Die Hagia Sophia in Istanbul soll nach Präsident Erdogan zu einer Moschee werden. Foto: dpa

Erst christliches Gotteshaus, dann Moschee, dann Museum - und nun will der türkische Präsident Erdogan die berühmte Hagia Sophia in Istanbul wieder zur Moschee machen. Aber ist das so einfach?

Istanbul - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will die berühmte Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee zurückverwandeln. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag unter Berufung auf ein TV-Interview des Präsidenten.

Das entrüstet unter anderem viele Menschen im Nachbarland Griechenland - die Hagia Sophia gilt vielen von ihnen bis heute als religiöses Zentrum der Orthodoxie. Und auch die Unesco hat bei Erdogans Plänen womöglich ein Wörtchen mitzureden.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels im Jahr 1453 wandelten die Osmanen die Kirche in eine Moschee um.

Seit 1934 ist sie ein Museum und zieht jährlich Hunderttausende Besucher an. Forderungen von Muslimen, die Hagia Sophia als islamischen Gebetsort zu nutzen, waren bisher gescheitert - erst im September 2018 hatte das Verfassungsgericht der Türkei die entsprechende Klage eines türkischen Vereins abgelehnt.

Erdogan macht Religion zum Wahlkampfthema

Doch nun stehen in der Türkei am Sonntag Kommunalwahlen an, und Erdogan hatte das Thema Religion zu einem Zentrum des Stimmenfangs gemacht. Es sei „nicht unmöglich“, dass aus dem Museum wieder eine Moschee werde, hatte er schon vor einigen Tagen gesagt. In dem neuen Interview mit dem Sender A-Haber stellte er es jetzt so dar, als sei die Entscheidung gefallen. „Hagia Sophia wird nicht länger Museum genannt werden. Sie wird aus diesem Status herausgenommen. Wir werden Hagia Sophia eine Moschee nennen“, sagte er.

Griechische Medien zitieren „Quellen aus der Unesco“, wonach eine Änderung des Namens nur mit der Zustimmung der Organisation möglich sei, weil die Hagia Sophia zum Weltkulturerbe gehöre. Aber so einfach ist auch das nicht. Ein Sprecher der Organisation sagte der dpa am Donnerstag: „Länder, die die Bezeichnung eines Weltkulturerbes ändern möchten, müssen die Änderung beim Welterbekomitee beantragen.“

Allerdings wird die Hagia Sophia von der Unesco nicht explizit als Weltkulturerbe aufgelistet, sondern ist lediglich Bestandteil des Weltkulturerbes „Historischer Bereich von Istanbul“, zu dem auch andere Bauten gehören. Eine Umbenennung, die nichts an der Struktur des Gebäudes ändert, wäre also möglicherweise kein Problem.

„Reist nie wieder in Türkei

In den griechischen sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. „Schließt alle Konsulate, reist nie wieder in Türkei“, heißt es dort, oder auch „Lasst sie doch machen, die Hagia Sophia ist und bleibt unsere.“ Andere wiederum sehen die Pläne des türkischen Präsidenten gelassen.

„Er kann keine Moschee aus der Hagia Sophia machen, und das weiß er auch“, schreibt ein User auf Twitter. „Er spielt das nationalistische Spiel nur deshalb, um auch die Randwähler zu erreichen. Das machen unsere Politiker auch nicht anders.“

Das Thema Hagia Sophia - mit dem Erdogan schon seit Jahren kokettiert - war nach den Moscheeangriffen im neuseeländischen Christchurch wieder hochgekocht. Der Attentäter hatte Medienberichten zufolge in einem Manifest auch von einer Hagia Sophia „ohne Minarette“ gesprochen. Erdogan nutzte die Anschläge in Wahlkampfreden auch zu Angriffen gegen den „islamfeindlichen Westen“.

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