Die Verantwortlichen in Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg haben viel zu spät das Aus für die Weihnachtsmärkte beschlossen – und gesellschaftlichen Schaden angerichtet. Die Beschicker stehen vor einem Scherbenhaufen.
Esslingen - Man kann es auch positiv sehen: Lieber spät als gar nicht! Das wäre wohl das versöhnliche Fazit zur Absage der Weihnachtsmärkte in Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg. Wenn man aber ehrlich ist, gibt es für die jetzt getroffene Entscheidung nur ein vernichtendes Urteil: Die Verantwortlichen haben versagt.
Denn die Entscheidung für die Absage ist viel zu spät gefallen. Seit Wochen war klar, wohin sich die Pandemie in diesem November entwickeln würde. Deshalb war es nicht nur unprofessionell, sondern sogar fahrlässig, vor den klaren Ankündigungen der Experten die Augen zu verschließen – und weiter auf ein buntes Markttreiben zu setzen.
Ein falsches Signal an die Gesellschaft
Sich an den Märkten so lange festzuklammern war auch ein falsches Signal an die Gesellschaft. Es kann nicht sein, dass sich in den Kliniken des Landes die Zahl der Intensivpatienten schon jetzt wieder dem Spitzenwert der dritten Coronawelle nähert – und man gleichzeitig noch ernsthaft darüber nachdenkt, wie man einen Weihnachtsmarkt retten kann. Die Botschaft war verheerend: Wenn – unterstützt von den jeweiligen Städten – zigtausende Menschen zu vorweihnachtlichen Partys zusammen kommen dürfen, warum sollte man dann seine eigenen privaten Kontakte überhaupt einschränken?
Lesen Sie aus unserem Angebot: Auch Ludwigsburg sagt Weihnachtsmarkt ab
Es gibt nachvollziehbare Gründe für das Zögern. Natürlich wäre ein wenig weihnachtlicher Glanz schön gewesen. Auch die Händler trifft es hart: Sie stehen vor einem Scherbenhaufen. Aber es spricht Bände, dass man bis zuletzt nicht über eine Absage der Märkte sprechen wollte, sondern nur darüber, wie diese noch zu retten sein könnten. Die letzte Idee war, das Gelände einzuzäunen. Als könne man eine Pandemie mit einem Zaun besiegen.