Mit Abstand der torgefährlichste VfB-Spieler: Serhou Guirassy. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Stuttgarter Stürmer weist im Ligavergleich Spitzenwerte auf. Aber bleibt er auch über den Sommer hinaus beim VfB? Die Lage ist kompliziert – auch aufgrund seines Gehalts.

Was einen guten Stürmer auszeichnet? Vielseitigkeit, Abschlussstärke, Tempo. Vor allem aber auch eine hohe Effizienz – und damit das Wissen für die Verantwortlichen, dass man mit einer bestimmten Toranzahl verlässlich planen kann. Der VfB Stuttgart kann das in dieser Saison, wenn Serhou Guirassy auf dem Feld steht.

 

In 21 Einsätzen gelangen dem Angreifer starke elf Treffer. Eine Quote von 0,52 Toren pro Spiel, die in der Bundesliga nicht viele Spieler übertreffen. Genau genommen nur drei. Werder Bremens Niclas Füllkrug (0,59), Christopher Nkunku von RB Leipzig (0,58) und Eric Maxim Choupo-Moting vom FC Bayern (0,56).

Guirassy verpasste in dieser Saison mehrere Spiele

Und: Guirassy könnte noch in ganz anderen Sphären unterwegs sein und Füllkrug (16 Tore) die Torjägerkanone streitig machen, wenn er denn alle Spiele absolviert hätte. Hat er aber nicht. Die ersten vier Partien verpasste der Franzose, weil er erst Anfang September als Last-Minute-Ersatz für Sasa Kalajdzic zum Team gestoßen war. Sechs weitere Spiele musste Guirassy im Februar und März wegen eines Sehneneinrisses aussetzen. Die Stuttgarter Offensive lahmte während seiner Abwesenheit merklich, nur ein Sieg gelang in dieser Phase beim 3:0 gegen den 1. FC Köln.

Jetzt in Guirassy zurück. Und treffsicherer denn je. In jedem der vergangenen vier Bundesliga-Spiele netzte er ein, mit einer großen Bandbreite obendrein. Mit dem Fuß, per Kopf, vom Elfmeterpunkt. Da lässt es sich verschmerzen, dass der 27-Jährige derzeit mit dem Rücken zum Tor nicht mehr ganz so viele Bälle behauptet wie in der Hinrunde noch.

Dass der VfB seine offensive Lebensversicherung über den Sommer hinaus liebend gerne in Bad Cannstatt halten würde, liegt auf der Hand. Wie aber stehen die Chancen? Auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Nach dieser Saison endet das Leihgeschäft mit Stade Rennes, die Stuttgarter verfügen über eine Kaufoption in Höhe von rund neun Millionen Euro. Im Abstiegsfall wäre die zwar nicht zu stemmen, als Erstligist dagegen schon. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. „Unabhängig von der vorliegenden Kaufoption benötigen wir letztlich auch seine Zustimmung“ hatte der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zuletzt unserer Redaktion gesagt.

Bei einem Angebot aus England wäre Guirassy kaum zu halten

Und hier dürften die Gespräche intensiv werden. Da bei Guirassys Verpflichtung im September aufgrund der Kurzfristigkeit kein Anschlussvertrag fixiert wurde, würden die Verhandlungen bei null starten. Und Guirassy hat in den vergangenen Monaten seinen Wert für den VfB so nachdrücklich unter Beweis gestellt, dass das auch bei Gehaltsfragen seine Position stärkt. Schon jetzt ist er einer der Topverdiener im Kader mit einem Jahressalär, das nach Informationen unserer Redaktion in einem Bereich zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro liegt.

Zudem dürften Interessenten aus dem In- und Ausland in der anstehenden Transferperiode in Stuttgart vorstellig werden. Auf einen Verbleib festgelegt hat sich Guirassy wenig überraschend nicht – und vor allem mit einem Angebot aus der zahlungskräftigen englischen Premier League könnte der VfB nicht im Ansatz mithalten. Guirassy wäre kaum zu halten.

Der Blick zu anderen Vereinen zeigt: Ohne Stürmertore wird es schwierig

Andererseits: Bei einem Abgang müsste man wiederum Geld für einen Ersatz in die Hand nehmen. Denn dass die Ziele ohne einen treffsicheren Mittelstürmer in Gefahr geraten, haben längst auch andere Vereine ohne Abstiegssorgen schmerzlich erfahren. Der FC Bayern etwa, der den Abgang von Robert Lewandowski im vergangenen Sommer bislang nie so richtig auffangen konnte.

Trainer Daniel Farke von Borussia Mönchengladbach hatte sich im April vor dem Duell mit dem VfB in der Stürmerfrage sogar festgelegt: „Wenn man eine gute Bundesliga-Saison spielen will, braucht man meiner Meinung nach mindestens 30 Stürmertore – das allerdings nicht zwingend von einem einzelnen Spieler.“

Wer für den VfB künftig die nötigen Tore schießen soll, ist noch völlig offen. Ein Sieg gegen die TSG Hoffenheim an diesem Samstag (15.30/Liveticker) und der damit verbundene Klassenverbleib würde jedenfalls die Chancen intakt halten, dass der Stuttgarter Mittelstürmer auch in der neuen Saison noch Serhou Guirassy heißt.