Hinter Stammkeeper Sven Ulreich stehen die Talente Schlange – der Konkurrenzkampf ist gewollt und soll jedem Einzelnen einen Leistungsschub verleihen. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart versteht sich als Schmiede für junge Torhüter. Das Motto: Man kann nicht genug davon haben, solange sie über genug Qualität und Perspektive verfügen. Die Folge nach den Transfers von Kirschbaum und Müller: Der Konkurrenzkampf ist riesengroß.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart versteht sich als Schmiede für junge Torhüter. Das Motto: Man kann nicht genug davon haben, solange sie über genug Qualität und Perspektive verfügen. Die Folge: Der Konkurrenzkampf ist riesengroß. Hinter Stammkeeper Sven Ulreich stehen die Talente Schlange.

Wenn Kevin Müller in den nächsten Tagen seinen neuen Job beim VfB antritt, dann ist das für ihn kein normaler Umzug. Es ist ein tiefer Einschnitt, ein Umbruch in seinem Leben, das er nun neu ordnen muss. Vor 22 Jahren wurde Müller in Rostock geboren, 1998 schloss er sich dem FC Hansa an, für den er nun 15 Jahre im Tor gestanden hat. Jetzt lässt er Familie, Freunde und die Kollegen hinter sich – für einen Neuanfang. Beim VfB hat der deutsche A-Junioren-Meister von 2010, der ablösefrei kommt, einen Zweijahresvertrag unterschrieben. „Nach der langen Zeit in Rostock ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einmal den eigenen Stall zu verlassen und sich in einem neuen Umfeld anzupassen“, findet er,

Sein Schritt, so viel ist sicher, zeugt von einer Menge Mut. Und von Selbstbewusstsein. Denn der VfB ist keine Kuschelzone, schon gar nicht für junge, aufstrebende Torhüter wie Müller. Die unterzieht der Verein einem knallharten Konkurrenzkampf, von dem beide Seiten profitieren sollen: die Torhüter, indem sie sich gegenseitig antreiben und individuell stetig verbessern – und der VfB, der durch die gewollt hohe Leistungsdichte die Quantität und Qualität seines ­Torwartspiels im Profibereich nachhaltig ­sichern und ausbauen will.

Hinter Ulreich lauert Thorsten Kirschbaum auf seine Chance

Siehe Kevin Müller. Der 1,90 Meter große Keeper, ein Neffe des ehemaligen Hansa-Schlussmannes Martin Pieckenhagen, hat bereits 27 Zweit- und 37 Drittligaspiele absolviert, er war Stammkraft in Rostock, doch beim VfB kann er nicht mal sicher sein, dass er überhaupt spielt. Denn die Konkurrenz ist beträchtlich, nicht nur bei den Profis.

Da ist Sven Ulreich (24), die unangefochtene Nummer eins bei den Profis. Dahinter lauert Thorsten Kirschbaum (26), der zur neuen Saison ablösefrei von Energie Cottbus kommt und Ulreich positiven Druck machen soll. Dann ist da André Weis (23), die bisherige Nummer drei. Er ist auf der Suche nach einem neuen Verein, er tendiert in die zweite Liga – doch wenn sich nichts ergibt, erfüllt er seinen Vertrag beim VfB, der 2014 endet.

In der zweiten Mannschaft rangeln Odisseas Vlachodimos (19), der aus dem eigenen Nachwuchs stammt, und Kevin Müller um die Position des Stammtorhüters – und gleichzeitig um die Nummer drei bei den Profis, falls Weis geht. Zudem rückt Konstantin Fuhry (18), der bisher bei den A-Junioren im Tor steht, in den Drittligakader nach. Und schließlich strebt auch Rastko Suljagic (18), den der VfB vor einem Jahr für 100 000 Euro von Roter Stern Belgrad verpflichtet hat, nach einer Verwendung. Bisher pendelte der Serbe, der noch ein Jahr bei den A-Junioren spielberechtigt ist, ohne feste Zuordnung zwischen dem Profi-, dem Drittliga- und dem U-19-Team.

Sieben Mann – für zwei Positionen. Der VfB im Torhüter-Stau.

Und Müller könnte als Nummer zwei im Drittligakader auf der Ersatzbank landen.

Das schreckt ihn nicht, und das gefällt Fredi Bobic an ihm. „Er soll mit Vlachodimos wetteifern, der Bessere wird dann spielen“, sagt der Sportdirektor. Das sind die Spielregeln, auf die sich jeder Torhüter einlässt, der zum VfB wechselt. Siehe Thorsten Kirschbaum. „Wir wollen Sven Ulreich aufs nächste Niveau führen. In seinem Leistungsbereich macht er nur noch kleine Schritte nach vorn, dafür benötigt er zusätzlichen Anreiz. Kirschbaum soll mithelfen, damit Ulle noch ein paar Prozent mehr aus sich herauskitzeln kann“, sagt Andreas Menger.

Dem Torwarttrainer des VfB eilt in der Branche ein vorzüglicher Ruf voraus, er gilt als kenntnis- und einfallsreicher Förderer junger Keeper. In seinem Bestreben, beim VfB eine Art Elite-Uni für Torhüter aufzubauen, ist Müller jetzt der nächste Baustein. „Wir wollen junge Torhüter, die sich gegenseitig zu besseren Leistungen antreiben“, sagt Menger, „Keller ist ein weiterer junger, talentierter und deutscher Torwart.“

Die Profis starten mit einem Leistungstest am 30. Juni

Und ein ehrgeiziger obendrein. „Der VfB“, sagt der ehemalige U-20-Nationalkeeper, „ist ja bekannt für seine gute Torwartschule, und nun bin ich ein Teil davon. Ich freue mich auf die neue Herausforderung.“ Die beginnt nächsten Montag. Dann nimmt der VfB II das Training nach der kurzen Sommerpause auf – mit Müller.

Kollege Kirschbaum hat ein paar Tage länger Zeit. Die Profis starten mit einem Leistungstest am 30. Juni. Bis dahin will er sich vollends eingerichtet haben. Ein Haus hat Kirschbaum in Waiblingen schon gefunden. „Wenn es losgeht, soll der Umzugsstress vorüber sein“, sagt er. Schließlich hat er Großes vor: „Es ist das Ziel eines jeden ­Fußballers zu spielen. Meines natürlich auch.“

Eine Kampfansage an Sven Ulreich. Für Fredi Bobic und Andreas Menger klingt das wie Musik in ihren Ohren – genau das wollen sie von den wilden sieben hören.

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