Die Atmosphäre im Gesundheitsamt an der Schlossstraße scheint nicht überall gesund und harmonisch zu sein – und es stehen größere Personalrochaden bevor. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am Donnerstag soll das Stuttgarter Gesundheitsamt nach monatelanger Vakanz einen neuen Chef bekommen. Auch andere wichtige Posten stehen zur Neubesetzung an. Manche Beschäftigte klagen, Stellenbesetzungen seien in der Vergangenheit fragwürdig abgelaufen.

Stuttgart - Gut drei Monate ist es her, dass sich Hans-Otto Tropp, der bisherige Leiter des Gesundheitsamts, in den Ruhestand verabschiedet hat. Für manchen der 171 Mitarbeiter kam das zu diesem Zeitpunkt durchaus überraschend. Seither war die Stelle unbesetzt. Doch jetzt soll es eine neue Amtsleitung geben. An diesem Donnerstag steht die Wahl des künftigen Chefs im Gemeinderat auf der Tagesordnung.

Die dürfte jedoch relativ eindeutig sein. Denn es gibt nur einen Bewerber. Einzig verbliebener Kandidat ist Stefan Ehehalt, bisher Abteilungsleiter Kinder-, Jugend- und Zahngesundheit sowie Gesundheitsförderung und soziale Dienste. „Ursprünglich hatte es fünf Bewerber gegeben, davon haben aber nur zwei die formalen Voraussetzungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst erfüllt“, sagt der zuständige Bürgermeister Werner Wölfle. Letztendlich habe man sich entschieden, nur Ehehalt dem Gemeinderat zur Wahl vorzuschlagen.

Bei dieser wichtigen Neubesetzung wird es aber nicht bleiben. Denn auch Martin Priwitzer, der bisherige Stellvertreter des Amtschefs und Abteilungsleiter Gesundheitsschutz, wird die Stadt Stuttgart demnächst verlassen. Damit sind neben dem Amtsleiter dessen Stellvertreterfunktion und zwei Abteilungsleiterstellen neu zu besetzen. Dieses Stühlerücken wird sich, je nachdem, wer nachfolgt, nach unten fortsetzen. Ein großer Umbruch im Amt.

Neubesetzungen werfen Fragen auf

Den sehen manche Mitarbeiter mit Sorge. „Es bleibt nur zu hoffen, dass das alles korrekt abläuft“, sagt einer, der nicht namentlich genannt werden will. In der Vergangenheit sei im Amt „manches aus dem Ruder gelaufen“. Das betreffe besonders die Neubesetzungen von Stellen. „Es kommt immer wieder vor, dass Stellen nicht einmal intern ausgeschrieben, sondern willkürlich besetzt werden.“ Deshalb gebe es einige Unzufriedenheit im Amt.

Mit dieser Kritik steht der Mitarbeiter nicht allein. Mehrere weitere Beschäftigte äußern sich in eine ähnliche Richtung. Einer spricht offen von „Vetterleswirtschaft“. Es habe mehrere Fälle gegeben, in denen Verwandte oder Bekannte von Führungskräften aus dem Amt eingestellt worden seien. „Ob das in jedem einzelnen Fall korrekt abgelaufen ist, weiß ich nicht“, so der Mitarbeiter, „aber das hat auf jeden Fall ein Gschmäckle. So denken hier einige.“

Bürgermeister Wölfle weist das zurück. „Bei uns werden Stellen ausgeschrieben, mindestens im Amtsblatt. Das läuft über das Haupt- und Personalamt.“ Diese Vorgabe gelte für die gesamte Verwaltung. Ausnahmen davon gebe es nur in ganz bestimmten Fällen. Wiedereinsteiger zum Beispiel hätten Vorrang, auch bei Stellenaufstockungen oder sinnvollen Wechseln von Aufgabengebieten könne in Einzelfällen anders verfahren werden. Allerdings immer in Rücksprache mit dem Personalrat. Der habe bisher nur wenige Vorgänge bemängelt – zum Beispiel, wenn eine Stelle nur im zuständigen Sachgebiet ausgeschrieben gewesen sei.

Wölfle: Unabhängige Entscheidungen

Auch zum Vorwurf der Vetterleswirtschaft nimmt Wölfle Stellung. Es habe tatsächlich Fälle gegeben, in denen Leute eingestellt worden seien, die anderen im Amt persönlich bekannt sind. Dann aber seien diese nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen, sondern unabhängige Kollegen. Derzeit, so Wölfle, liefen noch vier Stellenbesetzungsverfahren.

Der Personalrat des Gesundheitsamts äußert sich zurückhaltend. Grundsätzlich unterliege man der Schweigepflicht, so die Vorsitzende Christina Pittelkow-Abele. Aber: „Die Stellenbesetzungsverfahren, an denen der örtliche Personalrat des Gesundheitsamts ordnungsgemäß beteiligt war, sind korrekt abgelaufen.“ Es bestehe „ein hohes Interesse an einwandfreien und transparenten Verfahren“. Auch beim Gesamtpersonalrat der Stadt hat man „keine Kenntnisse“ etwaiger ungewöhnlicher Vorkommnisse.

Bürgermeister Wölfle hofft, dass nach der Amtsleiterwahl rasch Ruhe einkehrt im Gesundheitsamt. Den Kandidaten Ehehalt schätzt er als einen „den Mitarbeitern zugewandten, umgänglichen, aber auch fordernden Mann“ ein. Das muss im Zweifel auch nicht jedem im Amt gefallen. Sicher scheint jedenfalls: An Arbeit dürfte es dem designierten neuen Chef nicht fehlen.

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