Die historische Premiere für den TSV Flacht im Profi-Sport steht bevor: Vor dem Spiel der Binder Blaubären in der Zweiten Liga Pro am Samstag gegen Bayer Leverkusen haben viele Helfer endlose Stunden gearbeitet.
Handwerk hat goldenen Boden, so heißt es. Seit ein paar Wochen wissen einige Mitglieder des TSV Flacht: Volleyball ebenfalls. Der Untergrund, auf dem die Frauen an diesem Samstag (19 Uhr) in der Heckengäuhalle II zum Saisonstart in der Zweiten Liga Pro gegen Bayer Leverkusen aufschlagen, kostet neu an die 40 000 Euro. Die Binder Blaubären Flacht haben sich für ihre Premiere auf dem Profi-Parkett einen gebrauchten Boden für immerhin knapp 30 000 Euro besorgt. „Auf dem ist etwa zehnmal gespielt worden“, sagt Manager Michael Kaiser. Ohne Boden geht’s nicht, der Emporkömmling, der sich vergangene Saison noch in der Bezirksliga tummelte, musste für das Heimdebüt aber noch allerhand mehr erledigen. Werbebanner und Hallenheft produzieren, Brandschutz und Zuschauervorgaben mit der Feuerwehr besprechen, VIP-Bereich und Streaming-Technik einrichten, Merchandising-Produkte besorgen, Verkaufsstand organisieren und und und. „Das funktioniert nur“, betont Kaiser, „wenn man Leute um sich hat, auf die man sich verlassen kann.“
Michael Richter ist so einer, auf den sich die Volleyball-Abteilung zu 100 Prozent verlassen kann; einer der sich selbst als „Verrückter im positiven Sinn“ beschreibt. Der 44-Jährige trägt den Titel Heimspiel-Koordinator und als solcher für alles die Verantwortung, damit die Partie gegen Leverkusen (sowie alle folgenden) ohne Havarie über die Bühne geht – er koordiniert die 45 Ehrenamtlichen, die wie ein Uhrwerk sämtliche Aufgaben rund ums Spiel erledigen wie eine Flachter Swatch. Was nicht selbstverständlich ist in Tagen, in der viele Vereine fieberhaft nach freiwilligen Helfern fahnden wie die Kripo nach flüchtigen Bankräubern.
„Wir haben uns gegenseitig angesteckt“, erzählt Michael Richter, „da steigt einer ein, holt den nächsten ins Boot und der bringt wieder einen mit.“ Die Flachter fühlen sich wie Pioniere, die einst den Wilden Westen eroberten – sie wagen sich in der Liga auf unbekanntes Terrain, und alle bringen das Beste ein, was sie zu bieten haben. Der Orga-Chef aus Weissach ist mehr der Planer im Hintergrund, weniger der Mann, der lautstark in Erscheinung tritt, als „Hallensprecher wäre ich ganz und gar nicht geeignet“, sagt er, weshalb diese Aufgabe ein aufgeweckter Bursche namens Lemmi-Demmi übernimmt.
Wie viele Stunden der Familienvater eingebracht hat, dessen kleine Tochter beim TSV Volleyball spielt, hat er nicht addiert, es dürften, so schätzt er, einige 100 gewesen sein. Sitzungen, Absprachen, Proben. Je näher das Match gegen Leverkusen rückte, umso intensiver waren die Aktionen – das erstmalige Verlegen des Bodens vor der Generalprobe gegen Nawaro Straubing vor einer Woche beschäftigte Michael Richter und seine Mannschaft bis nachts um 2.30 Uhr. „Wir alle wollen, dass es klappt“, sagt er, „das schweißt uns zusammen und treibt uns an.“
Die freiwilligen Helfer sind hoch motiviert
Auch Sedef Tüfekci ist eine Pionierin, sie hat ein Studium zur Wirtschaftsingenieurin plus Medienwesen hinter sich und keinerlei Bezug zum Volleyball – außer dass sie in ihrer Jugend ein wenig gepritscht hat. Doch auch die 23-Jährige wurde angefixt und landete in Flacht. „Ich wollte Studieninhalte auffrischen und anwenden“, erzählt die 23-Jährige, „und suchte eine Herausforderung.“ Da ergab es sich, dass sie von ihrem Kollegen Nico Reinecke angesprochen wurde, der neben seinem Job beim Autobauer in Sindelfingen als Trainer der Volleyballerinnen aus der Zweiten Liga Pro arbeitet – so passten zwei Puzzleteile perfekt. Sedef Tüfekci zeichnet verantwortlich für sämtliche gestalterischen Elemente, von Preislisten über Werbebanner und das Hellenheft bis zu den Bodenaufklebern – ein wenig stolz ist die junge Frau schon, dass sie sich so bei den Binder Blaubären verewigt. Einen Vorteil gegenüber Michael Richter genießt Sedef Tüfekci: Ihre künstlerische Arbeit kann sie größtenteils nach Feierabend von daheim am Laptop erledigen, sie muss dazu nicht von Sindelfingen eine halbe Stunde nach Flacht fahren.
Maximal 430 Zuschauer sind zugelassen
Nico Reinecke bleibt diese Strecke nicht erspart. Der Cheftrainer hat sich und sein Team bestmöglich auf die sportliche Herausforderung vorbereitet – und ist nach dem Videostudium der Partie von Bayer Leverkusen gegen die Stralsunder Wildcats (2:3) überzeugt: „Die kochen auch nur mit Wasser, da müssen wir uns am Samstag nicht verstecken.“ Dabei hofft er auf euphorische Fans in der Halle, wo die Feuerwehr maximal 430 Zuschauer zugelassen hat. „Wir sind gespannt, wie viele Leute kommen“, sagt Manager Michael Kaiser. Jetzt müssen nur noch die Spielerinnen der Binder Blaubären auf dem goldenen Hallenboden mit einem Erfolg über Leverkusen die unermüdliche Arbeit der Orga-Mannschaft veredeln. Dann ist der Treck der Flachter Pioniere in der Zweiten Liga Pro endgültig angekommen.