Die ersten Todesopfer des Attentats von Christchurch werden beerdigt. Foto: AP

Immer noch müssen die Menschen in Christchurch darauf warten, Abschied von den Opfern des Massakers nehmen zu dürfen. Am Freitag will Neuseeland zwei Schweigeminuten einlegen. Es gibt aber auch diplomatischen Ärger.

Christchurch/Canberra - Fünf Tage nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland sind am Mittwoch die ersten Todesopfer beigesetzt worden. Dabei handelte es sich um einen Vater und seinen Sohn, die erst vor wenigen Monaten als Flüchtlinge aus Syrien nach Christchurch gekommen waren. Am Freitag will das ganze Land mit zwei Schweigeminuten der insgesamt 50 Todesopfer gedenken. Unterdessen sorgte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Wahlkampf-Äußerungen zu dem Anschlag für Verärgerung.

Die beiden Syrer wurden auf einem Friedhof beigesetzt, der sich nur einen Kilometer entfernt von einer der beiden Moscheen befindet. Im Islam ist es eigentlich üblich, Tote innerhalb von 24 Stunden zu beerdigen. Wegen der kriminaltechnischen Ermittlungen müssen die Familien auf die Freigabe der Leichen jedoch viel länger warten als üblich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind alle 50 Todesopfer Muslime. Der mutmaßliche Täter - ein 28 Jahre alter Rechtsextremist aus Australien - sitzt in Untersuchungshaft.

Zwei Schweigeminuten geplant

Premierministerin Jacinda Ardern bat die Hinterbliebenen um weitere Geduld. „Ich weiß, wie schwierig und frustrierend langsam das aus Sicht der Familien ist“, sagte sie bei einem weiteren Besuch in Christchurch. Bis Mittwochabend (Ortszeit) wurden erst 30 der Toten freigegeben. Noch 29 Verletzte wurden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Unter den acht Menschen, die noch in „kritischem Zustand“ sind, ist auch ein vierjähriges Mädchen.

Eine Woche nach der Tat will Neuseeland am Freitag zwei Schweigeminuten einlegen. Zur Tatzeit soll das ganze Land stillstehen. Ardern kündigte auch an, dass es zu einem späteren Zeitpunkt in Christchurch eine nationale Trauerfeier geben soll. Für die Hinterbliebenen sind inzwischen mehr als fünf Millionen Euro auf einem Spendenkonto eingegangen.

Erdogan verlangt Todesstrafe für den Täter

Unterdessen gibt es infolge des Anschlags auch diplomatischen Streit. Australien bestellte am Mittwoch wegen Bemerkungen von Präsident Erdogan den türkischen Botschafter ein. Der konservative Premierminister Scott Morrison warf Erdogan vor, im Ersten Weltkrieg gefallene australische und neuseeländische Soldaten „hochgradig beleidigt“ zu haben. Morrison weigerte sich auch, eine Entschuldigung anzunehmen. Ardern ging zunächst nicht näher auf die Äußerungen ein.

Erdogan hatte bei einem Auftritt vor den türkischen Kommunalwahlen Ende März den Anschlag als Angriff auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt. Zugleich warnte er, dass Australier mit antimuslimischer Gesinnung das gleiche Schicksal erleiden könnten wie Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich gekämpft hatten. Erdogan verlangte zudem die Todesstrafe für den Täter. Er fügte hinzu. „Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft zieht, werden wir dies tun - auf die eine andere Weise.“

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