Silas Katompa konnte zuletzt zweimal in Folge nicht überzeugen. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Serhou Guirassy fehlt dem VfB seit Wochen verletzt – und seine Vertreter überzeugen einfach nicht. Welche Alternativen bleiben noch für die Position ganz vorne?

Wer so selten gewinnt wie der VfB Stuttgart zuletzt, hat naturgemäß eine Menge Baustellen. Eine der größten wird dabei allmählich zu einem Dauerthema, das den Club nun schon wochenlang beschäftigt. Genau genommen seit dem 5. Februar. Damals stoppte ein Sehnenriss den Mittelstürmer Serhou Guirassy, dessen Präsenz und Treffsicherheit (sechs Tore in 13 Spielen) sie in Bad Cannstatt seitdem schmerzlich vermissen. Im Stuttgarter Sturmzentrum herrscht die große Leere. Bis heute.

 

Selbstredend wünscht sich der Trainer ein baldiges Comeback von Guirassy. „Es ist nicht einfach“, sagt Bruno Labbadia, „einen Mittelstürmer dieser Klasse zu ersetzen.“ Vorerst aber muss er weiter ohne seine Nummer neun planen. In den kommenden beiden Spielen rechne er nicht mit einer Rückkehr, so der VfB-Coach. Was die Dringlichkeit der Stürmersuche vor der Partie bei Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr) nochmals erhöht.

Luca Pfeiffer überzeugt bislang nicht als Guirassy-Ersatz

Eigentlich gäbe es ja in Person von Luca Pfeiffer einen logischen Ersatzmann. Der groß gewachsene Stürmer hatte in der Vorsaison beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 mit 17 Toren seine Treffsicherheit auch schon nachdrücklich unter Beweis gestellt – fand aber in seinen beiden Einsätzen nach dem Guirassy-Ausfall kaum Bindung zum Stuttgarter Spiel. Nicht gegen Werder Bremen, auch nicht eine Woche später beim SC Freiburg.

Labbadia reagierte – und zog Silas Katompa vom Flügel ins Sturmzentrum. Was gegen den 1. FC Köln (3:0) trotz ohne eigenen Torerfolg noch ganz gut funktionierte, erwies sich danach zunehmend als unglückliche Besetzung. Der Kongolese fremdelte merklich mit seiner Position, hing in der Luft, hatte wenige Aktionen. Vor allem war er selten in der Lage, mit dem Rücken zum gegnerischen Tor einen Ball zu behaupten und seinem Team so Ballbesitz in des Gegners Hälfte zu verschaffen.

Deutliche Kritik von Labbadia an Silas Katompa

„Ich hätte mir gewünscht“, sagte der Stuttgarter Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zuletzt nach dem 1:2 gegen den FC Bayern, „dass vorne der eine oder andere Ball mehr gesichert wird.“ Auch Labbadia sieht noch reichlich Luft nach oben: Sein Tempo bringe Silas derzeit einfach nicht so auf den Platz, wie er es schon getan habe. „Es ist für uns ein Problem, dass da zu wenig kommt.“

Die Frage aber ist: Wer könnte stattdessen in Frankfurt im Sturmzentrum auflaufen? Womöglich ein anderer Flügelstürmer? Tiago Tomas oder Juan Perea sind Kandidaten, beide haben die Rolle in der Vergangenheit schon ausgefüllt. Perea setzte dabei mit seinem Kopfballtreffer gegen die Bayern sogar ein deutliches Ausrufezeichen. Eigentlich aber schätzt ihn Labbadia gerade für diese Fähigkeit, während des Spiels nochmals für frischen Wind zu sorgen. „Juan war bisher als Joker sehr gut und kann mit seiner Wildheit etwas reinbringen“, sagt der VfB-Trainer. Gut möglich also, dass Perea erneut von der Bank für Impulse sorgen soll. Ein Einsatz von Beginn an im Sturmzentrum scheint dagegen eher fraglich.

Thomas Kastanaras war im Januar nah dran an der ersten Elf

Nun gibt es im Kader ja noch einen dritten gelernten Mittelstürmer neben Guirassy und Pfeiffer. Das Eigengewächs Thomas Kastanaras (20) war vor einigen Wochen auch schon nah dran an der ersten Elf, Labbadia lobte ihn nach Abschluss der Vorbereitung für seine Wissbegierigkeit und berichtete von Zusatzschichten. Die Pflichtspielleistungen überzeugten den Trainer dann aber doch nicht. Nach einem Startelf-Einsatz bei RB Leipzig auf dem rechten Flügel und einer Einwechslung gegen die Bremer musste sich Kastanaras erst einmal wieder hinten anstellen – weitere Bundesliga-Minuten sind seitdem nicht dazugekommen. „In den Spielen tut er sich noch schwer, Dinge umzusetzen“, sagt Labbadia. Die Folgerung: „Momentan kann er noch nicht die Verantwortung als alleinige Spitze übernehmen.“

Wäre ein Systemwechsel eine Option?

Bliebe ein Systemwechsel. Etwa eine Doppelspitze, um die Last im Sturmzentrum auf mehreren Schultern zu verteilen. Auch das zeichnet sich aber nicht unbedingt ab. Einzig in der letzten halben Stunde des DFB-Pokal-Achtelfinales beim SC Paderborn setzte Labbadia mit Guirassy und Pfeiffer auf zwei Stoßstürmer – und repräsentativ für den Bundesliga-Alltag war dieses Spiel mit 72 Prozent Ballbesitz und zahllosen Flanken-Situationen in Strafraumnähe auch nicht unbedingt. „Ob das zur Eintracht passt, lassen wir mal dahingestellt sein“, sagt der VfB-Trainer mit Blick auf das Spiel am Samstag, in dem es viel hin und her gehen dürfte.

So dauert die Stuttgarter Stürmersuche an. „Die Position ist offen“, sagt Labbadia – und betont, auch die letzten Trainingseindrücke noch in die Entscheidung mit einfließen lassen zu wollen. Fest steht: Er wird schnell die richtige Guirassy-Alternative finden müssen. Damit es wieder öfter klappt mit dem Gewinnen.