Die Ampel verfolgt in ihrer Wasserstoffstrategie ehrgeizige Ziele – doch die Wirklichkeit ist kompliziert, kommentiert Tobias Heimbach.
Wie wichtig das Thema ist, zeigt schon die Teilnehmerliste. Gleich drei Minister und zwei Staatssekretäre nahmen sich am Mittwoch Zeit, um die aktualisierte Wasserstoffstrategie der Bundesregierung vorzustellen. Darunter natürlich: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Gemeinsames Ziel ist es, Deutschland dauerhaft mit grünem Wasserstoff zu versorgen. Mit diesem Wunderstoff der Energiewende sollen etwa Stahlwerke, Lkw und Schiffe klimafreundlich werden.
Dazu hat die Bundesregierung abermals ihre Ziele erhöht. Man will bis zum Jahr 2030 doppelt so viel Wasserstoff herstellen wie bislang geplant. Es ist gut, dass die Bundesregierung hier ehrgeizig bleibt.
Auch bei der Versorgung gibt es viele offene Fragen
Doch Ziele sind das eine, die Wirklichkeit ist eine andere. Und die sieht so aus: Wasserstoff ist bislang kaum verfügbar. Und wenn er verfügbar ist, dann ist er teuer. Zudem sind viele Pioniere auf dem Bereich in einem Dilemma: Sie würden gern Wasserstoff herstellen – wissen aber nicht, ob es die Leitungen geben wird, um ihn an die Industrie zu verkaufen. Also fängt zunächst niemand an. Wer umgekehrt seine Prozesse auf Wasserstoff umstellen will, bekommt keinen. Ein Schritt muss deshalb sein, die Netze schnell auszubauen.
Auch bei der Versorgung gibt es viele offene Fragen. Zwei Drittel des Wasserstoffs wird Deutschland nach bisherigen Schätzungen importieren müssen. Doch woher und zu welchen Konditionen, ist größtenteils noch unklar.
Ein weiterer Haken: Gerade in den nächsten Jahren wird die Industrie zunächst wohl viel Wasserstoff nutzen, der nicht mit grünem Strom hergestellt wird. Das ist für den Anfang in Ordnung, doch müssen trotzdem möglichst schnell die Kapazitäten für Wind- und Sonnenenergie ausgebaut werden. Und schon hier droht die Bundesregierung ihre hochgesteckten Ziele zu verfehlen. Das stimmt nicht optimistisch für die Wasserstoffwirtschaft.