Die Arbeitsämter müssen sich in diesem Jahr auf steigende Arbeitslosenzahlen einstellen. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Einer Studie zufolge wächst die Zahl der Arbeitslosen dieses Jahr besonders in Baden-Württemberg. Politik und Bürger müssen künftig aber auch andere Warnsignale ernster nehmen, meint Matthias Schmidt.

Es ist ein eingeübter Reflex, und er ist völlig angebracht: Wenn im industriestarken Baden-Württemberg die Zahl der Arbeitslosen schneller wächst als in allen anderen Bundesländern, muss die Alarmglocke schlagen. Die Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung, die genau dies für 2024 vorhersagt, zeugt von konjunktureller Schwäche, aber auch von den Mühen der für den Klimaschutz nötigen Veränderungen.

 

Die Arbeitslosenquote ist kein verlässlicher Krisenindikator mehr

Stellenstreichungen bei großen Autozulieferern wie Bosch und ZF zeigen was passiert, wenn alte Technologien schwinden und die neuen nicht recht in Gang kommen, sei es das Elektroauto oder das autonome Fahren. Hier muss es darum gehen, durch kluge politische Rahmensetzung, soziale Abfederung und Anschubsubventionen in den Zukunftsfeldern eine Balance zu finden. Der Blick auf den Arbeitsmarkt aber wird künftig nicht genügen, um der Wirtschaft das Fieber zu messen. Es gilt, auch andere Reflexe zu schulen.

Da die geburtenstarken Jahrgänge bald in Rente gehen, wird die Arbeitslosenquote absehbar auf vergleichsweise niedrigem Niveau bleiben, selbst wenn Zehntausende von Stellen wegfallen. Damit wächst die Gefahr eines stillen Niedergangs, bei dem Politik wie Bürger schlafwandlerisch übersehen, welche Kraftanstrengungen nötig sind, um Wirtschaftskraft und Klimaschutz gleichermaßen zu stärken. Umso wichtiger wird es, auch andere Kennzahlen ernstzunehmen, etwa die zu geringe Investitionsquote, die drohende Verlagerung von Produktion ins Ausland und den mangelnden Zuzug ausländischer Fachkräfte. Dabei geht es nicht um das Klagelied der Kaufleute, wie der Kanzler vermitteln will, sondern schlicht um die Einsicht ins Notwendige.