Angeregte Diskussionen: die Mitglieder der Arbeitsgruppen machen sich viele Gedanken über die Villa Berg. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Beim zweiten Workshop im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Erstellung eines Nutzungskonzepts für die Villa Berg ist auch über die Terrassen und Parkflächen diskutiert worden. Die Beteiligten sind mit dem Verfahren sehr zufrieden.

S-Ost -

Ich möchte eine Boule-Bahn!“, wirft eine Dame in die Runde. „Dazu brauchen sie eine ebene Fläche“, überlegt ihr Gegenüber und deutet auf die großformatige Luftaufnahme der Parkanlagen rund um die Villa Berg, die vor ihnen auf dem Boden klebt. „Hier beim Schachspiel wäre es ideal.“ Die Gestaltung der Grünanlagen ist eine von drei Baustellen beim zweiten Workshop zur Erstellung eines Nutzungskonzepts für das Terrain. Rund 90 Teilnehmer haben sich um die Stationen in der Aula der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule geschart. Es gilt, die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zu differenzieren und der Vision einer vielfältig genutzten Bürgervilla näher zu kommen.

Weltküche oder historisches Café

Baubürgermeister Peter Pätzold ist sehr von den dreidimensional gestalteten, begehbaren Grundrissen der Villa angetan. „Das sollte man bei solchen Projekten öfter haben“, raunt er Matthias Bertram vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung zu. Auch hier sind die Workshop-Teilnehmer engagiert bei der Sache: Stockwerk für Stockwerk füllen sie die Räume mit Leben, indem sie Zettel mit Nutzungsvorschlägen anbringen. Schnell ist klar, dass die gastronomischen Angebote in der Rotunde und auf der vorgelagerten Terrasse am besten aufgehoben sind. Ob das Angebot eher in Richtung Weltküche oder historisches Café gehen wird, bleibt noch offen.

An diesem Abend geht um eine erste Sondierung des Möglichen. Dazu gehört auch die Abschätzung der angemessenen Bühnengröße für den großen Saal. Bis zu 300 Besucher sollen sich dort an bestuhlten Konzerten erfreuen können. Andererseits ist das Ambiente auch für Bälle vorgesehen. „Dafür wäre Tageslicht wünschenswert“, merkt Karl-Christian Hausmann (CDU), Bezirksbeirat im Stuttgarter Osten, an. „Sonst wird das etwas deprimierend.“

Hochzeiten und Babysingen

Hochzeitsfeiern will man in der Villa Berg ebenfalls ermöglichen. In welchem Umfang und welchem Turnus, diskutiert die dritte Arbeitsgruppe, die sich vor einem großen Stundenplan versammelt hat. Das Babysingen ist flugs am Vormittag im Stimmzimmer untergebracht. Der Seniorenchor soll dort ab 18 Uhr proben. Künstlercafé, Eiscafé, Kommunales Kulturcafé – in der Rotunde tobt das Leben. Die Nutzung des Obergeschosses wird im Vergleich fast ein bisschen stiefmütterlich behandelt.

Georg Fiedler, Projektmanager beim Team von Dialog Basis, das den Workshop gestaltet ist mit dem Ergebnis zufrieden. So habe sich „die Mischung aus kommerzieller und nicht kommerzieller Nutzung sehr natürlich ergeben. Auch die übrigen Baustellen können mit Erkenntnissen aufwarten: Im Park haben sich rund um die Villa und die einstigen Fernsehstudios zwei Schwerpunkte für Aktivitäten gebildet. Neben neuen Angeboten stehen die Reaktivierung historischer Elemente wie des Halbmondsees und der Erhalt alter Strukturen, etwa der ursprünglichen Sichtachsen oder der Streuobstwiesen, hoch im Kurs. Bei der Raumnutzung zeichnet sich ab, dass die Kultur der jüngeren Generation eher in der Gartenebene stattfinden wird.

Nicht alle Ideen können verwirklicht werden

Am Ende sind alle zufrieden. Auch Jörg Trüdinger (SPD), Bezirksbeirat und Sprecher der Projektgruppe Villa Berg: „So einen guten Beteiligungsprozess habe ich noch nie erlebt“, betont er und erinnert an Zeiten, in denen ein Wirtschaftsclub im einstigen königlichen Sommersitz etabliert werden sollte. Eine bunte Bürgervilla war damals undenkbar.

Antje Grobe von Dialog Basis, die durch den Abend führt, ist zuversichtlich, dass es nun auch gelingen werde, die Vielfalt an Ideen unter einen Hut zu bringen. Matthias Bertram fällt zum Ausklang die Rolle des Mahners zu. „Irgendwen werden wir im Laufe der Umsetzung enttäuschen müssen“, gibt er zu bedenken. „Wir sind aber bestrebt, möglichst viel umzusetzen.“ Am 7. Dezember soll eine weitere Veranstaltung den Beteiligungsprozess abschließen.

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