Stand zuletzt nicht in der VfB-Startelf: Borna Sosa. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Der Linksfuß befindet sich in der ungewohnten Herausforderer-Rolle. Wie schnell könnte sich das ändern? Und wie ist der Stand mit Blick auf einen möglichen Transfer?

Als dienstältester Spieler hat man mitunter auch Termine abseits des Rasens. Wie Borna Sosa beim VfB Stuttgart, der am Dienstag dem Maskottchen Fritzle im Namen der Mannschaft Glückwünsche zu seinem 31. Geburtstag überbrachte. Mit einem Kuchen und einem breiten Grinsen im Gepäck, alles dokumentiert in einem Video in den Vereinsmedien. Es war ein kurzer Kontrastpunkt zum sportlichen Alltag, der für Sosa in den vergangenen fünf Jahren ohne Frage schon einmal unbeschwerter war als in diesen Wochen.

 

Beim Auftaktsieg gegen den VfL Bochum (5:0) kam der Linksverteidiger erst zwölf Minuten vor Ende in die Partie, als bereits alles entschieden war. Warum? VfB-Trainer Sebastian Hoeneß hatte schlicht auf eine andere, eingespielte Anfangsformation gesetzt. Oder, wie es Sportdirektor Fabian Wohlgemuth ausdrückte, auf „die Aufstellung, von der er der Meinung war, dass sie den größtmöglichen Erfolg bringt“.

Kaum Spielpraxis für Sosa in der Vorbereitung

Dass der langjährige Stammspieler Sosa hier nicht dabei war, hat viel mit der Endphase der Vorbereitung zu tun. Die Generalprobe bei Sheffield United (3:0) verpasste der Kroate, weil er seinen Reisepass nicht fand. Eine Woche später im DFB-Pokal gegen die TSG Balingen (4:0) fehlte er gesperrt aufgrund einer Gelb-Roten Karte, die er sich in der vergangenen Saison im Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt abgeholt hatte. Die Folge: Der Kroate konnte überhaupt keine Spielpraxis sammeln direkt vor dem Bundesligastart. „Das ist der einzige Grund“, sagte Hoeneß zu seiner Entscheidung. „Das war auch mit Borna so besprochen.“

Zumindest zum Ligaauftakt ging das Ganze auf. Die Abhängigkeit von Sosas Flanken erwies sich als nicht sehr gravierend, weil Chris Führich auf dem linken Flügel gegen die Bochumer zwei Tore mit präzisen Hereingaben vorbereitete. Auch die Abwehrreihe hat sich fürs Erste gefunden. Mit Hiroki Ito als linkem Außenverteidiger in der Sosa-Rolle, Dan-Axel Zagadou und Waldemar Anton innen – und Pascal Stenzel auf rechts. Der war eigentlich nur als verlässliches Backup vorgesehen, spielte sich aber in den vergangenen Wochen auf einmal in den Fokus. Zwei Torvorlagen gegen Bochum inklusive. „Er hat eine gute Vorbereitung gespielt und es verdient, auch mal genannt zu werden“, sagte Sebastian Hoeneß über Pascal Stenzel.

Das alles klingt zunächst einmal nicht danach, als sei der Weg zurück ins Team ein einfacher für Sosa. Und dennoch könnte in die Stuttgarter Anfangsformation Bewegung kommen. Denn Gradmesser waren die jüngsten Partien im DFB-Pokal und gegen die Bochumer nur bedingt, wie auch Hoeneß vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig an diesem Freitag (20.30 Uhr) betont: „Leipzig wird andere Dinge von uns verlangen. Auch das wird einfließen in die Entscheidung, wer in der ersten Elf steht.“ Vor allem Zagadou und Stenzel könnten mit dem Tempo der Leipziger so ihre Probleme bekommen – und womöglich Sosa ins Team rücken. Als linker Außenverteidiger (mit Ito als Nebenmann im Abwehrzentrum) oder als Schienenspieler in einer Fünferkette, was allerdings eine Umstellung des zuletzt bewährten Systems nach sich ziehen würde. Viele Konjunktive rund um die Personalie Sosa, die noch aus einem anderen Grund eine besondere Note hat.

Sosa ein Kandidat beim FC Sevilla?

Um keinen VfB-Spieler gab es in der Vergangenheit so regelmäßig Wechselgerüchte wie um den kroatischen Linksfuß. Vergangenen Winter wurde das Ganze sogar sehr konkret: Bayer Leverkusen bot zehn Millionen Euro für Sosa (Vertrag bis 2025), der VfB wollte aber mindestens 15 Millionen Euro.

Auch in diesem Sommer ist ein Wechsel noch nicht vom Tisch: Der kroatische Nationalspieler zählt nach wie vor zu den potenziellen Verkaufskandidaten, um Geld in die klammen schwäbischen Kassen zu spülen. Beim FC Sevilla ist Sosa ein Thema, sollte Linksverteidiger Marcos Acuna noch in die Premier League zu Aston Villa wechseln. Zunächst aber steht für Sosa und den VfB die Partie in Leipzig an – die letzte, ehe das Transferfenster schließt.