Die Stuttgarter Band Trigger Cut wurde an der Grenze abgewiesen und konnte ihre Tour durchs Vereinigte Königreich nicht spielen. Dort wird der Fall nun politisch diskutiert.
Der Fall der Stuttgarter Band Trigger Cut wird im Vereinigten Königreich zum Politikum. Die Band war an der Grenze wegen angeblich fehlender Papiere abgewiesen worden. Nun äußert sich die Labour-Kulturpolitikerin Lucy Powell im britischen „Guardian“. Die Regierung müsse den von der Inflation gebeutelten Clubs helfen, neue Talente auf die Bühne zu holen. „Stattdessen führt das Brexitchaos der Tories dazu, dass Musiker an der Grenze abgewiesen werden.“ Mit Labour an der Regierung würde ein EU-weites Abkommen ausgehandelt, damit kontinentaleuropäische Musiker auf der Insel touren könnten – und umgekehrt.
„Die Regeln sind verwirrend“, kritisiert der Tourmanager Ian Smith im „Guardian“. Der Gründer der Initiative „Carry on Touring“ will trotz Brexit den musikalischen Austausch erhalten. Der Fall Trigger Cut zeigt, schwierig das geworden ist. Der Aufwand für eine Tour durchs Vereinigte Königreich sei für viele Bands infolge des Brexit einfach zu hoch, sagte der auf die Einreise von Musikern spezialisierte Berater Steve Richard. „Wenn eine deutsche Band hier ein paar Auftritte spielt, nimmt das keinem Briten den Job weg“, sagte er im „Guardian“.
Wer kein Star ist, tut sich schwer
Tatsächlich gibt es für Musiker zwei Optionen: personalisierte Einladungen von Veranstaltern sowie eine Bürgschaft. Nach Letzterer hatten die Grenzpolizisten in Calais gefragt, sie ist aber teuer und für Veranstalter kleiner Clubkonzerte in der Regel zu teuer. Die Einladungen, die Trigger Cut dabei hatten, sind eigentlich für eine bis zu einmonatige Tour ausreichend.
Dass die Variante mit den Einladungen nur für Profis gedacht ist, wird erst relevant, wenn Grenzpolizisten danach fragen. Das geschieht aber offenbar recht willkürlich. Außerdem sind im Popbereich viele Semiprofis unterwegs, die sich ihr häufig anspruchsvolles musikalisches Schaffen mit Zweitjobs finanzieren – so wie Trigger Cut, bei denen ein Mitglied auch als Landschaftsgärtner arbeitet.
Ein Regierungssprecher wurde dort zitiert, alle Visabewerbungen würden sorgfältig geprüft. Außerdem habe man ein eigenes Verfahren für Musiker eingerichtet. Das Land ziehe „Weltklasse-Entertainer und -Musiker aus der ganzen Welt an“.
Das dürfte niemand bestreiten. Dass es neben den großen Stars viele interessante Bands gibt, die sich ein großes Publikum erst noch erspielen müssen, ebenso wenig. Wie schwierig für sie der Weg von Kontinentaleuropa ins Vereinigte Königreich geworden ist, zeigt der Fall Trigger Cut. Weil viele Musiker mitfühlen können, erhält die Band derzeit viele Solidaritätsadressen. Und vielleicht hilft der Fall auch, dass zumindest die Musik bald wieder etwas grenzenloser wird.