Bei diesem Foto ging die Stuttgarter Band Trigger Cut noch davon aus, im Vereinigten Königreich spielen zu dürfen. Foto: Trigger Cut/Facebook

Die Stuttgarter Band Trigger Cut wollten diese Woche eigentlich durch das Vereinigte Königreich touren. Doch die Grenzpolizei ließ sie nicht durch. Der Fall schlägt mittlerweile international Wellen.

Was der Brexit für Musiker in der Praxis bedeutet, hat die Stuttgarter Band Trigger Cut vergangene Woche am eigenen Leib erfahren müssen. Vor der Überfahrt nach England wurde das Trio in Calais von britischen Grenzpolizisten abgewiesen – weil die Musiker angeblich nicht die korrekten Papiere dabei hatten. „Wir wurden wie Kriminelle der französischen Polizei übergeben“, berichtet der Gitarrist Ralph Schaarschmidt auf Facebook.

 

Mittlerweile hat neben den Musikmagazinen „Visions“, „Musikexpress“ und „Rolling Stone“, der „Süddeutschen Zeitung“ und dem „Spiegel“ auch der britische „Guardian“ über den Fall berichtet – weil er ein sprechendes Beispiel für die Folgen des britische EU-Austritts ist. Die durch den Brexit deutlich verkomplizierte Einreise führt dazu, dass kontinentaleuropäische Bands wie Trigger Cut nicht mehr im Vereinigten Königreich auftreten. Das schlägt nun auch international Wellen. Der britische Sänger Tim Burgess wurde beispielsweise im Guardian mit den Worten zitiert, der Fall sei „furchteinflößend“, weil er Bands aus der EU andeute, dass eine UK-Tour den Aufwand nicht wert sei.

Trigger Cut mussten das auf die harte Tour lernen. Sechs Monate Vorbereitung seien umsonst, sagt Ralph Schaarschmidt im Interview. Immerhin eine gute Nachricht hat er mittlerweile parat: Der Stuttgarter Club Goldmark’s hat Trigger Cut zu einem Konzert im Mai eingeladen. Das konkrete Datum soll demnächst bekannt gegeben werden.

Herr Schaarschmidt, wie geht es Ihnen?

Es bricht mir das Herz. Mir war diese Tour so wichtig. Ich liebe England und die Musikszene dort. Aber so schnell will ich nicht mehr dorthin.

Was passierte an der Grenze in Calais?

Der Grenzpolizist fragte nach dem Grund unserer Einreise. Wir haben gesagt, wir seien eine deutsche Band und wollten ein paar Konzerte spielen. Da wurden wir rausgezogen. Man hat uns die Pässe abgenommen und wir wurden in einen abgesperrten Bereich gebracht. Dort haben die Polizisten nach der COS-Nummer gefragt. Davon hatten wir noch nie gehört.

Mittlerweile sind Sie vermutlich schlauer.

Es gibt zwei Möglichkeiten, als Musiker zum Musikmachen ins Vereinigte Königreich einzureisen. Die aufwendige heißt COS wie „Certificate of Sponsorship“. Dafür muss quasi jeder Veranstalter für uns bürgen, was ziemlich teuer ist. Das ist bei kleinen Konzerten, wie wir sie spielen wollten, einfach nicht machbar. Die Alternative sind persönliche Einladungen aller Konzertveranstalter, auf denen die Passnummer aller Bandmitglieder vermerkt sein müssen. Die hatten wir dabei. Hat an der Grenze aber niemanden interessiert.

Wer nicht gerade Hallen füllt, dürfte davon ziemlich abgeschreckt werden.

Durch die Sache sind wir mit Ian Smith von der Firma Carry on Touring in Kontakt gekommen, die trotz solcher bürokratischer Hürden Musiktourneen weiter ermöglichen will. Offenbar werden Musiker von der Grenzpolizei in Calais häufiger abgewiesen. Wir haben aber auch gelernt, dass das Verfahren mit den Einladungen nur für Berufsmusiker gedacht ist. Manch einer kommt damit offenbar trotzdem ins Land. De facto wird es Amateuren oder Semiprofis aber unmöglich gemacht, eine UK-Tour zuverlässig zu planen. An der Grenze herrscht offenbar Willkür.

Mit welchen Folgen?

Wir bleiben jetzt auf ziemlich hohen Kosten sitzen. Vor allem aber leidet der kulturelle Austausch, die Menschen auf der Insel werden teilweise isoliert. Leider ist es innerhalb der EU nicht viel besser, worunter wiederum britische Bands leiden.