Die Autogrammstunde bei Breuninger (hier ein Bild von 2018) ist fest im Rahmenterminkalender des VfB Stuttgart verankert. Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Warum der VfB Stuttgart trotz der prekären Lage vor dem Kellerduell mit Hannover 96 (Sonntag, 15.30 Uhr) in der Vesperkirche Bedürftigen hilft oder bei Breuniger Autogramme schreibt. Und warum der Club einen neuen Hashtag nutzt.

Stuttgart - Die Profis des VfB Stuttgart haben abwechslungsreiche Tage hinter sich. Die zwei freien Tage, die ihnen Trainer Markus Weinzierl nach dem 1:1 bei Werder Bremen gewährte, nutzten einige Spieler zu einem Kurztrip ins Ausland. Am Dienstag stand zwischen zwei Trainingseinheiten der Besuch der Vesperkirche in der Stuttgarter Innenstadt auf dem Programm. Bei der Essens- und Getränkeausgabe für Bedürftige kamen Christian Gentner und Co dem sozialen Auftrag des Clubs aus Cannstatt nach. Am Mittwoch werden bei einer Autogrammstunde bei Breuninger die Bedürfnisse von Sponsoren bedient.

Ganz schön viel Rahmenprogramm angesichts der sportlich prekären Lage, könnte man meinen. Zumal an diesem Sonntag (15.30 Uhr) gegen Hannover 96 ein wegweisendes Duell im Kampf gegen den Abstieg ansteht. Mit Blick auf das muntere Autogrammeschreiben in der Karlspassage warfen einige Fans im Internet vorab schon einmal die Frage auf, ob Zusatzschichten für die VfB-Profis auf dem Trainingsplatz nicht angebrachter wären.

Am Rahmenprogramm führt kein Weg vorbei

Das mag zugespitzt sein oder polemisch und die Aufregung der Fans ob so manch gezeigter Darbietung in dieser Saison sogar ein Stück weit nachvollziehbar. Andererseits folgen die Spieler nur den Regeln des Geschäfts. Zum Alltag einer Bundesligamannschaft gehören nun einmal diverse Sponsoren-, Marketing- und Medientermine. Krise hin oder her.

Das alljährliche Fan-Fest bei Breuninger war weit im Voraus terminiert. Lange bevor die sportliche Brisanz des bevorstehenden Hannover-Spiels absehehbar war. So verhält es sich auch mit anderen Aktivitäten abseits des grünen Rasens. Interviewtermine etwa, oder der Besuch eines Fanclubs.

Der Umgang mit der Krise mag für die Spieler in der aktuellen Situation, die sich trotz des zarten Aufschwungs mit dem Unentschieden in Bremen noch immer prekär darstellt, nicht immer das reinste Vergnügen sein. Auch wenn Kapitän Christian Gentner sagt: „Wir freuen uns immer auf solche Termine. Da darf auch Kritik geäußert werden, das gehört dazu.“

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Am Rahmenprogramm führt eben kein Weg vorbei. „Ganz bewusst wollen wir unabhängig von der sportlichen Situation unserer gesellschaftlichen Verantwortung durch den Besuch in der Vesperkirche gerecht werden. Und auch die Autogrammstunde ist ein bei vielen Fans extrem beliebter Termin, den wir gerne wahrnehmen“, erklärt ein VfB-Sprecher. „Wir wollen auch in schwierigen Zeiten Präsenz zeigen“, sagte Marketing-Vorstand Jochen Röttgermann beim Besuch der Vesperkirche. Der VfB solle ein Club zum Anfassen bleiben. Der VfB-Sprecher ergänzt: „Die Vorbereitung auf das nächste Spiel steht natürlich immer über allen anderen Aktivitäten.“

Aus #Stuttgart geht ab wird #Wir sind Stuttgart

Grundsätzlich sind die Helden in Weiß und Rot dazu angehalten, den Verein abseits des grünen Rasens angemessen zu repräsentieren. Dazu zählt auch, sich in der beginnenden Hochphase des Abstiegskampfes mit Social-Media-Tamtam eher zurückzuhalten. Was die Spieler offenbar auch verinnerlicht haben: Seit Wochen schon ist auf ihren Kanälen weitgehend Schluss mit lustig.

Und der Verein? Über diverse Internetkanäle hält er die Unterhaltungsmaschinerie Fußball-Bundesliga selbst permanent am Laufen. In Zeiten sportlicher Magerkost gibt sich aber auch die Marketingabteilung zurückhaltender als sonst. Die Zeiten spaßiger Hashtags (wie mit #OLÉZUBERVFB bei der Verpflichtung von Steven Zuber im Winter) sind vorbei. Auch geplante Pressetermine wie zur neuen Stadionführung mit 360-Grad-Brille wurden verschoben. Begründung: Die aktuelle sportliche Situation.

Der VfB versucht den schwierigen Spagat zwischen Abstiegsangst und Alltagsbewältigung. Mit Business as Usual einerseits, andererseits mit der gebotenen Zurückhaltung. Die Abkehr von seinem nach dem Aufstieg 2017 kreierten Slogan „Stuttgart geht ab“ will man beim VfB aber nicht als direkte Antwort auf Platz 16 und der Gefahr vor einem neuerlichen Absturz verstanden wissen. Das neue Motto „Wir sind Stuttgart“ passe einfach gut zur aktuellen Situation, weil es die große Verbundenheit zwischen dem Club und den Menschen in der Region zum Ausdruck bringe, heißt es.

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