Der Warnstreik im öffentlichen Dienst geht auch in Stuttgart weiter. Foto: dpa/Marijan Murat

Mehrere hundert Menschen haben sich am Donnerstag am Warnstreik in der Innenstadt beteiligt. Die Beschäftigte im öffentlichen Dienst wollen mehr Anerkennung und mehr Geld

Stuttgart - Mehrere hundert Beschäftigte des öffentlichen Diensts haben am Donnerstag in Stuttgart im Rahmen eines bundesweiten Warnstreiks für mehr Lohn demonstriert. Laut Angaben von Verdi kamen zu der Veranstaltung im Stadtgarten 2000 Menschen. „Wir halten den Laden am Laufen – jetzt seid ihr dran!“, lautete das Motto. Die Gewerkschaft fordert für seine Mitglieder 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die zweite Verhandlungsrunde in Potsdam war im September ergebnislos verlaufen, in zwei Wochen findet die dritte Runde statt.

Demozug in kleinen Gruppen

Die steigenden Corona-Infektionszahlen hatten die Verantwortlichen dazu bewogen, die geplante Abschlusskundgebung um 11 Uhr abzusagen. „Wir haben heute Morgen darüber diskutiert, ob wir aufgrund der gestiegenen Zahlen überhaupt etwas machen können“, sagt Cuno Brune-Hägele, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart. Stattdessen beschränkte man sich auf einige kurze Ansprachen, die Vertreter der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), Klinikum Stuttgart, Garten-, Friedhofs- und Forstamt und Jugendamt beisteuerten.

Verdi-Landesbezirkschef Martin Gross sagte, man erwarte von den Verhandlungspartnern ein Angebot, das sich nicht hinter Corona verstecke, sondern die Leistungen der Beschäftigten in der Pandemie berücksichtige. Den anschließenden Demonstrationszug durch die Innenstadt bestritt man in kleineren Gruppen, um die Gefahr von Ansteckungen zu minimieren. Zum kurzen Abschluss des Streiktags fanden sich am Mittag im Stadtgarten nochmal einige hundert Teilnehmer zusammen.

Kritik an der Politik: Signale stehen „auf null“

„Wir stehen hinter den Forderungen der Gewerkschaft, nämlich 4,8 Prozent mehr Lohn, besonders für die Auszubildenden“, sagte Tobias Pampel, Betriebsratsvorsitzender der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft. „In der Pandemie ist viel geklatscht worden für den öffentlichen Dienst, vor allem für die Kollegen im Klinikum oder die Pflegekräfte. Aber auch die soziale Arbeit und die sozialen Dienste müssen aufgewertet werden. Wenn so viel Geld für die Industrie da ist in Form von Hilfspaketen muss es auch ein Hilfspaket für uns geben. Das wollen wir heute mit vielen anderen zusammen durchsetzen“, so Pampel.

Pampel bereitet sich auf einen schweren Kampf vor, denn die Signale der Politik stünden „auf null“. Dabei gebe es dringenden Handlungsbedarf, denn schon jetzt hätte der öffentliche Dienst große Probleme, geeignetes Personal zu finden. Vor allem beim Nachwuchs: „Wir haben größte Not, offene Erzieherstellen zu besetzen“, sagte Pampel. Denn die Gehälter in der freien Wirtschaft lägen oft über jenen im öffentlichen Dienst.

„Ich finde es unerträglich, dass man den Krankenhäusern, Kitas und Pflegediensten in der Pandemie so viel aufgelastet hat und jetzt den Tarifvertrag kündigt, ohne ein Angebot zu machen“, sagte Heidrun F., eine Erzieherin aus Stuttgart. Statt den Beschäftigten mehr Wertschätzung entgegenzubringen vernachlässige man sie in dieser schwierigen Zeit.

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