Besucher dicht an dicht, wie hier vor zwei Jahren unter dem Sternenzelt vor dem Fellbacher Rathaus – das soll in diesem Jahr vermieden werden. Foto: Gottfried Stoppel

Die größeren Städte im Rems-Murr-Kreis wollen sich die Adventsstimmung nicht vermiesen lassen. Trotz beängstigender Coronalage sollen Weihnachtsmärkte stattfinden – allerdings mit Einschränkungen und Auflagen.

Rems-Murr-Kreis - Die Coronalage spitzt sich weiter zu. In Baden-Württemberg gilt seit Mittwoch die Alarmstufe, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schließt seit Donnerstag selbst Schulschließungen als Mittel der Pandemiebekämpfungen nicht mehr aus. Dennoch wollen sich zumindest die größeren Städte im Rems-Murr-Kreis die vorweihnachtliche Stimmung nicht vermiesen lassen. Vielerorts will man Weihnachtsmärkte stattfinden lassen – wenn auch mit Einschränkungen und zum Teil unter strengen Auflagen.

Fellbach verspricht eine märchenhafte Weihnachtszeit

Während der Bundestag in Berlin noch über das neue Infektionsschutzgesetz befand, kam die frohe Botschaft von der „märchenhaften Weihnachtszeit“ am Donnerstag aus Fellbach per Pressemitteilung: „In diesem Jahr zieht wieder der Duft nach gebrannten Mandeln und Glühwein durch die Kappelbergstadt und verbreitet Vorfreude auf das Weihnachtsfest.“ Von 27. November bis 22. Dezember soll der Guntram-Palm-Platz demnach mit Verkaufsbuden, Imbiss- und Getränkeständen bestückt werden. Zutritt zum „Weihnachtsmärchen“ haben freilich nur jene, die geimpft und genesen sind. Das Gelände ist eingezäunt, der Zutritt – nur mit Maske – wird kontrolliert. Gleiches gilt für die Eisbahn, die ebenfalls aufgebaut werden soll. In deren gesamtem Bereich dürfen sich maximal 100 Personen aufhalten, auf der Eisfläche selbst 50.

Tipi-Zelte statt Bühne in Schorndorf

Die Stadt Schorndorf will die heimische Fachwerkkulisse nach fast zwei Jahren Pause wieder für Adventsstimmung nutzen. „In Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden und nach sorgfältiger Abwägung halten wir am Schorndorfer Weihnachtsmarkt fest“, sagt der kommissarische Rathauschef Thorsten Englert. Man baue auf ein „durchdachtes, offenes 2-G-Konzept“ und wolle am 27. November eröffnen, so sich nicht das Land noch zu einer generellen Absage von Weihnachtsmärkten entscheide.

Statt einer Bühne soll es in der Mitte des Marktplatzes Tipi-Zelte zum Unterstellen und zwei Mietlounges geben. Die Marktfläche soll offen bleiben und ohne Einschränkungen durchquert werden können. Für den Kauf von Speisen und Getränken benötigt man ein Einlassband, das per 2-G-Nachweis an einem der Check-in-Points erhältlich ist. Wer plant, den Weihnachtsmarkt öfter zu besuchen – er geht bis 21. Dezember –, kann ein dauerhaftes Einlassbändchen erhalten.

Pop-up-Speisen werden in Waiblingen geboten

In Waiblingen soll es ab dem 26. November in der Innenstadt verteilt „Weihnachts-Pop-up-Stände“ mit Kunsthandwerklichem und Speisen zum Mitnehmen geben, zudem soll im Schlosskeller der Markt „Artverwandt“ stattfinden. Wer den Kunsthandwerkermarkt besuchen oder Speisen an den Pop-up-Ständen kaufen möchte, hat die Coronaverordnungen einzuhalten. Wer den 2-G-Nachweis erbringt, erhält ein Bändchen, so können die Standbetreiber leichter kontrollieren. Auf Bühnenprogramm, Kasperletheater und Eisenbähnle wird verzichtet, denn dort wären Menschenansammlungen zu erwarten.

Die Buden werden breiter verteilt in Winnenden

Deutlich kürzer ist der Budenzauber in Winnenden geplant. Aber auch hier hält man – Stand jetzt, wie der Wirtschaftsförderer Timm Hettich betont – am Weihnachtsmarkt von 26. bis 28. November fest. 60 Stände sollen über die Marktstraße und die angrenzenden Plätze verteilt werden. Auch der Santo-Domingo-de-la-Calzada-Platz werde erstmals mit einbezogen, um die Veranstaltung räumlich etwas auseinanderzuziehen. Eine Einzäunung des Geländes ist nicht vorgesehen, Armbändchen aber schon. Am selben Wochenende wie Winnenden will auch Backnang Weihnachten einläuten. „Der Backnanger Weihnachtsmarkt findet vom 26. bis 28.11. auf dem Stiftshof mit 2-G-Einlasskontrolle statt“, verlautet der neue Stadtsprecher Christian Nathan auf Nachfrage, ohne dies genauer auszuführen.

Remshalden und Rudersberg ziehen die Reißleine

Die Reißleine gezogen wurde hingegen beispielsweise in Remshalden. Am zweiten Adventssonntag hätte der Budenzauber vor dem Rathaus stattfinden sollen, mit einem Hygienekonzept und einer reduzierten Zahl an Ständen. Doch nun hat die Gemeinde das komplette Aus verkündet. Die Pandemie entwickle sich derzeit so dynamisch, dass weitere Entwicklungen schwer abzusehen seien. „In Verantwortung für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger“ sei man nun zu diesem Entschluss gekommen, teilt der Bürgermeister Reinhard Molt mit. In Rudersberg hat man den heimeligen Adventswald, in dem man kaum anders kann, als dicht an dicht zu stehen, frühzeitig abgesagt. Ob die alternativ geplante „Light“-Variante – eine „Weihnachtslichtung“ auf zwei abgezäunten Parkplätzen – noch stattfinden kann, müsse man im Lichte der weiteren Entwicklung abwägen, sagt der Rathauschef Raimon Ahrens. Man habe das Event zwar für die Bedingungen der Alarmstufe konzipiert, wisse aber nicht, was noch kommt. Aber: „Wir haben bis zum dritten und vierten Adventswochenende ja auch noch ein bisschen Zeit.“

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