Verrammelt und zugenagelt: Die Villa Berg im Stuttgarter Osten steht bereits seit 2004 leer. Foto: Leif Piechowski

Die Stadt Stuttgart kauft die Villa Berg und rettet sie damit vor dem sicheren Verfall. Der Einigung mit dem Düsseldorfer Investor PDI waren zähe Verhandlungen vorausgegangen.

Stuttgart - Die Villa Berg kommt in städtische Hände. Der Düsseldorfer Investor PDI Property Development Investors GmbH und die Landeshauptstadt haben sich nach zähen Verhandlungen offenbar auf eine Übernahme durch die Stadt geeinigt. PDI-Chef Mathias Düsterdick hatte geplant gehabt, die Villa zu sanieren und kulturell zu nutzen. Weil das nicht rentabel gewesen wäre hatte er von der Stadt gefordert, im Park der Villa Wohnungen bauen zu dürfen.

Siehe auch: Villa Berg - Olgas Rückzugsort soll gerettet werden

Düsterdick verfolgte damit ganz ähnliche Pläne wie der Stuttgarter Investor Rudi Häussler, der allerdings vor Jahren Insolvenz anmelden musste. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt in diese Zusammenhang nach wie vor. Häusslers Einsatz – er erwarb die Villa vom SWR – gilt im Nachhinein als einer von mehreren Sargnägeln sein Immobilien-Imperium.

Der Gemeinderat hatte sich früh gegen den Wohnungsbau an Stelle der vom SWR in den Park gesetzten Studios ausgesprochen. Wenn deren Nutzung endet sollte der Park den Bewohnern des Stuttgarter Ostens zurückgegeben werden. Bei dieser Beschlusslage war klar, dass ein privater Investor Kauf und Sanierung der maroden, unter Denkmalschutz stehenden Villa kaum würde stemmen können.

Das Gemäuer bröckelt

In die historischen Mauern der Villa hatte der Süddeutsche Rundfunk seinen Sendesaal einbauen lassen. Auch der genießt Denkmalschutz, was die Nutzung des Kleinods noch mehr erschwert. Kuhn (Grüne) und Föll (CDU) wollen dazu am Dienstag bei ihrer Pressekonferenz einen Ausblick geben. Klar ist, dass dem bröckelnden Gemäuer schnell geholfen werden muss. Düsterdick, der früher beim Stuttgarter Investor Bülow arbeitete, hatte die Anlage nur notdürftig gesichert und zuletzt Bauzäune, die ungebetenen Zutritt verhindern sollten, aufstellen lassen. In die Sanierung allerdings floss augenscheinlich bisher kein Cent.

Mit dem Kauf vergrößern sich die Aufgaben der Stadt. Der Kulturetat wird in den nächsten Jahren bereits mit der Sanierung der Wagenhallen (30 Millionen Euro) im Norden und der nach einer ersten Hochrechnung auf 350 Millionen Euro geschätzten Sanierung des Opernhauses belastet werden. Die Stadt zahlt dabei die Hälfte. Nun kommt die Villa Berg als weiterer teurer Sanierungsfall hinzu. Angesichts der Bauschäden in dem seit 2004 leer stehenden Haus besteht dringender Handlungsbedarf. Ein zweistelliger Millionenbetrag ist da schnell erreicht. Im kommenden Doppelhaushalt 2016/2017 muss die Stadt Vorsorge treffen, der Kauf könnte im Nachtragshaushalt für 2015, mit dem sich der Gemeinderat im Juli befassen soll, abgewickelt werden.

Karl baute Villa für seine Olga

Die Villa hatte sich der spätere württembergische König Karl von 1845 bis 1853 bauen lassen. 1913 kaufte die Stadt das herrschaftliche Gebäude und öffnete den Park für ihre Bürger. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa stark beschädigt. Beim Wiederaufbau in den 50er Jahren wurde kein Wert mehr auf die originalgetreue Herstellung der Innenräume gelegt. Der Süddeutsche Rundfunk sicherte zwar die Fassade, baute aber seinen Sendesaal und Technikräume ein. Weil auch diese inzwischen unter Denkmalschutz stehen ist die neue Nutzung erschwert.

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