarf brauche. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts sei der deutsche Weinmarkt massiv geschrumpft, um insgesamt zehn Prozent. „Von der Entwicklung können auch wir uns nicht verschließen.“

So sei der Weinabsatz der Remstalkellerei im Lebensmitteleinzelhandel ebenfalls massiv zurückgegangen. Zumal man als Erzeuger von Württemberger Weinen im oberen Preissegment zu finden sei. Die Kunden jedoch würden derzeit mehr zu Weinen im unteren Preissegment greifen. „Im vergangenen Jahr ist der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel um rund 20 Prozent zurückgegangen“, so Jung. Dies könne man auch über die anderen Vertriebskanäle Direktverkauf, Weinfachhandel, Getränkemärkte und Gastronomie nicht reinholen. Zumal man das Vor-Corona-Niveau dort noch nicht erreicht habe. Insbesondere bei der Gastronomie sei dies zu spüren.

Die Auflösung der Remstalkellerei sei keine Option

Was bedeutet all dies für die Zukunft der Remstalkellerei? Wie sieht sie aus? Eine konkrete Antwort darauf hat Jung nicht. Diese Frage stelle man sich auch derzeit, sagt Jung: „Wir sind dabei, eine neue Zukunftsperspektive zu erarbeiten.“ Wie die künftige Strategie der Remstalkellerei aussehe, bleibe abzuwarten. „Aber es wird eine Zukunft geben“, ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Die Remstalkellerei aufzulösen, wie es als Sorge im Remstal bereits umhergeht, sei keine Option. Derweil werde „unter Hochdruck“ über den Verkauf des Beutelsbacher Kellereigeländes weiterverhandelt.