Demnächst sollen die ersten Schüler wieder in der Schule unterrichtet werden. Das stellt Schulen und Kommunen vor organisatorische Herausforderungen, besonders wenn es um den Personaleinsatz geht.
Stuttgart - Wann immer die Schule beginnt, die hygienischen Voraussetzungen sollen möglichst optimal sein, versichern Schulleiter und Gemeinden. „Die Schulträger sind da sehr sensibel“, lobt etwa Werner Weber, Leiter einer Gemeinschaftsschule in Heidenheim (Ostalbkreis). „Schulleiter und Schulträger spielen alle Szenarien in enger Kooperation durch“, erzählt er. Natürlich sollen Papierhandtücher und Seifenspender in den Klassenzimmern bereit stehen, in den Toiletten ohnehin.
Weber sieht die Sache pragmatisch. Feste Seifenspender, die an der Wand verankert werden, seien in diesen Tagen schwer zu bekommen. Seiner Meinung nach sind auch handelsübliche Seifenspender möglich. Ebenso überzogen findet er die Forderung, dass überall warmes Wasser vorhanden sein müsse. Das sei natürlich nicht zu leisten, sagt Weber und verweist auf die Experten: „Die Virologen sagen uns, es kommt beim Händewaschen nicht auf die Temperatur an.“ Allerdings müssen jetzt Desinfektionsmittel beschafft werden. „Was wir in der Schule hatten, haben wir zu Ferienbeginn an das Krankenhaus gegeben.“
Mundschutz fehlt noch
Eine logistische Herausforderung sieht Weber jedoch vor allem in der Beschaffung von Mundschutz. Es sei klar, wenn im Supermarkt und im öffentlichen Nahverkehr das Tragen von Masken erwartet werde, „dann auch im Unterricht“. Masken zu beschaffen, könne man nicht der Schule aufbürden. „Wir können nicht erst einmal zwei Stunden Hauswirtschaftsunterricht machen und Mundschutz nähen“, scherzt der Schulleiter. Da seien die Kommunen als Schulträger gefragt.
Keine Bedenken hat Weber bei den Putzdiensten. Er ist davon überzeugt, „der Schulträger will sich keine Versäumnisse nachsagen lassen.“ Die Reinigungsfirmen stehen schon Gewehr bei Fuß, berichtet der Schulleiter. Toiletten würden zweimal pro Tag geputzt, die Türklinken desinfiziert.
Reichen die Schulbusse?
Große Kopfzerbrechen macht den Schulleitern der Schülertransport. Schüler unterschiedlicher Schulen fahren im selben Bus. Werden deutlich mehr Busse eingesetzt, damit die Abstandsregeln eingehalten werden? Das sei noch vollkommen offen. Der zuständige Landkreistag will es nicht an zusätzlichen Bussen fehlen lassen, versichert Nathalie Münz, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin. Allerdings könnten Busfahrer knapp werden. Allein deshalb sei es unbedingt nötig, dass es eine Woche Vorlauf für die Organisation gebe. Das sieht auch Schulleiter Weber so, und dafür lobt er Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ausdrücklich. Erst wenn klar sei, welche Jahrgänge anfangen sollen, könnte organisiert werden, wie viele Gruppen gebildet und wie viele Klassenzimmer genutzt werden müssen. Auch der Schulleiter steht vor Personalrochaden.
Lehrer die 60 Jahre und älter sind, dürfen als Risikogruppe nicht vor der Klasse stehen, Schwangere sowieso nicht und wer Vorerkrankungen hat, auch nicht. „Ich weiß ja gar nicht, was die Kollegen für Vorerkrankungen haben“, sagt der Schulleiter. Aber er schätzt, dass in seiner Sekundarstufe zwei Drittel der Lehrkräfte zur Verfügung stehen, an der angeschlossenen Grundschule bleiben von zehn Lehrern wohl die Hälfte übrig.
Schulleiter wollen mit Prüfungsjahrgängen beginnen
Weber und seine Schulleiterkollegen halten nichts davon, mit der Grundschule zu beginnen, wie es die Forschergruppe der Leopoldina empfiehlt. Die Schulleiter sprechen sich dafür aus, dass die Prüfungsjahrgänge den Auftakt machen. Weber hält es gar für „kompletten Blödsinn, mit den Kleinsten anzufangen“. Die Grundschüler sind impulsiv und nicht immer leicht auf Abstand zu halten, weiß der Lehrer. „Die Prüfungsjahrgänge wären am praktikabelsten“. Das wäre eine überschaubare Anzahl von Schülern, da könnten die Abstandsregeln gewahrt werden und sinnvoll sei es auch, die Schüler zu unterrichten, die in einigen Wochen ihre Prüfungen ablegen müssten.
Die großen Städte, die im Städtetag zusammengeschlossen sind, haben ihren Fokus ebenfalls auf den Abschlussklassen, wie Städtetagsdezernent Norbert Brugger betont. Dann müsse man bedenken, dass bei den Grundschulen Notbetreuung weiterhin parallel zum Unterricht angeboten werden müsse. „Das engt die Möglichkeiten für regulären Unterricht zusätzlich ein“, mahnt Brugger. Denn: „ Unbedingt vermieden werden sollte, einen einmal erreichten Stand revidieren zu müssen, weil zu schnell zu viel reaktiviert worden ist.“