Der Defensivspezialist ist beim VfB auf der Position vor der Abwehr gesetzt und weist statistische Topwerte auf. Trainer Sebastian Hoeneß sagt, was er besonders an dem 26-Jährigen schätzt.
Auf den ersten Blick zählt Atakan Karazor nicht zu den auffälligsten Spielern des VfB Stuttgart. Er schießt selten Tore, setzt nicht zu waghalsigen Dribblings an und tut auch sonst keine verrückten Dinge. Und dennoch hat der jüngste Aufschwung mit vier Punkten aus zwei Bundesliga-Partien eine Menge mit den Auftritten des 26-jährigen Defensivspezialisten zu tun, der dem Spiel des VfB vor der Abwehrkette die nötige Stabilität verleiht. Das sieht auch der Stuttgarter Trainer so. „Ata tut uns gut“, sagt Sebastian Hoeneß, „mit der Form, die er gerade auf den Platz bringt, ist er für uns ein wichtiger Spieler.“
Das gegenwärtige Formhoch lässt sich an den Einsatzzeiten deutlich ablesen. Keine Minute hat Karazor in den bisherigen drei Pflichtspielen unter dem neuen Coach verpasst – als einer von nur vier Feldspielern neben Kapitän Wataru Endo sowie Waldemar Anton und Josha Vagnoman. Unter Hoeneß’ Vorgänger Bruno Labbadia war Karazor zwar auch lange in der Startelf gesetzt gewesen, hatte gegen Ende aber zunehmend einen schweren Stand: Im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (0:1) wurde er nach einer Stunde ausgewechselt, bei Union Berlin (0:3) saß er schließlich die komplette Spielzeit auf der Bank.
Kein VfB-Profi lief gegen den BVB so viel wie Karazor
Jetzt bringt Karazor seine Qualitäten wieder ein. Als Abräumer und Stabilitätsanker im defensiven Mittelfeld, der seinem Nebenmann Wataru Endo auch mal die eine oder andere Offensivaktion ohne schlechtes Gewissen erlaubt. „Er hat eine Präsenz und ist jemand, der Dinge regelt auf dem Platz“, sagt Hoeneß über den Deutschtürken, der 2019 von Holstein Kiel nach Stuttgart gewechselt war und dort mittlerweile einer der dienstältesten Profis im Kader ist.
Die jüngsten Zahlen untermauern die Bedeutung der Stuttgarter Nummer 16: Zuletzt gegen Borussia Dortmund gewann Karazor starke 64 Prozent seiner Zweikampfduelle, lief mit 11,8 Kilometern mehr als jeder andere VfB-Profi an diesem Nachmittag und brachte bei einer Quote von 94 Prozent fast jeden Pass an den Mann.
Kein neuer Stand im Verfahren gegen Karazor
Besonders wichtig aus Hoeneß’ Sicht: Karazor zeigt das alles auch in heiklen Momenten, wovon es aus Stuttgarter Sicht ja durchaus einige gab zuletzt. Der Gegentreffer beim VfL Bochum zum 1:1 in einem aufgeheizten Stadion etwa. Oder der 0:2-Pausenrückstand in Unterzahl gegen Borussia Dortmund. Auseinandergefallen ist der VfB in beiden Fällen nicht, dem Trainer zufolge auch dank der Haltung auf dem Platz von Spielern wie Karazor: „Ich fand ihn auch in schwierigen Phasen positiv coachend, mutig, immer wieder die Bälle fordernd.“
Selbst darüber sprechen möchte Karazor nicht. Der Vorwurf der Sexualstraftat im vergangenen Sommer während eines Urlaubs auf Ibiza steht nach wie vor im Raum, einen neuen Stand gibt es nicht: Der Stuttgarter Profi erfüllt die Meldeauflagen der spanischen Behörden und will bis zum Abschluss des laufenden Verfahrens öffentlich schweigen. Auch zu sportlichen Dingen. Auf dem Platz dagegen dürfte er vorerst weiter eine zentrale Rolle einnehmen. Auch an diesem Freitag (20.30 Uhr) im richtungweisenden Auswärtsspiel beim direkten Konkurrenten FC Augsburg.