Hannover 96 und der VfB Stuttgart gelten als Topfavoriten für den Wiederaufstieg Foto: dpa

Hannover 96 ist nach dem Abstieg in die zweite Liga deutlich besser aus den Startlöchern gekommen als der VfB Stuttgart. Das hat Gründe.

Stuttgart/Hannover - In der vergangenen Spielzeit war Hannover 96 eine Klasse für sich. Unterklasse, wohlgemerkt. Der Abstieg der Niedersachsen mit am Ende nur 25 Punkten stand bereits am 31. Spieltag fest. Hannover 96 in der Saison 2015/2016, das war: Ein hoffnungsloser Fall.

Umso erstaunlicher der prompte Aufschwung in Liga zwei. Nach zwei Spieltagen hat Hannover die Tabellenspitze im Sturm erobert: Zwei Spiele, zwei Siege, 7:1 Tore, an der Leine lacht die Sonne. Und in Stuttgart? Blicken die Fans ein wenig neidisch gen Norden und fragen sich: Warum läuft es beim einen Absteiger, aber bei uns nicht? Der Saisonstart des VfB Stuttgart mit dem glücklichen Sieg gegen St.Pauli und der Niederlage in Düsseldorf fiel doch recht holprig aus, kam angesichts der Voraussetzungen aber auch nicht wirklich überraschend. Trainer plus Sportchef geschasst, Präsident zurückgetreten, dazu die vielen Stammkräfte, die den Verein verlassen haben. Der Begriff Radikalumbruch ist noch untertrieben für das, was auf dem Cannstatter Wasen in den zurückliegenden Monaten passierte.

Auch in Hannover wurde einiges umgewälzt, jedoch weit behutsamer. Trainer Daniel Stendel übernahm die Mannschaft bereits zum Ende der vergangenen Rückrunde und konnte sie, als der Abstieg nicht mehr abzuwenden war, bereits auf die zweite Liga vorbereiten. Der VfB hoffte dagegen bis zum Schluss und fiel anschließend in ein großes Loch. Trainer Jos Luhukay musste bei Null beginnen. Insofern erweist sich der frühzeitige Abstieg nun zum Vorteil für die 96er, weil sie auf dem Transfermarkt einige Wochen früher aktiv und mit Niclas Füllkrug, Martin Harnik und Sebastian Maier auch nicht das schlechteste Zweitligapersonal für sich gewinnen konnten.

Hannover kämpft um seine Topspieler

Bis auf wenige Ausnahmen blieb die Mannschaft aber zusammen. Unter den elf Abgängen waren nur zwei Stammspieler (Torwart Ron-Robert Zieler/zu Leicester City und Hiroshi Kiyotake/zum FC Sevilla), der VfB verlor mit Daniel Didavi, Martin Harnik, Lukas Rupp, Timo Werner, Filip Kostic und Serey Dié hingegen fast sein komplettes Tafelsilber. „Der VfB hatte die Klasse, die wir in dieser Form nicht hatten – deswegen hat er sie nach dem Abstieg verloren“, vergleicht Hannovers Sportchef Martin Bader die Situation beider Vereine.

Mit Salif Sané tritt ein weiterer Unterschied zwischen den zwei Absteigern zu Tage: Während die Verantwortlichen in Stuttgart gar nicht erst den Versuch unternahmen, ihren Topmann Filip Kostic vom Bleiben zu überzeugen, stellt Hannovers Clubchef Martin Kind unmissverständlich klar. „Salif Sané wird nicht verkauft.“

Trotz Angeboten aus Köln, Schalke und Wolfsburg wollen die Niedersachsen den Abwehrspieler halten. „Wenn wir – exemplarisch gesprochen – zehn Millionen Euro für ihn bekämen und schaffen dann den Wiederaufstieg nicht, dann fehlen uns 50 Millionen Umsatz in der Ersten Liga“, erklärt Kind seine Ablehnung des Transfers. „Das ist eine Güterabwägung, dieses Geschäftsmodell funktioniert nicht.“

Noch gibt der Senegalese nicht die beleidigte Leberwurst und weiter alles für den Verein, sicher auch getragen von der Euphorie, die um die Roten aus Hannover entstanden ist. Anders als in Stuttgart, wo die Aufbruchstimmung nach zwei Spieltagen schon wieder zu verfliegen droht und den Spielern der große Druck im ersten Heimspiel noch in den Kleidern hing, gehen sie in Niedersachsen souverän mit der Favoritenrolle um. „Sie ist für uns kein Druck, wir nehmen sie als Motivation“, sagt Mittelfeldspieler Sebastian Maier. „Man hat gesehen, dass wir Bock auf die Aufgabe haben.“

Bader hat den VfB weiter auf der Rechnung

Dabei ist der Druck in Hannover, aufsteigen zu müssen, genauso groß wie in Stuttgart. Dafür sorgt schon Martin Kind mit markigen Ansagen wie dieser: „Wenn wir nicht aufsteigen, wird man alles in Frage stellen müssen, und das wird sich keiner wünschen.“

Beim VfB wird (noch) nichts in Frage gestellt, schließlich ist die Saison erst zwei Spieltage alt. Und glaubt man Martin Bader, dann wird sich „die Qualität des VfB auf lange Sicht durchsetzen. Es würde mich schon wundern, wenn am Ende nicht beide Mannschaften aufsteigen.“ Sollte Hannover dabei wieder schneller dran sein – beim VfB könnten sie es verschmerzen.

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