Sänger Matthias Rohde erzählt Geschichten aus dem Leben. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Diese Band holt alle ab: Von wegen Lisbeth sind frech, sympathisch, unverbraucht und originell. Im LKA haben sie gezeigt, wie man Twentysomethings zum Hüpfen bringt.

Stuttgart - Von wegen Lisbeth sind die neue Lieblingsband aller noch oder gerade schon nicht mehr Studierenden, und sie sind es zurecht: Sie sind frech, sympathisch, unverbraucht und originell. An zwei Abenden in Folge haben die fünf Jungs aus Berlin das mit jeweils 1500 Besuchern randvolle LKA bespielt.

Ein wenig stiefmütterlich nimmt das Publikum am Donnerstag die Vorgruppe, das Elektro-Pop-Trio Say Yes Dog auf. Minutenlang hängt danach die Melodie eines Glockenspiels im Saal, ehe der blau schillernde Vorhang fällt und die Party mit Von wegen Lisbeth, mit Julian Hölting, Matthias Rohde, Robert Tischer, Dominik „Doz“ Zschäbitz und Julian Zschäbitz also, beginnt. Rohde, ein Sänger mit leicht rauer Stimme, erzählt Geschichten aus dem Leben, sie handeln von Liebesglück und Trennungsnot, vom „Lieferandomann“ und vom Discounter.

Mit Songs wie „Kneipe“ oder „Alexa, gib mir mein Geld zurück“ hat er seiner Generation ganz lockere Hymnen auf den Leib geschrieben – er singt: „Warum macht Ihr Mayonnaise in den Döner? Warum ist die AfD immer noch da / obwohl ich heut beim Yoga war? Mach‘ ich noch ein Praktikum?“ Fragen über Fragen!

Hüpfende Twentysomethings

Freilich geht es nicht nur um den Text, den alle mitsingen wollen. Von wegen Lisbeth sind flott und funky. In 60 Minuten spielen sie 15 ihrer Songs, ohne durchzuhängen; 21 Songs insgesamt, dazu noch eine gute Zugabe. Jeder Song hat eine scharfe Hookline, immer wieder kommt die instrumentale Minute, in der die Musiker mit Tempo grooven und sichtlich Spaß haben. Das gut verzahnte Zusammenspiel von Bass, Schlagzeug, Rhythmusgitarre ist noch im letzten Winkel tanzbar präsent, wird genutzt von ausgelassenen Twentysomethings, die euphorisch hüpfen und sich im Kreise drehen.

Auf dem rhythmischen Gerüst sitzen die clever kalkulierten Soundeffekte, das Keyboard, die Triangel, das Glockenspiel, die verschiedenen Kleinpercussioninstrumente, fast wie daheim im Klassenzimmer. Dazu passen die kindlich bunten Accessoires, die Shirts, Servietten, Postkarten am Merchandising-Stand, selbstverständlich fair gehandelt. Wenn sich dann noch der Synthesizer mit altmodischem Quietschen in die Höhe schraubt, ist klar: hier feiern die Enkel der Neuen Deutschen Welle. Wer das so clever anstellt, kann es sich sogar erlauben, einen Song von Lena Meyer-Landrut zu covern.

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