Silas Katompa erzielt das 2:0 für den VfB Stuttgart im Pokalspiel gegen Borussia Dortmund. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB Stuttgart steht nach einem hoch verdienten Sieg gegen Borussia Dortmund im Pokal-Viertelfinale. Wie konnte das Team den vermeintlichen Titeljäger derart dominieren? Eine Analyse.

Die Fans des VfB Stuttgart mussten auch am Mittwochabend wieder tief in ihrem Gedächtnis kramen – denn all diese Jubellieder waren ja jahrelang nicht zu gebrauchen. Doch schon Minuten, ehe der Abpfiff ertönt war im Pokal-Achtelfinale der Stuttgarter gegen Borussia Dortmund sangen sie: „. . . und wir holen den DFB-Pokal, und wir werden deutscher Meister.“ Denn plötzlich scheint alles möglich im schwäbischen Fußball-Wunderland.

 

2:0 (Liveticker zum Nachlesen) und hoch verdient hat der VfB am Mittwoch unter den Augen des Bundestrainers Julian Nagelsmann den BVB besiegt und steht zum zweiten Mal hintereinander im Viertelfinale des DFB-Pokals. Weitere 1,72 Millionen Euro ist dieser Erfolg wert – und das Selbstvertrauen wurde vor den Topduellen in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen und den FC Bayern weiter gestärkt.

„Wir haben über weite Strecken ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagte Sebastian Hoeneß, „es war ein absolut verdienter Sieg – das macht uns schon ein bisschen stolz.“

Der Trainer des VfB, hatte eigentlich keinen Grund gehabt, seine Mannschaft im Gegensatz zum 2:0-Erfolg in der Bundesligapartie gegen Werder Bremen zu verändern – und tat es dennoch. Auf der rechten Abwehrseite feierte Josha Vagnoman sein Startelf-Comeback, er spielte anstelle von Pascal Stenzel. Weil Angelo Stiller wieder fit war, musste auch Silas Katompa auf der Bank Platz nehmen. Anders als zuletzt trat der VfB deshalb aber nicht auf. Ganz im Gegenteil.

Die Merkmale der bisherigen Stuttgarter Saison traten noch mehr zum Vorschein als sonst – auch, weil es der BVB gar nicht anders haben wollte. Die Dortmunder, immerhin Teilnehmer an der Champions League und als Titeljäger in die Saison gestartet, traten äußerst defensiv auf, formierten sich in einem 5-4-1-System und hofften auf Konter durch die schnellen Jamie Bynoe-Gittens, Karim Adeyemi und Youssoufa Moukoko. Es waren „Anpassungen“ (BVB-Coach Edin Terzic) im Nachgang zur 1:2-Niederlage der Borussia in Stuttgart vor dreieinhalb Wochen. Marco Reus, Julian Brandt und Niclas Füllkrug saßen zunächst auf der Bank.

Doppelspitze zunächst mit wenig Raum

Und sahen dort, wie der VfB die Partie zwar dominierte, sich aber schwer tat, gegen die massiven Defensivriegel der Gäste einen Weg vors Tor zu finden. Deniz Undav und Serhou Guirassy stürmten zwar wieder gemeinsam, hatten aber Probleme, Raum für ein gelungenes Zusammenspiel zu finden. Der VfB also presste, bespielte die wenigen Räume, dribbelte – aber die erste Chance hatte dann tatsächlich der BVB: Marcel Sabitzer traf mit einem Schuss aus 20 Metern die Latte. Die Stuttgarter wurden vor allem kurz vor der Pause gefährlicher, als sie die Dortmunder zu Fehlern im Aufbau zwangen, aber kein Kapital daraus schlagen konnten.

Nach dem Wechsel stellten die Stuttgarter die Dortmunder Stressresistenz noch konsequenter auf die Prüfung – und wurden schon für ihre Vehemenz belohnt. Zweimal wurde Guirassy geblockt, beim dritten Versuch – er war von Enzo Millot freigespielt worden – ließ er Gregor Kobel dann aber keine Chance und schob den Ball in der 54. Minute durch die Beine des BVB-Keepers.

Die Führung war hoch verdient, und der VfB hätte durch Millot gleich erhöhen können. Weil der Franzose aber an Kobel scheiterte, berappelten sich die Dortmunder nach und nach – und begannen selbst, offensiv zu denken. Was gleich dazu führte, dass der Ball im VfB-Tor landete. Allerdings war Jamie Bynoe-Gittens beim Zuspiel von Niclas Füllkrug knapp im Abseits gestanden (60.). Das Spiel war nun offen – doch auf die spielerische Klasse des VfB war erneut Verlass.

Nur noch drei Bundesligisten dabei

Im Mittelfeld spielte Maximilian Mittelstädt den Doppelpass mit Enzo Millot. Der Ex-Berliner passte dann in den Lauf des eingewechselten Silas Katompa – der den Ball an Kobel vorbei ins Tor spitzelte. 2:0 in der 77. Minute – das Ticket ins Viertelfinale war endgültig gebucht. „Wir haben verdient gewonnen“, sagte der VfB-Mittelfeldspieler Chris Führich. Und sein Kapitän Waldemar Anton lobte sich und seine Kollegen: „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht.“

Dass für die Stuttgarter im Viertelfinale nicht Endstation sein muss, zeigt allein die Besetzung der Runde der letzten Acht – in der nur noch zwei weitere Erstligisten stehen. Weshalb die Fans des VfB weiter singen und träumen dürfen.