Die Wissenschaftlerin Sabine Daxberger war selbst lange in der Pflege tätig. Foto:  

Die Pflegewissenschaftlerin Sabine Daxberger hat sich bei einem Vortrag im Roter Gemeindehaus differenziert dem Thema „Können Roboter pflegen?” gewidmet.

Rot - Roboter, die pflegen – diese Vision verfolgen derzeit viele Entwickler. Für viele steht diese Vorstellung jedoch für eine kalte und bis zur Entmenschung optimierte Patientenversorgung. Die Krankenpflegevereine Rot, Stammheim, Zazenhausen und Zuffenhausen, die sich seit mehr als 100 Jahren für eine bessere pflegerische Versorgung einsetzen, haben deshalb jüngst nachgefragt: „Können Roboter pflegen?“ Eigens aus Koblenz angereist war dazu die österreichische Pflegewissenschaftlerin Sabine Daxberger, die selbst lange in der Pflege tätig war und in ihrem Vortrag hervorragend die unterschiedlichen Seiten der Medaille vermitteln konnte. Zunächst erläuterte sie die Probleme in der Pflege, die man keineswegs auf einige Schlagworte und gebetsmühlenartig vorgebrachte Lösungsansätze herunterkochen dürfe. Eine Neuaufstellung der Ausbildung, ausländische Fachkräfte und das Heranziehen von ehrenamtlichen Helfern sei stellenweise zu kurz gedacht. So habe sie größten Respekt für das bürgerschaftliche Engagement – es dürfe aber auf keinen Fall dazu führen, dass sich der Staat so aus seiner Verantwortung verabschiede.

Können Roboter pflegen?

Ebenso komplex ist die Antwort, ob Roboter pflegen können: Die Chance, dass man einmal durch einen Roboter in Menschengestalt gepflegt werde, sei relativ gering, auch wenn Fachmessen hier anderes suggerierten. Die Entwicklung solcher Roboter sei extrem teuer und auch noch nicht weit genug gediehen. Wobei man sich fragen müsse, warum die entwickelnden Firmen bereit seien, so viel Geld zu investieren: „Die müssen sich da schon einen Markt ausrechnen“, sagte sie.

Realitätsnaher seien computergestützte Gerätschaften, die Pflege oder Therapie erleichtern. Daxberger führte als Beispiel sich selbst bestückende Pflegewagen an. Oder die sogenannten Exo-Skelette, die schon jetzt bewegungseingeschränkte Patienten mobilisieren, und das oft exakter und gründlicher, als es menschlichen Helfern möglich ist. Wer schon einmal wegen der dünnen Personaldecke in den Krankenhäusern vergeblich auf eine dringend notwendige Physiotherapie gewartet hat, konnte hier durchaus einen Nutzen erkennen. Kritischer sieht Daxberger Versuche wie mit einer plüschigen Roboter-Robbe, zu der nicht nur Demenzkranke eine echte emotionale Beziehung aufbauten.

High-Tech in der Pflege

Auf Nachfrage, ob sie sich selbst von einem Roboter pflegen oder therapieren lassen würde, zog sie hier auch die rote Linie: Sich von einem Roboter Wasser bringen lassen, wenn man bewegungsunfähig ist und nicht um jede Hilfestellung bitten möchte? Ja. Ein klares Nein aber, wenn etwa Demenzkranke nicht kognitiv zwischen menschlicher und maschineller Hilfe unterscheiden können.

Und es gibt Risiken: Je mehr High-Tech in der Pflege zum Einsatz kommt, umso größer sei die Gefahr, dass so Patienten-Informationen gesammelt werden. Ein Besucher fragte in der anschließenden Diskussionsrunde beunruhigt nach, ob dann nicht irgendwann Maschinen darüber entscheiden könnten, ob und wann es sich nicht mehr lohnt, einen Kranken weiter zu pflegen. Eine Sorge, die Daxberger durchaus teilt. Allerdings hält sie dies wegen der Naziverbrechen im Dritten Reich in Deutschland für unwahrscheinlich. „Da müssten schon sehr hohe moralische Standards fallen; in manchen anderen Länder halte ich die Gefahr aber für gegeben.“

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