Haus abgebrannt, Auto abgebrannt: Der Flächenbrand ist über diese Siedlung bei Fort McMurray hinweggegangen. Foto: AFP

Der Schaden ist gewaltig und der Anblick verbrannter Häuser erschreckend. Dennoch war die Nachricht, die Albertas Regierungschefin Rachel Notley verbreitete, für viele Bewohner von Fort McMurray eine Erleichterung.

Ottawa - Noch brennt es stellenweise in der Stadt im Norden der Provinz Alberta, deren Bewohner vor nun genau einer Woche vor dem anrückenden Feuer flohen. Albertas Regierungschefin Rachel Notley und Bürgermeisterin Melissa Blake konnten sich am Montag erstmals einen Eindruck vom Ausmaß der Zerstörung machen. Begleitet von Feuerwehrchef Darby Allen und einigen Medienvertretern fuhren sie durch die Stadt. Der Schaden ist gewaltig. Dennoch war die Nachricht, die Notley am späten Montagnachmittag (Ortszeit) verbreitete, für viele Bewohner von Fort McMurray eine Erleichterung: „Nur“ 2400 Gebäude brannten ab. Der Großteil der Stadt blieb stehen. Und geplant wird nun, dass die Rückkehr der Menschen in die evakuierte Stadt in zwei Wochen beginnen kann.

Immer wieder lodern einzelne „Hotspots“ auf, aus Trümmern steigt Qualm auf. Feuerwehren bemühen sich weiter, die Brandherde in der Stadt zu löschen und unter Kontrolle zu halten. Notley sah die fast völlig abgebrannten Bezirke Beacon Hill und Abasand, wo kaum ein Haus stehen blieb, nur schwarze Ruinen und ausgebrannte Autos, aber auch das weitgehend intakte Stadtzentrum.

Fast 90 000 Menschen waren aus Fort McMurray geflohen

Für die Bewohner Fort McMurrays, die in den Evakuierungszentren südlich der Stadt an den Bildschirmen die Berichterstattung verfolgten, mag es an ein Wunder gegrenzt haben, als die Ministerpräsidentin sagte, dass nach den ersten Schätzungen doch 85 bis 90 Prozent der Stadt gerettet werden konnten. Der Gebäudebestand von Fort McMurray wird mit etwa 25 000 angegeben. „Vor einigen Tagen war die Stadt von einem Feuerozean umringt. Aber Fort McMurray und die umliegenden Gemeinden wurden gerettet. Und sie werden wieder aufgebaut.“

Dabei hilft, dass wichtige Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser, Gemeindeverwaltung und Wasserwerk vor den Flammen verschont blieben. „Ihr werdet zurückkehren und wir werden zusammenarbeiten, um das zu schaffen“, sprach Notley den Betroffenen Mut zu. Fast 90 000 Menschen waren vor dem Feuer aus der Stadt geflohen.

Vermutlich schwerste Naturkatastrophe der Geschichte Kanadas

„Fort McMurray lebt“, sagte auch Feuerwehrchef Allen. Die entscheidende Phase des Kampfes gegen das Feuer war nach seiner Einschätzung, als es gelang, in der Nähe des Stadtzentrums ein Überspringen des Feuers von der anderen Seite des Clearwater-Flusses zu verhindern. Dennoch ist das Feuer von Fort McMurray gemessen an den Schäden, die von den Versicherungen abgedeckt sind, die vermutlich schwerste Naturkatastrophe der Geschichte Kanadas. Auf die Versicherungen kommen Zahlungen von mehreren Milliarden Dollar zu.

Während in Fort McMurray nun der Blick auf den Wiederaufbau gerichtet ist, tobt das Feuer außerhalb der Stadt weiter. Nach Schätzungen der Behörden hat es mittlerweile mehr als 2000 Quadratkilometer Wald- und Buschland zerstört, was deutlich mehr als der doppelten Größe Berlins entspricht. Es frisst es sich weiter Richtung Osten zur Grenze zur Nachbarprovinz Saskatchewan. 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz, unterstützt von Hubschraubern und Wasserbombern, die Wasser über Brandherden abwerfen, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

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