Immer einen Tick schneller am Ball: Tobias Rühle und die SG Sonnenhof sind dem VfB II (Matthias Zimmermann, rechts) klar überlegen. Foto: Baumann

Frühe Führung, frühe Überzahl und am Ende das Derby souverän mit 3:0 gewonnen: Fußball-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach zeigt gleich zum Auftakt 2016, dass mit ihm im Aufstiegsrennen zu rechnen ist. Der VfB II dagegen zeigt viel zu wenig Gegenwehr.

Stuttgart - Die Stimmung im Lager der SG Sonnenhof Großaspach war großartig. „Fünf Tore hätte er machen müssen, fünf“, rief Michele Rizzi seinem Mittelfeldkollegen Timo Röttger breit grinsend im Kabinengang zu, als dieser freudestrahlend Interviews gab. Seine Saisontreffer sechs und sieben hatte Röttger zum 3:0(2:0)-Sieg beigesteuert. Und Rizzi hatte zwar leicht übertrieben, aber zumindest ein Tor hätte der glänzend aufspielende Röttger, der seine Ausbildung bei Bayer Leverkusen genoss, mehr machen müssen: In der 18. Minute scheiterte der 31-Jährige freistehend an Mitch Langerak. Der VfB-Neuzugang aus dem Profikader stand erstmals im Tor. Er hatte sich im Sommertrainingslager einen Muskelbündelriss zugezogen. Danach gab es Probleme wegen einer Zyste im Knie.

Mitch Langerak kann bei den Gegentoren nichts machen

An Langerak lag es jedenfalls nicht, dass der VfB an diesem Nachmittag vor 875 Zuschauern im Gazistadion chancenlos war. Früh geriet die Elf von Trainer Walter Thomae in Unterzahl und in Rückstand. Nach einer Notbremse am agilen Tobias Rühle flog VfB-Innenverteidiger Stefan Peric vom Platz. Rizzi verwandelte den Strafstoß sicher – sein sechster verwandelter Elfmeter in dieser Runde, sein insgesamt achtes Saisontor. Was danach folgte, war ein Lehrbeispiel für gekonntes Überzahlspiel: Die SG-Spieler steckten eben nicht zurück, liefen nicht einen Schritt weniger, sondern packten noch eine Schippe drauf. Sie dominierten die Partie nach Belieben, sie ließen den Ball klasse laufen, hielten den Gegner weit von ihrem Tor weg. „Natürlich ist es unglücklich gelaufen und nach dem 0:1 extrem schwierig gewesen“, sagte VfB-Trainer Thomae, nicht ohne sein Team zu kritisieren: „Es war echt enttäuschend wie meine Spieler in die Zweikämpfe gingen. Sie liefen neben dem Gegner her. So etwas ärgert mich.“ Kapitän Tobias Rathgeb konnte da nicht widersprechen: „Wir hätten uns mehr wehren müssen.“

Kramny sieht enttäuschenden Bundesliga-Nachwuchs

Das tat der an diesem Tag restlos enttäuschende Bundesliga-Nachwuchs unter den Augen von Profi-Trainer Jürgen Kramny nicht. Keiner gab Kommandos, keiner stellte die Passwege des Gegners zu. Die Mittelfeldstrategen Rathgeb und Marvin Wanitzek tauchten ab. Es fehlten die Grundtugenden.

So hatte die SG leichtes Spiel durch die Tore von Röttger auf 2:0 (32.) und 3:0 (62.) zu erhöhen. „Kompliment an meine Mannschaft wie präsent, aktiv und konzentriert sie hier aufgetreten ist“, lobte SG-Trainer Rüdiger Rehm. Der Lohn: Nach drei sieglosen Punktspielen gegen den VfB II (3:3, 1:4, 1:3) holte Großaspach in diesem Derby erstmals drei Punkte. Damit setzte der Vorjahres-Neuling gleich zu Beginn des Jahres ein Ausrufezeichen im Kampf um den Sprung in die zweite Liga. Thomae hat die SG jedenfalls voll auf der Rechnung: „Wir müssen unsere Punkte gegen andere Gegner als einen Aufstiegskandidaten holen.“ Rehm nahm die Aussage schmunzelnd zur Kenntnis. Dass sein Team auch die nötigen Alternativen auf der Bank hat, zeigte die Partie auf der Waldau. Rehm entschied sich neben Kapitän Daniel Hägele für Kai Gehring in der Innenverteidigung, Julian Leist brummte auf der Bank. „Das war die schwerste Entscheidung meiner Trainerkarriere, eine Bauchentscheidung“, sagte Rehm.

Solche Luxusprobleme kann der VfB II nicht vorweisen. Immerhin bekommt Trainer Thomae in Neuzugang Joel Soñora (Boca Juniors Buenos Aires/Vertrag bis 2018) eine Alternative für den Offensivbereich. Gegen Großaspach war der Argentinier noch nicht einsatzberechtigt. Spielentscheidend war das in dem einseitigen Derby nicht.

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